Vor Gericht

Diebstahl von Altmetall: Mitarbeiter sollen VW um 1,3 Mio. Euro betrogen haben

VW-Werk Kassel in Baunatal: Zwei ehemalige Mitarbeiter sind wegen Bandendiebstahls vor dem Kasseler Landgericht angeklagt. Sie sollen wertvolles Katalysatoren-Altmaterial gestohlen und für 1,3 Millionen Euro verkauft haben. Foto: Kühling

Kassel. Mit leichten Startproblemen hat am Donnerstag vor der 6. Strafkammer des Landgerichtes Kassel der Prozess gegen zwei ehemalige Mitarbeiter des VW-Werkes begonnen.

Sie sollen in den Jahren 2007 und 2008 ihrem damaligen Arbeitgeber durch den Diebstahl wertvollen Altmaterials einen Schaden von insgesamt rund 1,3 Millionen Euro zugefügt haben.

Verteidiger erkrankt

Der Wahlverteidiger des 54-jährigen Angeklagten ist langfristig erkrankt. Weil der Mann aber keinen anderen Anwalt akzeptieren will, wurde sein Verfahren abgetrennt. „Das ist nicht sinnvoll, aber unvermeidbar“, kommentierte Vorsitzender Richter Volker Mütze seine Entscheidung.

Auf der Anklagebank sitzen jetzt noch ein 60 Jahre alter Mann aus Kassel mit Wurzeln in Kasachstan und sein 29 Jahre alter Sohn, beides deutsche Staatsangehörige.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem heute 60-Jährigen vor, von Mai 2007 bis Februar 2008 in 170 Fällen mindestens 17 Tonnen sogenannten Monolithenbruch aus dem Bereich Katalysatoren-Recycling der Volkswagen AG auf dem Henschel-Gelände in Kassel entwendet zu haben.

Sein 54-jähriger Arbeitskollege, ebenfalls aus Kasachstan, soll eine Gesamtmenge von 1,4 Tonnen im Verkehrswert von 98 000 Euro entwendet haben. Beide hätten gewerbsmäßig und als Mitglieder einer Bande gehandelt.

Denn das Duo hat nach Erkenntnissen des Staatsanwalts nicht allein gearbeitet. Statt den edelmetallhaltigen Bruch in Säcke zu füllen, hätte der ältere Angeklagte auch täglich einen 140 Kilogramm fassenden Behälter damit gefüllt. Der sei dann von einem gesondert verfolgten Mann abgeholt worden, der jeweils 25 Euro dafür gezahlt habe.

Der jüngere Angeklagte soll täglich bis zu 30 Kilo Monolithenbruch in seinem Pkw vom Werksgelände geschmuggelt und für 35 Euro verkauft haben. Dabei soll er 49 000 Euro erlöst haben.

Der 60 Jahre alte Angeklagte soll im angeklagten Zeitraum einen Verkaufserlös von mindestens 595 000 Euro erzielt haben. Davon habe er 200 000 Euro an seinen Sohn weitergereicht, der um die kriminelle Herkunft des Geldes gewusst habe und deshalb jetzt gleichfalls auf der Anklagebank sitzt. Mit dem Geld sei ein Baugrundstück an der Osterholzstraße in Bettenhausen gekauft worden.

Das auf sieben Verhandlungstage angelegte Verfahren wird am Donnerstag, 22. September, um 10 Uhr im Saal D 130 fortgesetzt. Insgesamt sind acht Zeugen geladen.

Material enthält wertvolle Metalle

Ein Monolith im Katalysator übernimmt die Abgasreinigung und ist mit wertvollen Edelmetallen wie Platin, Palladium und Rhodium beschichtet. Die werden im Recycling-Werk von VW auf dem Kasseler Henschel-Gelände aus den alten Katalysatoren zurück gewonnen. Große Metallscheren zerkleinern das Material, das dann zu Staub zerrieben wird. 

Daraus werden die Edelmetalle herausgefiltert und können wiederverwendet werden. Nach den Diebstählen hat VW das Mehraugen-Prinzip eingeführt, um derartige Verluste zu vermeiden. Die Mengen werden genau erfasst und bilanziert, um Auffälligkeiten zu erkennen, erklärte VW-Sprecher Heiko Hillwig.

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