Jahrestagung des Hilfswerks Open Doors

Erschütternde Schicksale: Verfolgte Christen sprachen über Qualen und Folter

+
Auch Pastor Edward und Ehefrau Rana aus Syrien müssen um ihr Leben fürchten.

Kassel. Was die 2200 Christen am Samstag im Kongress Palais zu hören bekamen, war erschütternd und Hoffnung spendend zugleich. Während der Jahrestagung des christlichen Hilfswerks Open Doors schilderten bekennende Christen die Höllenqualen, die ihnen Polizei und Geheimdienste zugefügt haben.

Und auch wie der tiefe Glaube ihnen die Kraft gegeben hat, sie zu überleben und den Peinigern zu vergeben.

Die Nordkoreanerin Hea Woo beispielsweise, die nicht von vorn fotografiert werden darf, deren Name aus Angst vor dem Zugriff der Geheimpolizei geändert und deren Stimme technisch verstellt wurde, erzählte zum Teil unter Tränen ihre mehrjährige Leidensgeschichte in Arbeitslagern mit 17-Stunden langen Arbeitstagen und nur dem Notwendigstern an Lebensmitteln, mit Schlafentzug, Umerziehung, Schlägen, Folter, ohne Wasser und medizinische Versorgung, dafür aber mit viel Ungeziefer wie Flöhen, Läusen und Ratten. „Gott hat mit die Kraft gegeben, diese Zeit zu überstehen“, sagte die Endsechzigerin, deren Mann in einem anderen Arbeitslager ums Leben kam – nur weil er Christ war.

Hea Woo (links) will nicht erkannt werden.

Am Ende gelang Hea Woo auf abenteuerliche Weise die Flucht nach China, wo ihr Christen halfen, unterzutauchen. Später kam sie nach Europa, wo sie an einem geheimen Ort lebt und unter widrigsten Bedingungen Hilfe für Christen in ihrer Heimat organisiert. Aber die zierliche Frau wirkt alles andere als verbittert. Sie sei trotz allem ein fröhlicher Mensch geblieben, weil sie „Jesus im Herzen“ trage. Sie forderte die Teilnehmer zum Gebet für alle Verfolgten in der Welt auf. „Lebt euren Glauben und dankt Gott für dessen Milde,“ sagt sie unter dem Beifall der Teilnehmer.

Pastor Michael aus Indonesien wurde von zwei Andersgläubigen brutal niedergestochen und lebensgefährlich verletzt. Obwohl sein Gesicht und Nacken seither von Narben übersät sind, hat er den Tätern längst vergeben und sie sogar zum christlichen Glauben bekehrt. Die beiden kommen sonntags in seine Kirche und sehen jedes Mal von Neuem, was sie Pastor Michael angetan haben.

Gemeinsames Lobpreisung für Jesus: Mehr als 2200 Menschen beteten während Jahrestagung von Open Doors für Verfolgte.

Pfarrer Edward und Ehefrau Rana – auch diese Namen sind nicht echt – berichtet von dem unermesslichen Leid der Menschen, insbesondere aber der verfolgten Christen in Syrien, wo seit drei Jahren ein fürchterlicher Bürgerkrieg mit zigtausenden von Toten noch mehr Verletzten und Millionen von Vertriebenen tobt. Sie helfen dort unter Einsatz ihres Lebens Christen und Muslimen, die in Not geraten sind – so gut sie können. „Jesus ist die einzige Zuflucht für die Menschen, die alles verloren haben. Es gibt viele Aufgaben für uns“, sagt der engagierte Geistliche, der vor „dem Ruf Gottes“ als Zahnarzt in Saudi-Arabien ein komfortables Leben führte. Jetzt organisiert er eine Nothilfe an einem für Christen gefährlichsten Orte der Welt. Open Doors hilft bei der Versorgung von mehreren zehntausende Menschen dort.

Von José Pinto

Bilder aus dem Kongress Palais

Jahrestagung des Hilfswerks Open Doors

Weitere Schicksale und einen Hintergrund "Mit Schmuggel von Bibeln fing alles an" lesen Sie am Montag in der gedruckten Ausgabe.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.