Drei Mal mehr Stellflächen in Parkhäusern als im Straßenraum

Debatte um Parkgebühren in der Innenstadt: Noch reichlich Platz für Autos

Größter Parkraum im Zentrum Kassels: Die Tiefgarage unter dem Friedrichsplatz mit 980 Stellflächen ist im Jahresdurchschnitt zu 50 Prozent ausgelastet. Archivfoto:  Zgoll

Kassel. In Kassels Innenstadt stehen 1000 städtischen Autoparkflächen an Straßen und auf Plätzen über 3000 Plätze in Parkhäusern gegenüber.

Mehr als die Hälfte davon stellt die Parkhausgesellschaft der Stadt Kassel.

Nach Angaben von deren Geschäftsführer Gerhard Jochinger sind die Parkhausplätze im Jahresdurchschnitt zu rund 50 Prozent ausgelastet. „Da haben wir Spielraum ohne Ende“, sagt er vor dem Hintergrund der Dauerdebatte um die Parkgebühren in der Innenstadt.

Seit die Stadtverwaltung 2014 für ihre oberirdischen Parkflächen kräftig an der Gebührenschraube gedreht hat, klagt der Einzelhandel vernehmlich über ausbleibende Kundschaft. Bei einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer hatten vier von fünf Händlern gesagt, dass höhere Parkkosten bei ihnen zu Umsatzrückgängen führen würden.

Parkhausmanager Jochinger hält dem entgegen, dass beim weitaus größeren Anteil aller Autostellflächen in Kassel – nämlich jenen in den Parkhäusern – die Preise nicht gestiegen seien. Dies müsse beim Einkaufspublikum besser vermarktet werden, sagt er.

Seinen Vorschlag, dass Innenstadthändler ihren Kunden Gutscheine für die Nutzung von Parkhäusern anbieten sollen, praktiziert Jochinger selbst in der von ihm und seiner Frau Monika geleiteten Königs-Galerie. Für die etwa 60 Geschäfte im Haus ist es Mietvertragsbestandteil, dass sich Kunden bei ihnen ab einem bestimmten Einkaufswert einen Parkbonus für die Tiefgarage Friedrichsplatz gutschreiben lassen können.

Es gibt darüber hinaus etwa ein Dutzend umliegende Innenstadtbetriebe, die ihren Kunden ebenso diesen Parkbonus anbieten. Während die Königs-Galerie für die Parkgutschriften eine hauseigene Bonuscard nutzt, erhalten die externen Teilnehmer geldwerte Pappkärtchen, die ihre Kunden zur direkten Zahlung an Parkhaus-Automaten nutzen können.

Für dieses System möchte Jochinger im Innenstadt-Einzelhandel möglichst viele Mitstreiter gewinnen. Falls eine gewisse Anzahl von Teilnehmern erreicht wird, könnten clevere Kunden im Stadtzentrum weitgehend kostenfrei parken.

Kundenkarte nötig in Kö-Galerie

In der Tiefgarage Friedrichsplatz kann man gratis parken, wenn man in der Königs-Galerie für mindestens zehn Euro einkauft – so lautet die Werbung. Wir haben einmal getestet, wie das Gratis-Parken funktioniert. Ergebnis: In der Galerie selbst klappt es nur mit der Kö-Bonuskarte.

Bevor es in die Tiefgarage geht, gibt es an der Einfahrt auf Knopfdruck eine Parkkarte aus Pappe. Unser Einkauf bei Tegut in der Kö-Galerie kostet knapp zwölf Euro – jetzt müsste es eigentlich den Parkbonus geben. Als der Verkäufer die Quittung aushändigt und immer noch nicht gefragt hat, ob die Parkvergünstigung gewünscht ist, haken wir nach und zeigen die Parkkarte. „Jetzt bekomme ich doch die Parkgebühren erstattet, oder?“

Einen kurzen Moment überlegt der Verkäufer, als höre er zum ersten Mal von der Gebührenerstattung und verneint die Frage schließlich. „Mit dieser Karte kann ich gar nichts anfangen. Dafür brauchen Sie so eine Plastikkarte mit Magnetstreifen.“ Nur dann sei eine Gutschrift möglich. Bei der Information könne man die Karte beantragen.

Zögerliche Auskünfte

Im Bodyshop informieren wir uns vor dem Kauf über die Erstattung von Parkgebühren und erhalten nur eine zögerliche Auskunft über das Verfahren. Eine Erstattung gebe es nur mit Kö-Bonuskarte. Wie das genau funktioniert, kann die Verkäuferin aber nicht erklären und verweist an das Centermanagement. Weder bei Tegut noch im Bodyshop bekommt man den Eindruck, dass der Parkbonus aktiv vermarktet wird.

Bei Tee Gschwendner kennen sich die Mitarbeiter hingegen sehr gut aus. Hier bekommen wir eine ausführliche Erklärung zur Parkgutschrift sowie einen Antrag für die Kö-Bonuscard. Aber auch hier heißt es: „Die Erstattung gibt es nur mit der Plastikkarte.“ Das bestätigt schließlich auch ein Besuch bei der Mitarbeiterin des Parkleitstands in der Tiefgarage.

So funktioniert das kostenlose Parken in der Kö-Galerie:

1. Die Kö-Bonuskarte beantragen (gibt es zum Beispiel im Parkleitstand oder an der Information).

2. Für mindestens zehn Euro in der Königs-Galerie einkaufen.

3. Bonuskarte beim Bezahlen zeigen.

4. Der Händler bucht pro zehn Euro Einkaufswert einen Euro Parkguthaben auf die Karte.

Die Bonus-Card kostet den Kunden 15 Cent pro Monat, die mit dem Kartenguthaben verrechnet werden.

Das sagt Gerhard Jochinger

Warum muss man für eine Parkgebührengutschrift in der Königs-Galerie die hauseigene Kundenkarte haben, in anderen teilnehmenden Geschäften aber nicht? Gerhard Jochinger sagte zur Begründung, in den Geschäften der Galerie würden spezielle Lesegeräte verwendet, um den Parkbonus gutzuschreiben und mit den Läden gleich abzurechnen. Ein Vorteil sei, dass die Geschäfte im Haus keine Parkguthaben auf Vorrat erwerben müssten. Jeder Kunde könne sich die Bonuscard ohne Wartezeit direkt vor Ort ausstellen lassen.

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