Zahl der gestohlenen Räder ist vor allem in Stadt stark gestiegen

Fahrrad-Diebe machen täglich Beute in Kassel

Kassel. Mit dem Frühjahr beginnt auch die Hochsaison für Fahrrad-Diebe. Sie machen immer öfter Beute in der Region.

Vor allem im Stadtgebiet hat die Zahl der Fahrrad-Diebstähle stark zugenommen. Im vergangenen Jahr wurden der Polizei in Kassel 823 Diebstähle gemeldet. Das sind elf Prozent mehr als im Vorjahr. Statistisch gesehen, werden also jeden Tag zwei Räder geklaut.

Wie drastisch der Anstieg ist, zeigt sich im Fünf-Jahres-Vergleich: 2011 gab es 449 Fahrrad-Diebstähle in der Stadt. Der Wert hat sich seither nahezu verdoppelt. Im Kreis Kassel sind Fahrraddiebe weniger aktiv – auch dort ist die Zahl der gestohlen gemeldeten Räder in den vergangenen fünf Jahren aber um 25 Prozent gestiegen auf zuletzt 169 im Jahr. Die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher sein, denn nur ein Bruchteil der Bestohlenen erstattet Anzeige.

Die Polizei erklärt die wachsende Zahl der Diebstähle auch mit dem Boom der Fahrradbranche. Je mehr Räder verkauft würden, umso mehr potenzielles Diebesgut stehe an Straßenrändern und in Kellern, sagt Polizeisprecher Torsten Werner. Zudem bedeute der Trend zu hochwertigen Fahrrädern und E-Bikes, dass die Beute für Diebe lukrativer wird.

Nach den Erkenntnissen der Ermittler würden gestohlene Räder zum Teil in Südosteuropa weiterverkauft. In solchen Fällen steckten meist Profis hinter den Taten. Häufig handele es sich aber auch um Beschaffungskriminalität von Drogensüchtigen. Auch Schrotthändler ließen mitunter Fahrräder mitgehen. Für einige Fälle seien zudem Gelegenheitsdiebe verantwortlich, die einen fahrbaren Untersatz suchen.

Die Aufklärungsquote bei Rad-Diebstählen ist gering. Nicht einmal jeder zehnte Fall wird aufgeklärt. Das liegt vor allem daran, dass die Eigentümer meist keine genauen Angaben zu ihrem Fahrrad machen können, beispielsweise zur Rahmennummer.

Tipps der Polizei: Nicht am Schloss sparen – Fahrrad gut dokumentieren

Mithilfe der Polizei haben wir Tipps zusammengestellt, wie man sich gegen Fahrraddiebstahl wappnen kann.

Foto und Rahmennummer: Das Fahrrad direkt nach der Anschaffung fotografieren und die Rahmennummer notieren, damit es später jederzeit identifizierbar ist und im Falle eines Verlusts genaue Angaben gemacht werden können. Hierfür eignet sich auch ein Fahrradpass. Vordrucke dafür gibt es unter www.fahrrad-diebstahlschutz.com Zudem kann man das Rad codieren lassen, zum Beispiel beim ADFC.

App: Für das Smartphone gibt es eine von der Polizei erarbeitete Fahrradpass-App. Haben die Ermittler ausreichend Daten zum Rad, können sie besser fahnden und aufgefundenes Diebesgut besser zuordnen.

Verschlossener Abstellort: Am sichersten ist das Fahrrad in geschlossenen Räumen wie Garage oder Keller. Der Kellerverschlag sollte nicht von außen einsehbar und mit einem guten Schloss gesichert sein. Wer sein Rad auf der Straße abstellt, sollte es in gut beleuchteten und gut einsehbaren Bereichen anschließen.

Schloss: Wer ein teures Fahrrad hat, sollte am Schloss nicht sparen. Die Faustregel: Zehn Prozent des Fahrradneupreises ins Schloss investieren. Die Polizei empfiehlt sicherheitsgeprüfte Schlösser, am besten Panzerketten oder Bügelschlösser. Wichtig: Das Rad nicht nur abschließen, sondern anschließen, zum Beispiel an einem fest verankerten Fahrradständer oder einer Laterne.

Infos auch unter www.adfc.de

Hintergrund: Hausratversicherung kommt bei Einbruch für Schaden auf

Der Diebstahl von Fahrrädern ist über die Hausratversicherung abgedeckt, wenn das Rad aus verschlossenen Abstellräumen gestohlen wird: etwa dem Keller, der Garage oder der Wohnung. Die meisten Diebstähle passieren jedoch auf der Straße. Dagegen kann man sich mit einer Zusatzklausel in der Hausrat-Police versichern. Auch dann gilt aber: Das Fahrrad muss durch ein Schloss gesichert sein.

Der Schaden wird von der Versicherung bis zur vertraglich vereinbarten Summe erstattet. In der Regel wird dafür ein bestimmter Prozentsatz des gesamten versicherten Hausrats festgelegt. Ist der Hausrat etwa mit 50 000 Euro und der Fahrraddiebstahl mit einem Prozent davon versichert, entschädigt die Versicherung den Diebstahl je nach Wiederbeschaffungswert mit bis zu 500 Euro.

Für hochwertige Räder kann die Summe angehoben oder eine spezielle Fahrradversicherung abgeschlossen werden.

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Rubriklistenbild: © dpa

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