Made in Kassel: Firma erzeugt Konkurrenz für Druckluft

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Erfinder und Unternehmer: Dr. Christoph Pohl. Der 36-jährige Wirtschaftsingenieur und Diplomökonom hat sich unlängst selbstständig gemacht. Seine eta/opt GmbH vertreibt die innovativen Produkte bereits.

Kassel. Der kleine Roboter im Foyer des Science Park der Universität Kassel in der Mombachstraße dreht sich blitzschnell zur Seite, greift zielsicher eine der 20 unterschiedlichen Visitenkarten, dreht sich weiter und lässt sie vorsichtig und genau in ein Ablagefach fallen.

Diese kleine Demonstration einer klassischen industriellen Anwendung ist auf den ersten Blick nichts Neues, auf den zweiten, genaueren, aber schon. Denn der mit Unterdruck arbeitende Greifer, der Gegenstände ansaugt und festhält, arbeitet nicht wie seine Kollegen mit einem mittels Druckluft erzeugten Vakuum, sondern – stark vereinfacht ausgedrückt – wie ein Saugnapf-Handtuchhalter oder eine Befestigung für ein Navigationssystem. Die großen Vorteile der Innovation aus Kassel: Die Anlagen sind nicht nur preiswerter in der Herstellung und wesentlich leiser, sondern verbrauchen bis zu zwei Drittel weniger Energie als herkömmliche Technik. Denn die Herstellung von Druckluft ist teuer und gehört in vielen Unternehmen zu den Top-3-Energiefressern.

„Daher sehen wir ein Riesenpotenzial in unserer eta/vac-Technik“, sagt Dr. Christoph Pohl, der das neuartige Verfahren im Rahmen seiner Promotion erfunden hat und patentieren ließ. Mit seiner im Frühsommer gegründeten eta/opt GmbH produziert er die leichten und handlichen Helfer in einer Art Manufaktur. Bereits im kommenden Jahr will er 600 dieser innovativen Geräte verkaufen und 550.000 Euro umsetzen. „Überall, wo Unterdruck zum Hantieren mit Bauteilen oder auch in der Paket-Logistik gebraucht wird, kann unsere Technik eingesetzt werden“, sagt der 36-jährige Wirtschaftsingenieur und Diplomökonom, der in Kassel studiert und den Ing.-Doktor im Bereich Maschinenbau gemacht hat (siehe zur Person). Bei der Existenzgründung hat ihm auch das Preisgeld des Existenzgründerwettbewerbs Promotion Nordhessen geholfen, dessen 15. Runde er im Frühjahr gewonnen hatte. Mittlerweile beschäftigt Pohl sieben Mitarbeiter, im kommenden Jahr sollen drei weitere hinzukommen. „Wir sind auf gutem Wege“, sagt Dr. Christian Pohl. Und der Jungunternehmer ist nicht der Einzige, der an den Erfolg seiner eta/opt glaubt. Im privaten Umfeld hat er bereits zwei Geldgeber gefunden, die heute Mitgesellschafter sind, und zurzeit laufen Gespräche mit weiteren potenziellen Investoren. „Ich denke, dass wir in diesem Jahr noch neue Gesellschafter bekommen“, sagt Pohl. Mit dem Geld sollen die Eigenkapitalbasis gestärkt und das Wachstum finanziert werden.

Erste Kunden gibt es auch schon. Ein Anlagenbauer aus der Region sowie zwei weitere Unternehmen arbeiten bereits mir eta/vac. Mit Industriekonzernen gibt es laut Pohl bereits vielversprechende Kontakte. „eta/vac ist ein völlig neues Produkt. Es muss erst in den Markt eingeführt werden.“ eta – ein Buchstabe aus dem griechischen Alphabet – steht für den Wirkungsgrad, opt für Optimierung.

ZUR PERSON

Dr. Christoph Pohl (36) stammt aus Fritzlar, ist verheiratet und Vater zweier Kinder. Nach dem Abitur im Jahr 2000 erlernte er bei Schuh-Rohde in Schwalmstadt den Beruf des Schuhtechnikers. Von 2003 bis 2008 studierte er in Kassel Wirtschaftsingenieurwesen und Betriebswirtschaft. Danach war er ein Jahr lang für den Panzerbauer Rheinmetall in Kassel tätig. Von 2009 bis 2013 arbeitete er für die Uni und bereitete die Promotion vor. Nach seinem Sieg beim Promotion-Nordhessen-Wettbewerb gründet er im Frühsommer dieses Jahres sein Unternehmen eta/opt GmbH.

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