Abgetaucht am Tegernsee

Ehemaliger Handballfunktionär erleichterte Kunden um eine Mio. Euro

Abgetaucht am Tegernsee: Ehemaliger Handballfunktionär erleichterte Kunden um viel Geld.

Kassel/Tegernsee. Sepp Niedermayer, Chef einer riesigen Abenteuerlandschaft für Kinder im Bayerischen Bad Wiessee, ist enttäuscht und sauer.

„Das ist ein richtiger Schlawiner“, sagt er. Dieser Schlawiner, sein Kompagnon, soll in die Kasse des Spielparks gegriffen haben und sei, wie Niedermayer sagt, nun auf der Flucht. In Kassel ist dieser „Schlawiner“ kein Unbekannter. Es handelt sich um Mario D., den früheren Vorsitzenden des Kasseler Handballvereins HSG Zwehren und ehemaliger Versicherungsvertreter (wir berichteten). Mario D. hatte in Kassel etliche Freunde und Bekannte übers Ohr gehauen und war dann aus Nordhessen verschwunden.

In Zahlen ausgedrückt lesen sich die Machenschaften des Mario D. in Kassel wie folgt: Im Februar 2015 hat die Kasseler Staatsanwaltschaft Anklage gegen Mario D. erhoben. Der Vorwurf: In 29 Fällen wird ihm gewerbsmäßiger Betrug vorgeworfen. Der Schaden, den er dabei angerichtet hat, soll sich auf 1,04 Millionen Euro belaufen.

Mario D. war in Kassel vom August 2007 bis zum Juli 2012 Versicherungsvertreter. Er bot zahlreichen Kunden vermeintlich lukrative Kapitalanlagen an.

Laut Staatsanwaltschaft hat Mario D. seinen Kunden überaus hohe Verzinsungen angeboten, die zum Teil im zweistelligen Bereich lagen. Und: Mario D. habe stets versichert, dass derlei Geschäfte ohne jedes Risiko seien. Tatsächlich machte der Versicherungsberater aber Folgendes: Er steckte das Geld der Kunden nicht in Kapitalanlagen, sondern nutzte es für sich selbst. Um nicht aufzufallen, zahlte er wenigen Kunden einen Teil des Geldes als angebliche Renditezahlungen zurück.

Auch wenn man diese Rückzahlungen anrechnet, hat Mario D. seine Kunden immer noch um 1,04 Millionen Euro erleichtert, erklärt die Kasseler Staatsanwaltschaft. Einen Termin für eine Verhandlung vor Gericht gibt es noch nicht.

Sepp Niedermayer

Nachdem Mario D. sich in Nordhessen nicht mehr sehen lassen konnte, verließ er Kassel. Zuletzt war er in Bad Wiessee, als Kompagnon des Spielparks. Sein Chef Sepp Niedermayer wusste um die Kasseler Vergangenheit seines Partners. „Ich war so blöd und wollte ihm eine zweite Chance geben“, sagt der enttäuschte Niedermayer zur HNA.

Er räumte Mario D. sogar den alleinigen Zugang zur Kasse des Spielparks ein – „dumm wie ich war.“ Mario D. konnte offenbar der Versuchung nicht widerstehen. „Er hat in die Kasse gegriffen, und jetzt ist er untergetaucht“, sagt Sepp Niedermayer. Wie viel fehlt, könne er noch nicht einmal sagen: „Ich habe es nicht so mit dem Finanziellen.“ Noch nicht einmal Anzeige hat er bislang gegen den „Schlawiner“ gestellt. „Bei dem ist doch sowieso nichts zu holen.“

Die Presse am Tegernsee berichtet, dass die Staatsanwaltschaft mittlerweile hinter dem Mann her ist. Das kann die Staatsanwaltschaft in München nicht bestätigen, obwohl sich der Name Mario D. durchaus auch in ihren Akten befindet. Weswegen, will man nicht sagen. Zurzeit sucht man ihn mangels Anzeige allerdings nicht. Die Beamten der Polizeiinspektion Bad Wiessee wollen jetzt mit Sepp Niedermayer reden, ob er nicht doch noch seinen Ex-Kompagnon anzeigen will.

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