Diakonissenhäuser Kassel und Waldeck kooperieren

Was wird aus dem Diakonissen-Mutterhaus? 

Tradition und Zukunft: Der Neubau der Diakonie Kliniken und das 1905 erbaute Diakonissen-Mutterhaus im Hintergrund, dazwischen der leerstehende Verbindungsbau. Neben der Gedenktafel links sind Teile der ersten Kapelle des Diakonissenhauses ausgestellt, die 1883 errichtete und durch Bomben 1944 zerstört wurde. Foto: Heise-Thonicke

Kassel. Die Diakonissenhäuser in Kassel und Waldeck sind dabei, sich zusammenzutun. Davon versprechen sie sich die Stärkung aller Arbeitsbereiche und wirtschaftliche Vorteile.

Das Kurhessische Diakonissenhaus Kassel ist an einem neuen Wendepunkt: 152 Jahre nach seiner Gründung steht es seit April dieses Jahres mit dem Waldeckschen Diakonissenhaus unter einer gemeinsamen Leitung. Unter dem Namen Diakonissenhaus Kurhessen-Waldeck wurde dafür eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts gegründet. Zudem werde die Bildung eines gemeinsamen Unternehmens angestrebt, erläutert der theologische Vorstand Dr. Eberhard Schwarz.

„Ziel ist, dass wir in unseren Arbeitsbereichen gut bleiben und besser werden“, sagt Schwarz insbesondere mit Blick auf die Einrichtungen der Altenhilfe und die Kinder- und Jugendhilfe. Beide Diakonissenhäuser machen insgesamt einen Jahresumsatz von rund 34 Mio. Euro und beschäftigen in Kassel 300 sowie in Waldeck rund 400 Mitarbeiter. Dies sei zusammengenommen ein Umsatzvolumen, „das es uns erlaubt, am Markt zu bestehen.“

Dass im Diakonissenhaus Kassel der theologische und der kaufmännische Vorstand gegangen waren, habe dazu geführt, dass bereits lange geführte Gespräche mit dem Waldeckschen Diakonissenhaus wieder aufgenommen wurden, erläutert Schwarz, der den Posten des theologischen Vorstands kommissarisch übernahm.

So sei nun eine enge Zusammenarbeit vereinbart worden. Und der gemeinsame, derzeit vierköpfige Vorstand führe nunmehr das operative Geschäft der beiden Häuser. Dabei gehe es auch um mögliche Synergieeffekte und Einsparungen vor allem im Bereich der Verwaltung beispielsweise durch ein gemeinsames Abrechnungssystem. Auch solle ein gemeinsames Qualitätsmanagement-Konzept erarbeitet werden, das eine bestmögliche Versorgung der Menschen zum Ziel habe.

Mittelfristig solle der Vorstand dann auf zwei Personen schrumpfen. Dann will sich auch der ehemalige Landespfarrer für Diakonie, Dr. Eberhard Schwarz, wieder in den Ruhestand zurückziehen.

Bis dahin gibt es freilich noch viel zu tun. So steht unter anderem die Entscheidung über die Zukunft des 1905 erbauten und unter Denkmalschutz stehenden Mutterhauses an der Goethestraße an. Der Umzug der letzten beiden Diakonissen in das benachbarte Amalienhaus, das derzeit 24 Diakonissen einen Altersruhesitz bietet, steht an.

Über die künftige Nutzung des Gebäudes stehe man auch in Gesprächen mit der Stadt, erläutert Schwarz. Der weitgehend leerstehende verbliebene und angrenzende Altbau des Diakonissenkrankenhauses werde in diese Überlegungen mit einbezogen. Auch solle die 1962 eingeweihte Mutterhauskirche saniert und so umgebaut werden, das sie multifunktionell nutzbar ist.

Bei allen Überlegungen und allem Tun gehe es darum, die Diakonie-Tradition fortzuführen und für unsere Zeit lebendig zu halten, betont Schwarz: „Das hat was mit christlicher Nächstenliebe zu tun.“

Hintergrund

Die 1984 gegründete Stiftung Kurhessisches Diakonissenhaus Kassel unterhält vier Fachbereiche: das Diakonissen-Mutterhaus mit Kirche und geistlichem Leben, Tageseinrichtungen für Kinder, vielfältige Formen stationärer Jugendhilfe sowie den Bereich Altenhilfe und Pflege, dazu gehört auch eine Intensivpflege-Einrichtung für Schädel-Hirn-Verletzte Menschen von 18 bis 65 Jahren.

Außerdem ist die Stiftung mit 40 Prozent der Gesellschaftsanteile an den Agaplesion Diakonie Kliniken Kassel beteiligt, in denen das einst zu 100 Prozent von der Stiftung betriebene Diakonissenkrankenhaus aufgegangen ist. Zehn Prozent hält die Stiftung zudem an den Diakoniestationen der Evangelischen Kirche. In den Gesamtjahresumsatz von rund 18 Mio. Euro ist der Anteil an den Diakonie Kliniken nicht mit einberechnet. Das Waldecksche Diakonissenhaus Sophienheim wurde 1887 in Bad Arolsen gegründet. Zusätzlich zu Einrichtungen der Altenhilfe und der Kinder- und Jugenhilfe bietet es ambulante Pflegedienste an und betreibt Altenpflegeschulen. Der Gesamtjahresumsatz betrug im vergangenen Jahr rund 16 Mio. Euro.

Seit April werden die beiden Diakonissenhäuser gemeinsam von den theologischen Vorstanden Dr. Eberhard Schwarz und Oswald Beuthert sowie den kaufmännischen Vorständen und Geschäftsführern Wilfried Höhle und Stefan Kiefer (Kassel) geleitet.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.