Zweiter Prozesstag um sexuellen Missbrauch: Gutachter und Ehefrau sagten aus

Ermittlern half der Zufall

Fortsetzung im Prozess wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern: Am Landgericht Kassel wurde gestern die Verhandlung gegen einen 55-jährigen Wolfhager fortgesetzt. Fotos: Ulbrich

Kassel/Wolfhagen. Durch einen Zufall kamen die Ermittlungen gegen den 55-jährigen Mann wegen Kindesmissbrauchs und weiterer Delikte in Gang. Bundeskriminalamt und Polizei hatten bei Nachforschungen in Osnabrück vier Internetseiten mit kinderpornografischen Inhalten entdeckt und über die Betreiber der Seiten die Daten der Nutzer ermittelt, berichtete ein Polizeibeamter am Mittwoch als Zeuge vor dem Kasseler Landgericht.

Unter den 2000 Nutzern, die bundesweit festgestellt wurden, fand sich auch der 55-Jährige aus Wolfhagen. Daraufhin hatte im Mai 2013 eine Durchsuchung der Dienst- und Privaträume des Mannes stattgefunden, bei der eine Datenmenge von 15 Terabyte beschlagnahmt wurde. Die Menge der gefundenen Computer-Technik sei so groß gewesen, dass ein zweites Fahrzeug zum Abtransport angefordert werden musste, sagte der Kripo-Beamte weiter.

Bisher seien 700 von dem Angeklagten selbst gedrehte Videos ausgewertet worden. Das sei ein kleiner Teil des gefundenen Materials, denn mehr als 21 000 Videos und fünf Millionen Fotos harrten noch der Auswertung. Die gefundene Menge sei die größte, die er je in seiner Laufbahn erlebt habe, so ein 49-jähriger Polizist, der ebenfalls aussagte.

Beweise gesichtet

Unter den Dateien habe sich demnach auch „Hardcore-Kinderpornografie“ befunden, die sexuelle Handlungen an sehr kleinen Kindern zeigt. Während der Verhandlung schaute sich das Gericht einige Bilddateien an. Anders als angekündigt, fand dies nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Auch die Ehefrau des Angeklagten, der zum Auftakt die Vorwürfe umfassend eingeräumt hatte, wurde vernommen, jedoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Zudem hörte das Gericht den psychiatrischen Sachverständigen, der unabhängig vom Strafmaß Sicherungsverwahrung für den 55-Jährigen empfahl.

Während sich beim Prozessauftakt vor einer Woche viele Medienvertreter und Zuschauer bereits vor dem Justizgebäude und am Eingang zum Saal 130 des Landgerichts die Klinke in die Hand gaben, war das Interesse am zweiten Verhandlungstag überschaubar. Keine Kamerateams oder Scharen weiterer Journalisten, und auch der Zuschauerbereich wies Lücken auf.

Wenig hat sich hingegen an der Körpersprache des 55-jährigen Wolfhagers verändert. Auch bei der Fortsetzung des Prozesses gegen ihn ist der ehemalige Mitarbeiter der Stadtverwaltung frisch rasiert, wirkt gepflegt und entspannt. Wieder trägt er rotes Hemd und graue Hose. Und wieder wirkt er regungs-, fast teilnahmslos.

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