Stattauto ist einer der ältesten Anbieter in Deutschland

Carsharing seit 25 Jahren in Kassel: 2000 Fahrer teilen sich 65 Autos

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25 Jahre Stattauto Kassel: Walter Köhler und Natalie Bauer präsentieren zwei Autos der Flotte von insgesamt 65 Fahrzeugen, einen Opel Astra Kombi und einen neunsitzigen Opel Vivaro auf dem Friedrichsplatz vor dem Fridericianum.

Kassel. Ein Fahrzeug ist genau genommen ein Stehzeug. Die meisten Privatautos werden laut langjähriger Statistik nur etwa eine Stunde täglich gefahren, stehen aber 23 Stunden des Tages ungenutzt herum.

So entstand vor 25 Jahren in Kassel die Idee, dass man sich Autos teilen könnte. Am Samstag feiert Stattauto Carsharing Kassel das Jubiläum.

Stattauto-Gründer und Inhaber Walter Köhler war 1991 mit zwei älteren Gebrauchtwagen – einem Citroen und einem siebensitzigen Mitsubishi – sowie einer Handvoll Kunden gestartet. Heute nutzen 2000 Kunden die 65 Autos an 35 Standorten in Kassel und dem Außenposten Witzenhausen.

Cabrio-Spaß für die Stattauto-Nutzer: 1998 hatte Walter Köhler erstmals ein Cabrio angeschafft.

Stattauto ist einer der ältesten Carsharinganbieter in Deutschland. Kassel war seinerzeit nach Berlin (1988) und Bremen (1990) die dritte Stadt mit einem Angebot zum Autoteilen. Unterschiedliche Autos vom Kleinwagen über den Mittelklassekombi bis zum neunsitzigen Bus oder Transporter für einen Umzug sorgen für einen adäquaten Ersatz eines Privatwagens. Das spart den Nutzern Geld, es wird weniger Parkraum benötigt und zudem die Umwelt geschont. Mit einem selbstgeschriebenen Computer-Rechnungsprogramm war der Gründer an den Start gegangen. „Wir haben alles von Hand gemacht“, erinnert sich Walter Köhler. Selbst die Bankeinzüge wurden per Hand ausgefüllt.

Erste Firma mit Webseite

Das junge Unternehmen war freilich die erste Firma in Kassel, die 1993 bereits eine eigene Webseite hatte. „Damals hatten nur Hochschulrechenzentren solche Seiten“, erzählt Köhler. Er gehörte damals zur Mailbox-Szene, hatte schon seit 1988 eine private E-Mail-Adresse und ärgerte sich gemeinsam mit anderen Technikbegeisterten, dass sich auch die Kasseler Uni – damals noch Gesamthochschule genannt – geweigert hatte, „uns ins Internet zu routen.“ Früh habe er erkannt: „Das ist eine Technologie, die die Welt verändern wird.“

Heute ist das Internet aus dem Carsharing nicht mehr wegzudenken. Etwa 70 Prozent der Buchungen werden im über die Internetseite getätigt, seit Anfang 2016 immer stärker auch über eine App für Smartphones. Nur noch ein knappes Drittel der Autonutzer bucht ein Fahrzeug über die rund um Uhr erreichbare Taxizentrale Kassel, die als telefonische Buchungszentrale für Stattauto tätig ist.

Kooperationspartner von Stattauto sind neben der Taxizentrale auch die Vereinigten Wohnstätten 1889. Die Mitglieder der Kasseler Wohnungsgenossenschaft erhalten Vergünstigungen.

Walter Köhler sieht seine Firma mit insgesamt vier Mitarbeitern und sieben ehrenamtlichen Autobetreuern für die Zukunft gerüstet, wünscht sich aber spezielle Parkplätze für Carsharing-Autos. Er ist sicher, dass in Kassel mehr Menschen auf das eigene Auto verzichten würden, wenn es ausreichend Parkplätze für die Stattauto-Fahrzeuge gäbe.

So funktioniert das Autoteilen

Anders als bei einer Autovermietung kann man als Mitglied bei Stattauto jedes Fahrzeug auch stundenweise buchen. Wer Mitglied werden will, zahlt 50 Euro Aufnahmegebühr und 250 Euro Kaution für Chipkarte und Tresorschlüssel. Wer öfter fährt, zahlt acht Euro Monatsbeitrag und bekommt dann günstige Stundentarife (ein Opel Corsa kostet beispielsweise 2,40 Euro pro Stunde). Im Preis ist alles enthalten. Stattauto kümmert sich um Wartung, Pflege, Versicherung, Steuern, Reparaturen und Tüv. Nur tanken müssen die Nutzer selbst mit einer Tankkarte im Wagen. Auch der Sprit ist nämlich schon im Preis mit drin. Wer selten fährt, wählt den Flexi-Tarif, zahlt keine Monatsgebühr und dafür etwas höhere Stundentarife (Corsa pro Stunde 3,40 Euro). Es gibt auch Tages- oder Wochentarife für die Autos, die nach der Nutzung stets an ihren festen Stellplatz – es gibt insgesamt 35 in der Stadt – zurückgebracht werden müssen.

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