Keine Hoffnung mehr, Mann lebend zu finden

Dramatische Suche nach Schwimmer im Bugasee

Rettungsaktion blieb erfolglos: Die Einsatzkräfte suchten mit dem Boot die Unglücksstelle zweieinhalb Stunden ab. Fotos: Rudolph

Kassel. Als die Taucher der Kasseler Feuerwehr am Dienstag gegen 13.30 Uhr wieder mit dem Boot am Ufer anlegen, ist ihnen die Enttäuschung anzusehen.

Nach zweieinhalb Stunden vergeblicher Suche nach dem verunglückten Schwimmer müssen sie die Rettungsaktion abbrechen. Hoffnung, dass der Mann noch lebend aus dem Wasser geholt werden kann, gibt es jetzt nicht mehr.

Gegen 10.45 war ein 78-jähriger Mann im Bugasee unweit der Damaschkebrücke in Not geraten und untergegangen - vor den Augen seiner 73-Lebensgefährtin. Heinz Schröder war zufällig in der Nähe, als das Unglück passierte. Der 70-Jährige aus Kassel wollte eigentlich selbst ein Bad nehmen, als er die Hilferufe der Frau hörte. Da er selbst kein Handy dabei hatte, sei er zu anderen Badegästen geeilt, um einen Notruf abzusetzen. Jetzt verfolgt der Rentner die Rettungsaktion.

Der Schwimmer sei offenbar weit in den See hinausgeschwommen, sagt Schröder. Er selbst traue sich das nicht mehr: „Zu viel Kraut, das ist mir zu gefährlich.“ Neulich habe die Stadt ja die Pflanzen unter Wasser gemäht, sagt der 70-Jährige. „Aber war für die Katz“. Der See sei stark zugewachsen.

Zumindest in dem Bereich, wo der 78-Jährige untergegangen sein soll, hatten die Rettungskräfte mit dem starken Bewuchs unter Wasser zu kämpfen. Um eine Boje, die als Markierungspunkt gesetzt wurde, suchten Taucher und Schwimmer der Kasseler Berufsfeuerwehr die Unglücksstelle systematisch ab. Drei Meter ist das Wasser dort tief. Weil der Bugasee so gut wie keine Strömung habe, könne man davon ausgehen, dass der Schwimmer sich dort noch befinde, sagt Tauchereinsatzführer Thomas Schmidt.

Voller Grünzeug: Taucher Lars Andrä steigt mit einem dicken Pack Unterwasserpflanzen auf den Sauerstoffflaschen aus dem Wasser.

In der Leine, die die Taucher mit dem Boot verbindet, verfangen sich immer wieder Schlingpflanzen und müssen abgepflückt werden. Auch das Echolot, mit dem das Boot ausgestattet ist und das mit Hilfe von Schallwellen den Untergrund abtastet, wird von den Unterwasserpfanzen beeinträchtigt. Als Lars Andrä nach 40 Minuten unter Wasser wieder ans Ufer geht, hat er über den Sauerstoffflaschen einen grünen schleimigen Buckel.

Sein Kollege Tim Färber löst ihn ab. Auch er kann wenig ausrichten. „Die Pflanzen sind so dicht, dass man kaum vorwärts kommt“, berichtet der 41-jährige Feuerwehrmann. „Das ist wie eine Hecke unter Wasser.“ Man sehe nichts und könne sich nur vorsichtig vortasten.

Inzwischen wird immer unwahrscheinlicher, dass der Schwimmer noch lebend aus dem Wasser gerettet werden kann. Den Gedanken daran, wonach er suche, versuche er bei solchen Einsätzen auszuschalten, sagt Färber.

Die mehr als 30 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdiensten müssen schließlich unverrichteter Dinge abrücken. Am Nachmittag suchte nochmals ein Boot der Wasserschutzpolizei den FKK-See ab - ebenfalls ohne Erfolg.

Heute soll die Suche nach dem Verunglückten mit einem Sonarboot der Polizei fortgesetzt werden.

Badeunfall im Bugasee: Suche nach vermissten Schwimmer

Pflanzen sind Gegenspieler giftiger Algen

Erst vor drei Wochen hat die Stadt Kassel die Unterwasserpflanzen im Buga-See mähen lassen. Dabei wurden vor allem die Bereiche der fünf ausgewiesenen Badestrände sowie die Einstiegsbereiche am sogenannten FKK-See gemäht. Das Spezialboot habe darüberhinaus einmal quer durch den See gemäht.

Die großblättrigen Unterwasserpflanzen komplett zu entfernen sei nicht sinnvoll, sagt Jörg Gerhold vom städtischen Umwelt- und Gartenamt. Denn sie seien Gegenspieler der Blaualgen und dämmten deren Wachstum ein. Wenn die Blaualgen überhand nehmen, bestehen beim Baden Gesundheitsrisiken - erst kürzlich wurde deshalb kurzzeitig vom Baden abgeraten. „Wir brauchen daher die Unterwasserpflanzen, um den Bugasee als Badegewässer aufrechtzuerhalten“, erklärt Gerhold.

Rund um den See weisen Schilder darauf hin, dass es außerhalb der Badebereiche Unterwasserpflanzen gibt. Wer weiter hinausschwimme, müsse damit rechnen, mit den Pflanzen in Berührung zu kommen. Dann sei es wichtig, nicht in Panik zu verfallen, sagt Gerhold. Erst dann werde es gefährlich. Eigentlich ließen sich die Pflanzen mit „normaler Muskelkraft“ abstreifen. Wer auf Pflanzen trifft und das unangenehm findet, sollte am besten umdrehen, empfiehlt er. Erfahrene Schwimmer könnten sich auch auf dem Rücken flach aufs Wasser legen und über den Pflanzenteppich hinwegschwimmen.

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