Hohe Gebühren

Das Kasseler Müll-Mysterium: Doppelt so viel Sperrmüll wie im Durchschnitt

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Teure Angelegenheit: Das Kasseler Müllheizkraftwerk ist nicht richtig ausgelastet.

Kassel. Dass die Kasseler mit 53 Kilo pro Einwohner jährlich mehr Sperrmüll produzieren als die Bewohner anderer hessischer Großstädte, wird ein Rätsel bleiben.

Sicherlich spielt es eine Rolle, dass die Sperrmüllabgabe hier kostenfrei ist und bei der Abholung unabhängig von der Menge pauschal nur 35 Euro anfallen. Allerdings bleibt offen, was die Menschen in anderen Städten mit ihrem Sperrmüll tun. In Frankfurt etwa leben mehr als dreimal so viele Menschen wie in Kassel, insgesamt entsorgen diese aber laut Statistischem Landesamt 1000 Tonnen weniger alte Schränke, Bettgestelle und Toaster.

Weil das hohe Müllaufkommen letzten Endes vom Gebührenzahler getragen werden muss, hat die documenta-Stadt unter den fünf hessischen Großstädten die höchsten Müllgebühren. Während ein Vier-Personen-Haushalt in einem Wiesbadener Mehrfamilienhaus laut Hessischem Rechnungshof 249 Euro jährlich zahlen muss, zahlt eine vergleichbare Familie in Kassel 658 Euro.

Blick in das Innere des Kasseler Müllheizkraftwerks: Was nach viel Müll aussieht, ist für das Werk aber viel zu wenig.

Die hohen Gebühren liegen laut Rechnungshof aber nicht allein in denhohen Kosten für die Rest- und Sperrmüllentsorgung begründet. Das aus heutiger Sicht überdimensionierte und nicht richtig ausgelastete Kasseler Müllheizkraftwerk schlage negativ zu Buche. 3,8 Mio. Euro könne die Stadt jährlich an dieser Stelle einsparen, wenn das Kraftwerk richtig ausgelastet würde, hatte der Rechnungshof 2014 ermittelt. Dies würde wiederum zu sinkenden Gebühren führen.

Die Prüfer fanden zudem heraus, dass vor allem die hessische Landeshauptstadt günstig Müll entsorgen konnte. Der Grund dafür ist, dass sie kein eigenes Müllheizkraftwerk betreibt, sondern den Müll in andere Regionen abfährt.

So zahlte Wiesbaden für die Entsorgung seines Restabfalls pro Tonne nur die Hälfte dessen, was Kassel, Darmstadt, Frankfurt oder Offenbach berappen mussten. Denn nicht nur in Kassel gibt es schlecht ausgelastete Müllheizkraftwerke, die den Müll dringend benötigen und deshalb mit niedrigen Preisen am Markt arbeiten.

So viel Müll machen Kasseler

Laut Statistischem Landesamt verteilt sich das jährliche Pro-Kopf-Aufkommen von Müll in Kassel wie folgt. Rest- und Sperrmüll: 235 Kilo, davon 53 Kilo Sperrmüll (im Bundesschnitt 191 Kilo, nur Sperrmüll 29 Kilo) Biomüll:124 Kilo (im Bundesschnitt 121 Kilo) Wertstoffe: 138 Kilo (im Bundesschnitt 148 Kilo) - neben diesen Abfallarten fällt noch weiterer Müll wie etwa Elektroaltgeräte an. Diese Abfallmengen sind aber marginal.

Müllgebühren im Vergleich

Der Rechnungshof hat 2014 anhand eines Vier-Personen-Haushaltes die Müllgebühren in Hessens Großstädten verglichen. Mehrfamilienhaus:

• Kassel: 658 Euro

• Frankfurt: 405 Euro

• Darmstadt: 347 Euro

• Offenbach: 380 Euro

• Wiesbaden: 249 Euro Einfamilienhaus:

• Kassel: 738 Euro

• Frankfurt: 361 Euro

• Darmstadt: 364 Euro

• Offenbach: 331 Euro

• Wiesbaden: 336 Euro

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