Drahtloses Netz auf der Friedrich-Ebert-Straße

Alle paar Meter ein Knotenpunkt in den Schaufenstern: Heiner Schraven von den Freifunkern (links) und Apotheker Klaus Parzefall von der Aktionsgemeinschaft Friedrich-Ebert-Straße. Foto:  Fischer

Kassel. Auf der vorderen Friedrich-Ebert-Straße gibt es nicht nur wieder freie Fahrt, sondern neuerdings auch drahtloses öffentliches und kostenloses Internet (WLAN) für Kunden und Flaneure.

In den vergangenen Monaten haben Gewerbetreibende auf der Meile gemeinsam mit der Kasseler Freifunker-Initiative die Technik dafür eingerichtet.

Zwischen Alter Hauptpost und Annastraße sollen bis Jahresende die letzten Lücken für ein durchgängiges Netz geschlossen werden, sagte Heiner Schraven von den Freifunkern. Der 30-jährige wohnt selbst im Quartier und hat das Projekt gemeinsam mit Apotheker Klaus Parzefall, dem Vorsitzenden der Aktionsgemeinschaft Friedrich-Ebert-Straße, angeschoben.

Für die Freifunk-Aktivisten ist das ein Vorzeigeprojekt: Nirgendwo im Stadtgebiet ist ihr nichtkommerzielles Netz bisher annähernd dicht geknüpft. Geschäftsleute, die Kundenservice bieten wollten, seien ideale Verbreiter der Freifunk-Idee, sagte Schraven. Laut Parzefall hat es schon einiger Beratungs- und Überzeugungsarbeit bedurft, um Bedenken auszuräumen und Fragen zu klären. Dies sei innerhalb der Händlergemeinschaft bestens gelungen.

Die Idee hinter Freifunk 

Die Freifunk-Gemeinschaft ist dezentral organisiert und hat sich dem dem Aufbau und Betrieb eines freien Internet-Zugangsnetzes verschrieben, in dem jedermann auf öffentlicher und anonym zugänglicher Basis surfen können soll. Wer mitmacht, stellt einen speziell konfigurierten WLAN-Router auf und stellt oft auch einen Teil der Kapazität seines Internetanschlusses zur Verfügung. Sobald Freifunk-Router nahe genug beieinander stehen, verbinden sie sich automatisch und bilden ein lokales Netz.

Das Netz an der Ebertstraße 

...erscheint wie alle Kasseler Freifunk-Knoten unter dem Namen kassel.freifunk.net in der Netzwerkliste und benötigt kein Passwort für die Verbindung. Bisher besteht das Netz an der Meile aus 16 Zugangspunkten, die je ein paar Dutzend Meter voneinander entfernt und meist in Schaufenstern stehen. Falls ein Router ausfällt oder abgeschaltet ist, berechnet die Netzsoftware jeweils neu, über welchen anderen Netzknoten in der Nähe die Daten ihr Ziel erreichen.

Sicherheit für Nutzer 

Ab dem Router seien alle Daten auf ihrem weiteren Weg durchs Netz sicher verschlüsselt, sagte Heiner Schraven. Die Datensicherheit vom Endgerät bis zum Router liege prinzipiell in der Verantwortung des Nutzers selbst. Jedoch würden mittlerweile nahezu alle wichtigen Anwendungen - etwa die Google-Suche, E-Mail-Konten oder Bankingportale - über das sichere Übertragungsprotokol HTTPS laufen, welches Inhalte unabhängig vom Netz verschlüsselt. Jeder Nutzer könne dies anhand der Adresszeile im Browser selbst überprüfen.

Technik für Mitmacher 

Wer selbst einen Freifunk-Router einrichten will, muss sich ein kompatibles Gerät besorgen (ab 20 Euro) und darauf die Freifunk-Firmware aufspielen. Diese stellt sicher, dass das persönliche Heimnetz des Aufstellers strikt getrennt vom Freifunknetz arbeitet. Man kann auch festlegen, wieviel der eigenen Anschlussbandbreite maximal für andere Nutzer verfügbar sein soll. Oder man gibt seine Internetverbindung überhaupt nicht frei und betreibt den Freifunk-Router schlicht als Verstärker, falls sich schon ein benachbarter Zugriffspunkt in WLAN-Reichweite befindet.

Für Freifunk-Mitstreiter gilt nicht die sogenannte Störerhaftung: Sie können nicht belangt werden, falls ein externer Nutzer über ihren Zugriffspunkt irgendetwas Ungesetzliches im Netz tun sollte.

Kontakt und nähere Informationen: www.freifunk-kassel.de

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