Club „Unten“: Unterstützer wirft Bahn Arroganz vor

Kämpfen für das Unten: Unterstützer Jürgen Truß (links) und Club-Betreiber Andreas Störmer. Foto: nh

Der Club "Unten" im Kasseler Kulturbahnhof steht kurz vor dem Aus. Die Unterstützer kämpfen trotzdem weiter und werfen der Bahn, die an der Kündigung festhält, Arroganz vor.

Kassel. Jetzt kann nur noch ein Wunder den von der Schließung bedrohten Club Unten im Kasseler Kulturbahnhof retten. Trotz zahlreicher Proteste von Fans des Konzert- und Partyladens sowie aus der Politik hält die Bahn an ihrer Kündigung zum 30. Juni fest.

Seine Entscheidung teilte das ehemalige Staatsunternehmen bislang zwar nicht offiziell mit, sie geht aber aus einem Schreiben hervor, das der Techno-Fan und Unten-Unterstützer Jürgen Buchhauer von der Immobiliensparte der Bahn erhielt. Der 61-Jährige aus Zierenberg arbeitet bei der Werbefirma Ströer Media und hat daher gute Kontakte zur Bahn.

Dort hat Buchhauer im Fall des Unten eine „unfassbare Arroganz“ festgestellt. Offiziell hatte die Bahn die Kündigung mit Sicherheitsbedenken begründet. Laut Buchhauer seien jedoch längst alle Mängel behoben: „Wenn sich ein Mitarbeiter der Sache annehmen würde, müsste er feststellen, dass die Entscheidung falsch ist.“

So ähnlich sehen das auch die fast 4000 Unterzeichner einer Internet-Petition für den Erhalt des Unten. Schauspieler und Dramaturgen des Staatstheaters verfassten einen offenen Brief. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Brigitte Zypries setzte sich als Bahn-Aufsichtsrätin für den Club in ihrer Heimatstadt ein. Und Oberbürgermeister Bertram Hilgen machte sich Ende Mai in einem Brief an die Bahn für die Betreiber stark und schlug einen „runden Tisch im kleinen Kreis“ vor. Darauf gab es bis heute ebenso wenig eine Antwort wie auf unsere Fragen, die wir gestern an die Bahn richteten.

Andreas Störmer und Mathias Jakob, die den Szenetreff 2013 gegründet hatten, suchen derweil mit befreundeten Unterstützern wie dem Kasseler Radiologen Jürgen Truß nach alternativen Standorten in der Stadt. Hilfe gibt es dabei auch vom Kulturamt, wie Leiterin Dorothée Rhiemeier versicherte.

Darüberhinaus deutete ihr Chef Hilgen (SPD) weitergehende Unterstützung an. Auf die Anfrage des CDU-Stadtverordneten Marcus Leitschuh im Kulturausschuss, wie die Stadt dem Unten und der freien Szene helfe, kündigte er an, bei „eigenen Liegenschaften“ aktiver zu werden. Das könnte heißen, dass die Stadt Räume für Kreative pachtet oder kauft. Allerdings „können wir nur investieren, wenn der Haushalt ausgeglichen ist“.

Das wird auch Buchhauer freuen, der die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat, dass es im Kulturbahnhof doch weiter geht: „Wir kämpfen bis zum letzten Tag - also noch 28 Tage.“

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