Der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse war in Kassel

Adventsempfang der Kirche mit hohem Besuch aus Berlin: (von links) Dr. Volker Knöppel (Vizepräsident der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck), Präses Kirchenrat Rudolf Schulze, Bundestagspräsident a.D. Dr. Wolfgang Thierse, Prälatin Marita Natt und Bischof Prof. Martin Hein. Foto: Kothe

Kassel. „Integration ist eine doppelte Aufgabe: heimisch werden in einem fremden Land, nicht fremd werden im eigenen Land“, sagte Dr. Wolfgang Thierse, Bundestagspräsident a.D. , Freitagabend im Haus der Kirche die Herausforderung, vor der Deutschland und Europa derzeit stehen.

Thierse war Festredner beim Adventsempfang der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck (EKKW). Sein Thema lautete „25 Jahre nach der Vereinigung - Unsere Herausforderung heißt: Einwanderungsgesellschaft“. Eine Herausforderung der Zukunft, so Gastgeber Bischof Prof. Martin Hein, der sich Zivilgesellschaft, Politik und Kirchen gleichermaßen stellen müssen.

„Wir sollten ein wenig stolz darauf sein, dass wir, ein Land, das selbst Vertreibung verursacht hat, ein Ort der Sehnsüchte für andere geworden sind“, sagte Thierse. Dennoch sei diese Flüchtlingswelle eine „dramatische Bewährungsstunde eines vereinten Europas“. Man dürfe nichts von den Problemen verdecken, die der Zustrom Hunderttausender verursache: „Es gilt immense praktische Probleme zu bewältigen“.

„Dabei ist politische Rationalität gefragt, und nicht, die Ängste und Sorgen der Menschen hier auszubeuten für den eigenen politischen Vorteil“, sagte Thierse mit Blick auf Bewegungen wie Pegida. „Unsere Gesellschaft wird sich durch Migration verändern. Auf diese Herausforderung müssen wir uns einlassen“. Das sei keine Idylle, sondern berge Konfliktpotenziale. „Diesen muss sich unser Land stellen, wenn Integration gelingen soll.“ Dabei gelte es, sich nicht selbst zu verleugnen und den anderen zu achten.

Der deutsche Vereinigungsprozess sei ein Anschauungsobjekt: „Der Prozess ist auch nach 25 Jahren noch nicht vollends abgeschlossen“, so Thierse. Integration brauche Ausdauer und Hartnäckigkeit: „Wenn Integration gelingt, wird sie Wohlstand und Zusammenleben befördern“.

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