Für Erhalt der Salzmannfabrik

Demonstranten stören Sitzung im Kasseler Rathaus - Milky Chance dabei

Kassel. Es war 16.45 Uhr als die Stadtverordnetenvorsteherin Petra Friedrich kapitulierte. Kurz zuvor waren 150 junge Demonstranten auf die Besucherempore des Stadtverordnetensaals im Rathaus gestürmt. Darunter auch Clemens Rehbein vom weltbekannten Pop-Duo Milky Chance.

Mit Zwischenrufen und Trillerpfeifen machten die Demonstranten auf sich aufmerksam. Wegen der Tumulte wurde die Sitzung für eine Stunde unterbrochen. Unterdessen handelten Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) und Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) mit einigen Demonstranten einen Kompromiss aus.

Aktualisiert um 20.45 Uhr

Seinen Anfang genommen hatte die Rathausstürmung um 15.30 Uhr auf dem Königsplatz. Dort hatten sich 500 überwiegend junge Menschen versammelt, um für Jugendkultur und den Erhalt der Salzmannfabrik zu demonstrieren. Aufgerufen hatte die Initiative Junge Kultur Kassel. In einem Protestmarsch ging es vor das Rathaus, in dem die Stadtverordneten gerade begonnen hatten zu tagen.

Zuerst drangen vom Protest nur das Wummern lauter Boxen und „Bertram, Bertram“-Rufe in den Sitzungsaal – kurz darauf waren die Urheber des Lärms auch sichtbar. Unter den Augen von einem Dutzend Polizisten, die nicht eingreifen mussten, machten die Jugendlichen ihrem Unmut Luft. Sie waren gekommen, um zu hören, was der Magistrat für die Jugendkultur tun will, der zuletzt immer mehr Räumlichkeiten abhanden gekommen waren. Der Abriss der Lagerhallen am Nordflügel des Hauptbahnhof ist das jüngste Beispiel. 

Nun befürchtet die Initiative, dass auch die Salzmannfabrik weiter verfällt und nie mehr für Kultur zur Verfügung steht. Zu einer offenen Debatte sollte es in der Stadtverordnetenversammlung gestern aber erstmal nicht kommen. Zwar war das Thema durch einen gemeinsamen Antrag der Oppositionfraktionen auf die Tagesordnung genommen worden, so lange wollten die Demonstranten aber nicht warten.

Weil auf der Empore trotz Aufforderung und Drohung mit Räumung keine Ruhe einkehrte, wurde die Sitzung unterbrochen. Kurz darauf stellten sich Oberbürgermeister Hilgen und Stadtbaurat Nolda etwa 15 bis 20 Demonstranten zu einem Gespräch im Magistratsaal zur Verfügung. Die Bedingung: Die restlichen Demonstranten durften die Sitzung nicht weiter stören, sodass die eigentliche Sitzung weitergehen konnte. Im Gespräch wurde vereinbart, dass es demnächst ein öffentliches Gesprächsforum geben wird, bei dem das Thema Jugendkultur und die Zukunft von Salzmann diskutiert werden.

Bei der Kundgebung zuvor vor dem Rathaus hatte Ralph Raabe von der Initiative Junge Kultur die Kulturpolitik der Stadt scharf kritisiert: 80 Prozent des Kulturetats werde für die sogenannte Hochkultur ausgegeben. Die alternative Szene leide unter Auszehrung. Der Nordflügel des Kulturbahnhofs sei schon für sie verloren, ebenso wie weitere Domizile junger Kultur. „Jetzt wollen wir Salzmann wiederhaben“, skandierten die Demonstranten und forderten, das verfallende Industriedenkmal in Bettenhausen wieder für kulturelle und soziale Aktivitäten zu öffnen.

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