Dorothea Viehmann starb vor 200 Jahren

Die Märchenfrau als Postkarte: Der Malerbruder Ludwig Emil Grimm zeichnete Dorothea Viehmann. Repro:  nh

Kassel. Dorothea Viehmann, 1755 als Dorothea Pierson auf die Welt gekommen, lebte 32 Jahre auf der Knallhütte in Rengershausen. Gestorben ist die Märchenfrau heute vor genau 200 Jahren, am 17. November 1815.

Für Brauereichef Frank Bettenhäuser ist Dorothea Viehmann nicht nur die berühmte Märchenfrau der Brüder Grimm. Wenn er sich mit dem Thema beschäftigt, dann betreibt er Familienforschung. Dorothea Viehmann, 1755 als Dorothea Pierson auf die Welt gekommen, lebte 32 Jahre auf der Knallhütte in Rengershausen. Gestorben ist sie vor genau 200 Jahren, am 17. November 1815. „Sie ist meine vierfache Urgroßtante“, sagt Bettenhäuser.

Seit Johann Friedrich Pierson, dem ersten Besitzer, sind Brauerei und Gasthaus seit 1752 immer in Familienbesitz geblieben. Die junge Dorothea muss in der Gaststube der Knallhütte vielen abenteuerlichen Erzählungen, Sagen und Geschichten aus vielen Ländern und Regionen gelauscht haben. Sie hat sich vieles gemerkt, und Jahre später war die „Viehmännin“ eine Quelle für Jacob und Wilhelm Grimm. „Einer jener guten Zufälle aber war es, daß wir aus dem bei Kassel gelegenen Dorfe Niederzwehren eine Bäuerin kennen lernten, die uns die meisten und schönsten Märchen des zweiten Bandes erzählte“, schreiben die Grimms im Vorwort zu ihren „Kinder- und Hausmärchen“. Der Malerbruder Ludwig Emil Grimm hatte die Viehmännin gezeichnet. Den Verweis auf die „Bäuerin aus Zwehrn“ im Vorwort sollte man nach Einschätzung von Hütt-Chef Bettenhäuser nicht zu eng sehen. Weder auf der Knallhütte noch später in Niederzwehren sei Dorothea Bäuerin gewesen. „Das war perfektes Marketing der Grimms“, sagt Bettenhäuser (58).

Fest steht, dass Dorothea in der Gaststube der Knallhütte jede Menge Geschichten von den Fuhrleuten hörte. Die machten hier Rast. Abends wurden die Bänke hochgeklappt und Stroh auf dem Boden verteilt. Durch ihre hugenottischen Wurzeln verstand Dorothea auch die Geschichten von französischen Soldaten, die im Siebenjährigen Krieg und auch später in der Gegend waren. Von den Grimms bekam sie als Gegenleistung für ihre Erzählungen regelmäßig eine Tasse Kaffee. „Das war damals ein Luxus, den sich nur wenige leisten konnten“, sagt ihr Nachfahre.

In der Wohnung an der Wildemannsgasse in der Kasseler Altstadt saßen die Grimms und Dorothea oft zusammen. Wahrscheinlich haben sie sich kennengelernt, weil die Märchenfrau Butter von der Knallhütte auf dem Markt in Kassel verkaufte. Ein „guter Zufall“, wie die berühmten Märchenbrüder es nannten. http://regiowiki.hna.de/Dorothea_Viehmann

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