Neues Gesetz erschwert bei Krimininalität im Internet die Arbeit der Polizei - Weniger Fälle werden angezeigt

Online-Kriminalität in Nordhessen ging zurück

Tatort Internet: Das Netz bietet nicht nur Möglichkeiten, sondern birgt auch Gefahren. Viele Fälle würden laut Einschätzung der Polizei gar nicht erst zur Anzeige gebracht. Foto: dpa

Kassel. Die Zahl der Fälle im Bereich der Online-Kriminalität ist im Jahr 2010 im Vergleich zum Vorjahr in Nordhessen gesunken. Das teilte Pressesprecher Wolfgang Jungnitsch auf Anfrage der HNA mit.

Wurden 2009 noch circa 3200 Fälle bei der Polizei in Nordhessen gemeldet, waren es im vergangenen Jahr etwa 2700. Im Jahr 2008 gingen dagegen gut 2000 Anzeigen bei der Polizei ein.

Die Form der Kriminalität im Internet umfasse ein breites Spektrum, doch „den Löwenanteil machen Betrügereien mit Warenbestellungen im Netz aus“, sagt Jungnitsch und warnt vor verfrühter Freude über den Rückgang der Zahlen.

Wolfgang Jungnitsch

Denn dafür gebe es eine Erklärung: Seitdem das Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2010 die Vorratsdatenspeicherung von IP-Adressen verbietet, würden deutlich weniger Fälle zur Anzeige gebracht. „Die neue Regelung erschwert die Ermittlungsarbeit erheblich“, bestätigt Marcus Fischer, Mitarbeiter des Zentralkommissariats (ZK) 50 für Online-Kriminalität im Polizeipräsidium Kassel. „Es ist jetzt nicht mehr möglich, Verbindungen zu Servern zurückzuverfolgen. Wir vermuten, dass deshalb viele Opfer von Betrugsfällen oder Belästigung im Internet gar nicht erst Anzeige erstatten.“ Viele Nutzer fielen ihrer Gutgläubigkeit zum Opfer. „Leider führt die Gier oft dazu, die Vorsicht zu vernachlässigen“, mahnt der Polizist.

Besonders warnt die Polizei vor scheinbar unschlagbar günstigen Preisangeboten im Netz. „Die Täter gehen sehr dreist vor - Mal wird nach der Bestellung Vorkasse verlangt, mal schreiben sich Betrüger in Online-Portalen selbst positive Bewertungen“, berichtet Fischer.

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Hundertprozentige Sicherheit gebe es im Netz zwar nie, doch könne man Risiken minimieren. Wenn man als Internetnutzer etwa Ware bei einem deutschen Unternehmen bestellt, und die Internetadresse endet nicht auf „de“, sollten die Alarmglocken schrillen, rät das Team vom ZK 50. Besondere Vorsicht sei auch beim Online-Banking geboten. So fragten seriöse Kreditinstitute niemals einen Pincode übers Internet ab. Das Ausspähen von Daten im Internet - genannt Phising - sei noch immer ein lukratives Geschäft für die Täter.

Doch nicht nur Privatpersonen, auch Firmen werden Opfer von Online-Kriminalität. Eine verbreitete Methode, um einem Unternehmen zu schaden, sind etwa sogenannte DDOS-Attacken: Von einer Vielzahl von Rechnern werden Anfragen an einen Server gestellt, damit dieser aus Überlastung zusammenbricht. Fischer: „Erst im Dezember hatten wir in Kassel einen solchen Fall, an dem wir noch dran sind. Meistens gehen diese Angriffe mit Erpressungen einher.“ So erlebe die Polizei durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts die Kehrseite des Datenschutzes.

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