Sensoren überprüfen 200 Mal pro Sekunde die Bewegung des Trägers

Airbag statt Helm: Die coole Trockenhaube für Radfahrer

Rundum geschützt: Daniel Gebert von Bike Facts Kassel demonstriert den Hövding-Airbag für Radfahrer, der wie eine Halskrause aussieht und bei einem Unfall zum gut gepolsterten Kissen wird.

Kassel. Ein neuer Helm verspricht laut Händler Jürgen Rademacher mehr Sicherheit.

Bislang gab es für Jürgen Rademacher keine Alternative zum Fahrradhelm. Wenn der Triathlet mit seinen Vereinskollegen vom Tri-Team Fuldatal auf dem Rennrad trainiert, fährt niemand oben ohne. Nun kann man aber auch mit einem speziellen Hightech-Schal sicher unterwegs sein.

Als einer der ersten Radhändler in Kassel verkauft Rademacher in seinem Geschäft Bike Facts in Kirchditmold den Radfahrer-Airbag der schwedischen Firma Hövding. Das 299 Euro teure Teil sieht aus wie eine zur Halskrause gewordene Regenjacke und ist mit Sensoren ausgestattet, die 200 Mal pro Sekunde die Bewegungen seines Trägers überprüfen. Fällt der Radler, entfaltet sich der Airbag um den gesamten Kopf. Manche Experten halten die Erfindung aus Skandinavien bereits für „die größte Revolution in der Geschichte der Fahrradhelme“.

Mit seinem Team hat Rademacher die Revolution in einem verblüffenden Video festgehalten. Bike-Facts-Mitarbeiter Daniel Gebert legt sich den Airbag an, radelt durch den Garten hinter dem Laden und lässt sich auf eine Matte fallen - plötzlich wird der Schal zu einer gut gepolsterten Trockenhaube.

Erfunden wurde der Hövding von den Industriedesignerinnen Anna Haupt und Terese Alstin. Typisch, zwei Frauen, wird jetzt mancher sagen. Gerade Radfahrerinnen gelten als Helmmuffel, weil sie Angst um ihre Frisur haben.

Aber nicht nur ästhetisch überzeugt der Airbag. In Tests erzielte der Häuptling (so die Übersetzung) dreifach bessere Werte bei der Stoßdämpfung als der beste untersuchte Helm. Das Risiko für ernsthafte Hirnverletzungen soll mit dem Hövding bei nur 2 Prozent (statt 90 Prozent mit einem normalen Helm) liegen.

Kritiker haben allerdings auch Nachteile ausgemacht. Mit mehr als 600 Gramm ist der Airbag nicht gerade leicht. Testfahrer bemängelten eine mangelnde Lüftung. Der Akku soll bei 30 Minuten täglicher Fahrzeit sieben Wochen halten, ehe er per USB-Kabel aufgeladen werden muss.

Die Neuheit ist auch nicht ganz billig. Das relativiert sich laut Rademacher, denn einen herkömmlichen Helm sollte man nach sechs Jahren austauschen, weil er dann porös wird. Den Hövding kann man zehn Jahre um den Hals tragen - wenn der Airbag nicht ausgelöst wird. Dann braucht man einen neuen. In zwei Monaten hat Rademacher bereits acht Stück verkauft. Auch bei Lucky Bike an der Holländischen Straße hat man eine gesteigerte Nachfrage festgestellt.

In Dänemark und den Niederlanden sieht man jedoch kaum Radler mit dem Hövding. Dort hat ohnehin fast niemand einen Helm auf. Und trotzdem ist man in den beiden Ländern als Radfahrer deutlich sicherer unterwegs als hierzulande, wie Unfallstatistiken beweisen. Das liegt an gut ausgebauten Radwegen und besonnenen Autofahrern. In Deutschland gibt es hingegen noch keine Alternative zum Helm - oder zum Hövding.

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