Exportschlager Fröbel: 120 Teilnehmer bei internationalem Kongress in Kassel

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Fröbel strahlt weltweit aus: Die Japanerin Yukiyo Nishida (von links), Liv Ingrid Håberg (Norwegen) und Andrea Matheis (Kassel) von der deutschen Sektion der Internationalen Fröbelgesellschaft am Denkmal der Fröbel’schen Spielgaben.

Kassel. In Kassel kennt den Namen Fröbel zwar nicht jedes Kind, aber doch sehr viele: Die Pädagogik von Friedrich Fröbel (1782-1852) ist in der Region seit jeher durch das evangelische Fröbelseminar und den zugehörigen Kindergarten ein Begriff.

Aber auch in Japan sind seine vor 200 Jahren entwickelten Ideen heute angesagter denn je: „Alle Studenten kennen Fröbel", sagt die japanische Pädagogin Dr. Yukiyo Nishida. Sie gehört zu den 120 Teilnehmern der Fröbel-Konferenz, zu der die Internationale Fröbelgesellschaft (IFS) alle zwei Jahre einlädt. Die Tagung, zu der 120 Wissenschaftler und Praxisvertreter aus 16 Ländern gekommen sind, findet erstmals im Kasseler Fröbelseminar an der Sternbergstraße statt.

Die Ideen Fröbels erlebten seit einigen Jahren eine Renaissance, sagt Andrea Matheis, Dozentin an der Kasseler Fachschule und stellvertretende und Vorsitzende der deutschen Sektion der IFS. Nicht nur in Deutschland durch den „PISA-Schock", sondern auch in vielen anderen Ländern werde der Frühpädagogik wieder mehr Bedeutung zugemessen. Fröbel, der als Erfinder des Kindergartens gilt, hatte seinerzeit als einer der ersten Pädagogen die Bedeutung der frühen Kindheit erkannt.

Seine Ideen sind bis heute ein Exportschlager. Unter anderem in China, Australien und der Ukraine gibt es nach Fröbel benannte Kindergärten. Auch in vielen japanischen Kindergärten werden die von dem deutschen Pädagogen entwickelten sogenannten Spielgaben seit vielen Jahren eingesetzt, berichtet Yukiyo Nishida, die inzwischen in Australien Dozentin für frühkindliche Erziehung ist. Fröbels Spielgaben sind logisch aufeinander aufbauende, altersgerechte Spielzeuge wie Holzklötze und geometrische Formen, anhand derer die Kinder die Welt im Wortsinn „begreifen“ sollen. Für das von Fröbel eingeführte Papierfalten mit Kindern gebe es in Japan zudem durch die Origami-Tradition besondere Anknüpfungspunkte. In der japanischen Pädagogik spiele dabei allerdings die frühe Vorbereitung auf die Arbeitswelt eine Rolle, so Nishida. Fröbels Ideen seien universell, würden aber weltweit unterschiedlich interpretiert, sagt sie. „Dabei gibt es kein Richtig oder Falsch: Jeder versteht ihn aus seiner Perspektive.“

In Norwegen seien Fröbels Ideen weniger populär, berichtet Konferenzteilnehmerin Liv Ingrid Aske Håberg von der Hochschule Volda. Dennoch werde - oftmals ohne dass man sich dessen bewusst sei - nach seinen Intentionen gearbeitet. „Reime und Fingerspiele macht jeder“, sagt Andrea Matheis vom Kasseler Fröbelseminar. „Und alle Eltern halten ihrem Kind etwas über die Wiege.“ Auch wenn Kindergartengruppen gärtnern, bringen sie eine alte Fröbel-Idee zu neuer Blüte.

www.froebelsociety.de

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