Buchhandel bekommt allerdings auch keinen Nachschub

Bob Dylan ist kein Kassenschlager: Nobelpreis macht sich in Geschäften kaum bemerkbar

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Nachfrage ist unverändert: Tim Sauer vom Musikgeschäft Scheibenbeisser zeigt eine Auswahl der Platten und CDs von Bob Dylan.

Kassel. Mit der Verkündung des Literaturnobelpreises schnellt normalerweise die Nachfrage nach den Werken des Preisträgers in die Höhe. Und wie ist das, wenn ein Musiker den Preis bekommt? Wir haben uns in den Geschäften umgehört.

Wer Musik des neuen Literaturnobelpreisträgers Bob Dylan haben möchte, muss keine Angst vor leergefegten Regalen haben: Bei „Scheibenbeisser“ an der Fünffensterstraße ist die Auswahl an CDs und Platten von Bob Dylan so groß wie eh und je. „Wir merken keine verstärkte Nachfrage“, sagt Mitarbeiter Tim Sauer. Am Freitag habe zwar jemand zwei ältere Dylan-Platten gekauft. Das sei aber nichts Ungewöhnliches: „Wir verkaufen Dylan konstant.“ Meist an ältere Kunden, die ihre Sammlung vervollständigen wollen.

Dass noch ein Run auf die Musik von Dylan einsetzt, glaubt Sauer nicht. Aus Erfahrung weiß der 44-Jährige, dass Preisverleihungen wenig Einfluss aufs Geschäft haben. „Das Ableben der Künstler ist für den Verkauf entscheidender.“

Noch Songbücher auf Vorrat: Rosi Vey von Bauer & Hieber zeigt die Dylan-Auswahl. Die Musikalienhandlung hofft auf verstärktes Interesse und will noch ein paar Titel nachbestellen.

Stefan Wagner aus Kassel stöbert gerade in dem Plattengeschäft – aber nicht nach Bob Dylan. „Der nuschelt mir zu viel“, sagt der 51-Jährige. Er möge lieber die Coverversionen – zum Beispiel von „Lay Lady Lay“ oder „The Times They Are a-Changin’“. Es gebe viele bekannte Songs, bei denen man erst im Nachhinein feststelle, dass sie eigentlich von Dylan stammten, sagt Wagner. Auch wenn er kein Dylan-Fan sei, habe er vorhin in der Buchhandlung ein Buch des Musikers in der Hand gehabt. „Wenn schon die Begründung der Nobelpreis-Jury war, dass die Texte ausschlaggebend waren ...“, sagt der Kasseler. Gekauft habe er es dann aber nicht.

Das deckt sich mit den Beobachtungen vieler Händler. „Es ist zwar Gesprächthema bei den Kunden“, sagt Stefan Vogt von der gleichnamigen Buchhandlung an der Friedrich-Ebert-Straße. Aber eine Nachfrage nach Büchern über den Songpoeten gebe es bislang nicht. Im Großhandel sind die Dylan-Titel allerdings ohnehin nicht mehr erhältlich, berichtet Vogt: „Das war alles sofort vergriffen.

Auch Silke Breiding von der Buchhandlung am Bebelplatz hatte die Entscheidung am Donnerstag live verfolgt, um dann sofort zu bestellen. Lediglich fünf Exemplare einer Dylan-Biografie hat sie noch ergattert. „Die liegen jetzt hier im Laden“, sagt sie. Aus der Hand gerissen wurden ihr die Bücher nicht.

Lothar Röse von der Buchhandlung Vietor am Ständeplatz hat bewusst keine Dylan-Bücher bestellt. „Ich finde die Entscheidung zum Kotzen“, findet er klare Worte für die Wahl des Nobelkomitees. „Der Preis wird dadurch entehrt.“

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