Fünfköpfige Familie hat den Absprung geschafft – Vater ist in Vollzeitbeschäftigung

Endlich raus aus Hartz IV

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Leben endlich ohne Hilfe vom Amt: Lorik (von links), Sadber, Gjevdet und Saranda Fetahaj. Nicht auf dem Bild ist Miranda Fetahaj.

Kassel. Für die Fetahajs war der Jahreswechsel ein ganz besonderer: Die fünfköpfige Familie ist nach sechs Jahren nicht mehr auf staatliche Unterstützung angewiesen. Über die Arbeitsförderung Kassel (AFK) hat Gjevdet Fetahaj eine Ausbildung zum Busfahrer absolviert.

Jetzt arbeitet der 40-Jährige seit sechs Monaten für die Sallwey GmbH als Linienbusfahrer in Kassel. „Mein Chef hat mir schon die Zusage für einen unbefristeten Arbeitsvertrag gegeben“, sagt der dreifache Vater freudestrahlend.

Doch bis dahin war es ein harter Weg. Gjevdet Fetahaj verließ Anfang der 90er-Jahre das ehemalige Jugoslawien: „Ich musste als Kosovo-Albaner in der serbischen Armee gegen mein eigenes Volk kämpfen.“ Weil er diese Belastung nicht aushielt, floh er 1993 nach Kroatien. Dort schlug er sich bis Ende 1994 mit Hilfsarbeiten im Baugewerbe durch. Am 24. Dezember 1994 stellte er im südhessischen Schwalbach einen Asylantrag. Von dort aus wurde er in das Aufnahmelager nach Gießen geschickt, in dem er vier Monate lebte, bevor er nach Kassel kam.

Hier lernte der Kriegsflüchtling seine Ehefrau Sadber kennen. Die junge Frau arbeitete damals als Krankenpflegehelferin im Nephrologischen Zentrum Hann. Münden, einer Fachklinik für Nieren-Transplantationen. Weil das Ehepaar keine deutsche Staatsbürgerschaft besaß, durfte nur einer der beiden arbeiten. Deshalb kündigte Sadber Fetahaj ihren Job im Krankenhaus, als sie mit Tochter Saranda schwanger war.

Nur Zeitverträge

In den folgenden Jahren hielt Gjevdet Fetahaj die Familie mit Zeitverträgen über Wasser, machte Pflaster- und Stahlarbeiten. Als der letzte Zeitvertrag auslief, ging es für die Familie steil bergab. Außer einer Teilzeitstelle als Mietwagen-Fahrer fand der Familienvater ohne Berufsausbildung keine Anstellung mehr. Aufgrund von Arbeitslosigkeit rutschte die Familie 2005 in Hartz IV.

„Für mich war es schlimm, ich habe mich geschämt, aufs Amt zu gehen“, sagt Sadber Fetahaj. Als eines von neun Kindern habe sie bereits als 15-Jährige Babysitting- und Putzjobs gemacht. „Arbeitslosigkeit ist in meiner Familie nie Thema gewesen“, erinnert sich die 35-Jährige. Für die 13-Jährige Saranda und ihre elfjährige Schwester Miranda war es schrecklich, in der Schule als Hartz-IV-Familie zu gelten: „Ich habe versucht geheim zu halten, dass wir Hartz IV bekommen.“ Für die Mädchen sei jetzt vieles einfacher, sie seien keine Außenseiter mehr.

Die Vollzeitstelle des Vaters hat das gesamte Familienleben verändert. „Wir haben wieder ein geregeltes Leben, können ein Vorbild für unsere Kinder sein“, sagt Sadber Fetahaj. Ihr Ehemann ist stolz, seine Familie aus eigener Kraft ernähren zu können. „Es ist ein gutes Gefühl, unabhängig zu sein.“ HINTERGRUND

Von Alia Shuhaiber

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