Palliativteam kümmert sich um 22-Jährige aus Kassel

Eine Kämpferin: Die schwer kranke Desiree lebt wieder auf

+
Besuch der „Kleinen Riesen“: Gaby Bongard (links) und Dr. Thomas Sitte vom Kinder-Palliativteam besuchen Desiree Bante in der Kasseler Werkstatt, wo sie sich tagsüber sehr wohl fühlt. Diese Zeit nutzt Astrid Bante (Mitte hinten), um sich auszuruhen und Kraft zu tanken.

Kassel. Seit einer Hirnblutung als Frühchen ist Desiree Bante behindert, mit 22 Jahren ist sie nun dem Tod nahe. Doch sie kämpft - auch mit der Hilfe des Palliativteams Kleine Riesen.

Desiree strahlt, als ihre Mutter sie anspricht und berührt. Ein Augenblick, der Mama Astrid glücklich macht. „Sie ist jetzt wieder richtig gut drauf“, sagt sie erleichtert. Sie weiß, dass ihr Kind vor wenigen Wochen dem Tod nahe war, erinnert sich daran, wie schlecht es Desiree ging. „Doch dann kamen die Kleinen Riesen, und jetzt ist sie viel lebensfroher als früher.“

Seitdem das Palliativteam „Kleine Riesen Nordhessen“ die 22-jährige Desiree betreut, geht es auch Astrid Bante wesentlich besser. Sie selbst sei ruhiger geworden, sagt die 54-jährige Mutter. Sie lerne langsam, den Gedanken zu akzeptieren, dass es für Desiree bald soweit sein kann, dass sie gehen muss.

Doch erst einmal ist Astrid Bante glücklich darüber, dass es Desiree wieder besser geht. „Sie ist eine richtig kleine Kämpferin“, sagt sie und schaut ihre Tochter liebevoll an. „Alle staunen darüber, dass sie überhaupt so alt geworden ist.“

Desiree kam viel zu früh, in der 25. Schwangerschaftswoche mit nur 710 Gramm, aber gesund auf die Welt. Wenige Tage nach der Geburt erlitt sie eine schwere Hirnblutung. Desiree ist seitdem schwer geistig und körperlich behindert, sie ist fast blind und kann sich nur sehr eingeschränkt verständlich machen.

„Man wächst da hinein“, schildert Astrid Bante die Aufregung der Eltern, als sie ihr schwer krankes Baby nach fünf Monaten erstmals mit nach Hause nehmen durften. Sie lernten, Desiree mit der Nasensonde zu ernähren, ihr später - als sie schlucken lernte - pürierte Nahrung schmackhaft zu machen, ihre Bedürfnisse zu erkennen.

Desiree lacht gerne, wenn man Blödsinn mit ihr macht, erzählt ihre Mama. Sie liebt Panflöten-Musik und mag es, Radio zu hören. Langeweile indes kann sie weniger leiden. Dann wird sie unruhig, fordert Unterhaltung und hält vor allem ihre Mutter auf Trab - nicht selten auch nachts. „Sie ist ein lebensfrohes junges Fräulein“, sagt Astrid Bante und streichelt den Arm ihrer Tochter. Bei all den Anforderungen und den Sorgen betont die 54-Jährige: „Mein Leben ist schön, aber anders.“ Als Desiree vor einigen Wochen aber schlimme Panikattacken hatte, weil sie zu wenig Luft bekam, als die Ärzte sagten, dass Desiree vielleicht nicht mehr viel Zeit bleibt, „war ich am Boden“, sagt sie.

Seitdem das Palliativteam der Familie zur Seite steht und ihr Sicherheit gibt, sei auch Desiree der Druck genommen. Dank der schnellen Hilfe der Fachleute, die rund um die Uhr erreichbar sind, konnten weitere Krankenhausaufenthalte verhindert werden. Und auch die medizinischen Maßnahmen wie eine Sauerstoffmaske, gegen die sich Desiree so vehement gewehrt hatte, wurden auf ein Mindestmaß reduziert.

„Man muss sich wohlfühlen, dann ist man umso stabiler - auch das Immunsystem“, erläutert Palliativmediziner Dr. Thomas Sitte diese Wandlung. „Sie lebt wieder richtig auf“, ist Astrid Bante dankbar für dieses neue und wertvolle Stück Leben, das ihrer Tochter und ihren Eltern geschenkt wurde. Auch wenn es vielleicht nur noch ein kleines Stück ist.

Verein Kleine Riesen Nordhessen

Der gemeinnützige Verein Kleinen Riesen Nordhessen ist Träger des Kinder-Palliativteams zur ambulante Palliativversorgung von Kindern und Jugendlichen in Nordhessen und hat seinen Sitz am Klinikum Kassel. Der Verein betreut zurzeit zehn Kinder und junge Erwachsene (bis 27 Jahre) von Kassel bis nach Fulda. Die Arbeit ist sehr kosten- und zeitaufwändig.

Das Spezialistenteam besteht aus drei Kinderärzten und fünf Pflegekräften. Insgesamt gibt es in Hessen drei Teams. Ziel ist es, nicht nur die schwerstkranken Kinder und Jugendlichen, sondern auch ihre Eltern, Geschwister und Familien möglichst in ihrem gewohnten Umfeld zu betreuen.

Den Kindern, die an tödlichen Krankheiten leiden, sollen möglichst schmerzfrei einige gute Tage bereitet werden. Das Kinder-Palliativ-Team setzt sich dafür ein, dass unheilbar schwerstkranke junge Patienten ganzheitlich versorgt und begleitet im Kreise ihrer Familie Zuhause sterben dürfen.

Spendenkonto: IBAN: DE275205 0353 0002 1851 56, www.kleine-riesen-nordhessen.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.