Marktplatz: Mit einem Unikat ins Ehe-Glück

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Passt: Enkelin Lisa trägt das Brautkleid, in dem ihre Großmutter Elke Scheffler vor 50 Jahren geheiratet hat.

An den Tag ihrer Hochzeit kann sich Elke Scheffler noch gut erinnern. „Wir hatten kein gutes Wetter, aber wir haben ja auch im April geheiratet“. Das ist jetzt gut 50 Jahre her.

Das Hochzeitskleid, in dem sie 1966 vor den Altar getreten ist, gibt es immer noch. Jahrzehntelang bewahrte sie das Stück auf. Als ihre Tochter vor 15 Jahren heiratete, ging die Friseurmeisterin davon aus, dass ihr Brautkleid noch einmal zum Einsatz kommen würde. „Meine Tochter hat dann aber nur standesamtlich geheiratet“, erzählt sie. Jetzt, nachdem ihre Goldene Hochzeit vorüber ist und in der Familie aktuell keine Hochzeit ansteht, will sie sich von dem guten Stück trennen und bietet es mit dem noch vorhandenen Zubehör in einer HNA-Kleinanzeige an.

Individuelle Anfertigung

„Wir haben uns sehr kurzfristig entschieden zu heiraten“, erzählt die gebürtige Kasselerin. Nicht als Hauptgrund, aber mitbestimmend war die Tatsache, dass Elke Scheffler ein Kind erwartete. Das Hochzeitskleid ist ein Unikat, denn es wurde nach den Vorstellungen der damals jungen Braut angefertigt. Das Ensemble aus Kleid und Mantel sollte die Mutter eines Freundes nähen – nicht zuletzt, weil das junge Paar mit einem geringen Budget auskommen musste. Ein Onkel brachte Spitze aus der Schweiz mit. Darüber wollte Elke Scheffler einen schlichten, schmal geschnittenen, bodenlangen Mantel aus Woll-Georgette mit einem Reverskragen tragen. Er war mit einer Reihe Knöpfe zu verschließen, die mit dem Mantelstoff bezogen sind.

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Die Schneidermeisterin aus Rengershausen wandte einen Trick an, der in der Modewelt damals weit verbreitet war. Dort, wo man es nicht sah – an den Seiten, am Rücken und am Übergang zwischen Ober- und Unterteil – verwendete sie einen Baumwollstoff. Den Mantel musste Elke Scheffler also die ganze Zeit anbehalten – bei schlechtem Aprilwetter kein Problem. Geheiratet wurde übrigens in einer evangelischen Kirche, obwohl die Braut katholisch war – in den 60er-Jahren war das keineswegs üblich.

Nur der Schleier fehlt

Zur Anprobe für die Fotos hat sich die vierzehnjährige Enkelin Lisa bereit erklärt. Ihr passt die Hochzeitsgarderobe der Großmutter wie angegossen, die damals trotz Schwangerschaft bequem Kleidergröße 38 tragen konnte. Ein Accessoire musste allerdings durch eine moderne Variante ersetzt werden: der Schleier. Nachdem er zu fortgeschrittener Stunde am Hochzeitsabend einer Freundin aufgesteckt wurde, kam die einer Kerze zu nahe. Der Schleier fing Feuer und verbrannte, die junge Frau kam mit dem Schrecken davon.

Elke Scheffler hat Kleid und Mantel über 50 Jahre sorgfältig auf bewahrt. Für sie haben die Kleidungsstücke einen hohen symbolischen Wert: „Mir hat mein Brautkleid unglaublich viel Glück gebracht. Der Gedanke, dass es jetzt eine andere Braut für viele Jahre ebenso glücklich machen könnte, gefällt mir sehr“, sagt sie.

Von Ilona Polk

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