Noch bis zum 11. April zu sehen

Erinnerung an NSU-Opfer: Wanderausstellung im Kasseler Rathaus

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Bei der Eröffnung im Rathaus: (von links) Diplom-Sozialwirtin Birgit Mair, Oberbürgermeister Bertram Hilgen und der Ausländerbeauftragte Kamil Saygin.

Kassel. Noch bis zum 11. April soll eine Wanderausstellung im Kasseler Rathaus an die Opfer der Terroristen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) erinnern. Sie steht unter dem Titel "Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen“ und wurde am Freitag eröffnet.

„Mit der Einstellung bei der Polizei hat sich für sie ein Traum erfüllt.“ Das sagte die Mutter von Michèle Kiesewetter, der von den Terroristen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) am 25. April 2007 in Heilbronn ermordeten Polizeibeamtin. Dieser Satz steht auf einer Tafel, die im Foyer vor dem Stadtverordnetensaal im Kasseler Rathaus hängt.

Am Freitagnachmittag wurde dort die Wanderausstellung „Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen“ eröffnet. Die Macherin der Ausstellung, Birgit Mair, hielt anlässlich der Eröffnung auch einen Vortrag und erzählte eine Geschichte zu jedem der elf Opfer.

An die wird auch auf den Tafeln erinnert: Ob nun an den türkischen Blumenhändler Enver Simsek, der am 9. September 2000 in Nürnberg ermordet wurde, den türkischstämmigen Kioskbetreiber Mehmet Kubasik, der am 4. April 2006 sein Leben verlor, oder den Kasseler Halit Yozgat, der am 6. April 2006 in seinem Internetcafé an der Holländischen Straße erschossen wurde.

Die Angehörigen mussten nicht nur unter dem Verlust leiden, sondern auch unter Verdächtigungen und Kriminalisierung der Opfer. Der Rechtsstaat müsse nicht nur dafür sorgen, dass die Täter vor dem Oberlandesgericht (OLG) in München ihre gerechte Strafe bekämen, sagte Oberbürgermeister Bertram Hilgen, sondern aus den jahrelangen Ermittlungspannen auch die richtigen Konsequenzen ziehen.

Fordert erneut die Umbenennung der Holländischen Straße: Ismail Yozgat.

Er erinnerte daran, dass die Stadt Kassel durch die Benennung des Platzes neben dem Hauptfriedhof und der danebenliegenden KVG-Haltestelle nach Halit Yozgat eine Gedenkstelle für das Kasseler NSU-Opfer geschaffen habe.

Für die Unterstützung von Hilgen und vielen anderen Menschen aus der Stadt bedankte sich Ismail Yozgat, der Vater des Ermordeten, in einer kurzen Rede. Allerdings forderte Yozgat erneut - wie kürzlich auch vor dem OLG in München, dass die Holländische Straße ebenfalls nach seinem Sohn umbenannt werde. Das sei der einzige Wunsch, den er habe.

Ausstellungsmacherin Mair sagte, dass wohl nie herauskommen werde, welche Täter hinter diesen rassistischen Morden gesteckt haben. „Nazis sind dem Staat gegenüber nicht loyal. Wir können nicht damit rechnen, dass sie vor Gericht die Wahrheit sagen."

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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