Joachim Szieleit gilt seit 1993 als vermisst

Der Tod eines „Toten“: Fall aus Kassel bei "Aktenzeichen XY...ungelöst"

Seit dem 6. Mai 1993 vermisst: Der 32-jährige Joachim Szieleit wohnte in einem kleinen Appartement in dem Hochhaus am Grünen Weg 21. Fotos:  Pflüger-Scherb (2), Polizei (1)

Kassel. Es gibt keinen Tatort, kein Tatwerkzeug und keine Leiche. Seit dem 6. Mai 1993 wird der Kasseler Gebrauchtwagenhändler Joachim Szieleit vermisst. Nun war der Fall Thema in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ .

Kriminalhauptkommissar Helmut Wetzel, Leiter des Kommissariats 11, ist sich sicher, dass Szieleit vor 22 Jahren Opfer eines Raubmordes geworden ist. In  „Aktenzeichen XY... ungelöst“ hatte Wetzel am Mittwoch, 8. April, über den ungelösten Kriminalfall berichtet.

Szieleit war 32 Jahre alt, als er verschwand. Aber schon vorher soll sich der Autohändler selbst als „der Tote“ bezeichnet habe. Er kokettierte gern damit, dass er nirgends registriert war. Szieleit war weder beim Finanzamt (er zahlte somit auch nie Steuern) noch polizeilich gemeldet, sein kleines Appartement am Grünen Weg 21 in Kassel hatte er unter falschem Namen angemietet. Die Miete sowie seine private Krankenkasse zahlte er jährlich im Voraus.

Szieleit hatte kein Bankkonto, nur ein Schließfach bei der Kasseler Stadtsparkasse. „Sein Büro bestand aus einer Plastiktüte, die er immer bei sich hatte“, sagt Wetzel. Darin bewahrte er sein Geld (oft hohe Summen) und die Fahrzeugpapiere für die Autos, mit denen er handelte, auf. Seinen Kraftfahrzeughandel nannte er „Fa Todi“. Zudem verlieh Szieleit gern Geld, jedoch zu Wucherzinsen, bis zu zehn Prozent im Monat soll er genommen haben, sagt Wetzel. Die Namen der Schuldner hielt er in einem kleinen Notizbuch fest. Auch das ist wie sein Besitzer seit dem 6. Mai 1993 spurlos verschwunden.

Helmut Wetzel

Ein Freund meldete Szieleit als vermisst, nachdem dieser ihn am 6. Mai versetzt hatte. Einen Tag zuvor waren Szieleit und der Freund gemeinsam unterwegs, um Autos zu erwerben. In Hameln kaufte Szieleit einen weißen Golf. Auf dem Weg dorthin bekam der Gebrauchtwagenhändler einen Anruf auf sein Autotelefon. Jemand bot ihm einen Mercedes 500 an. Zu einem Schnäppchenpreis von 80.000 Mark. Der Verkauf sollte am 6. Mai um 10 Uhr auf dem Parkplatz der Zulassungsstelle in Kassel über die Bühne gehen. Der Verkäufer des Mercedes kannte sich offenbar in Kassel aus. Ungewöhnlich sei gewesen, dass Szieleit selbst den Verkäufer nicht telefonisch erreichen konnte. Er musste warten, bis der Verkäufer sich bei ihm meldete.

Die Kasseler Ermittler gehen davon aus, dass Szieleit am nächsten Tag von dem vermeintlichen Mercedes-Verkäufer in eine Falle gelockt wurde: Der Verkäufer tötete Szieleit und raubte die 80.000 Mark. Zum letzten Mal lebend wurde der 32-Jährige am Morgen des 6. Mai in der Kasseler Stadtsparkasse gesehen. Dort hatte er ein Schließfach.

Dort fand die Kripo Reserveschlüssel für Szieleits Wohnung sowie einen Schuldschein über 50 000 D-Mark. Der weiße Golf, den der Gebrauchtwagenhändler in Hameln gekauft hatte, wurde am 10. Mai auf einem Privatparkplatz hinter einem Hochhaus an der Holländischen Straße 206 gefunden.

Hinweise: An die Polizei unter Telefon 05 61/9100.

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