Viele gehen mit ihren Passwörtern zu sorglos um

Falsche Todesnachrichten im Netz: Unerlaubte Zugriffe auf Facebook-Seiten

Schreck vorm PC: Auf gehackten Facebook-Seiten werden auch schon mal falsche Todesmeldungen verbreitet. Foto:  dpa

Kassel. Der 26-jährige Mann aus Niederzwehren lag vergangene Woche schon im Bett, als sich plötzlich sein völlig aufgelöster Bruder bei ihm meldete.

Der war auf einen neuen Eintrag auf der Facebook-Seite seines Bruders gestoßen und darüber völlig erschüttert: In dem sozialen Netzwerk hieß es, dass der 26-Jährige an diesem Abend sterben werde. 500 seiner Facebook-Freunde waren bereits zur Beerdigung eingeladen worden.

Seine Familie und Freunde seien wegen der Todesnachricht fix und fertig gewesen, erzählt der 26-Jährige. „Meine Mutter hat geweint.“ Der junge Mann erstattete wegen seiner gehackten Facebook-Seite, auf die offenbar Unbekannte zugegriffen hatten, Anzeige beim Polizeirevier Mitte.

Kein Einzelfall: Anfang Dezember 2015 war die Facebook-Seite des in der Türkei lebenden ehemaligen MEG-Chef Mehmet E. Göker ebenfalls gehackt worden. Unbekannte hatten dort behauptet, dass er bei einem Motorradunfall gestorben sei. Es dauerte knapp eine Stunde, bis Göker wieder Zugriff auf seine Seite hatte und klarstellen konnte, dass er noch am Leben sei. Es komme täglich vor, dass widerrechtlich Zugriff auf Facebook-Seiten genommen wird, sagt Polizeihauptkommissar Oliver Kranki, Abteilungsleiter Internet/Neue Medien im Polizeipräsidium Nordhessen. Da würden Leute beleidigt und verunglimpft.

Das bekomme er auch regelmäßig mit, wenn er Vorträge zum Thema Sicherheit im Netz vor Schulklassen halte. Viele Fälle, bei denen die Straftatbestände Verleumdung und Beleidigung erfüllt würden, kämen aber gar nicht erst zur Anzeige. Oft würden sich Opfer und Täter kennen, und das unter sich regeln. Deshalb sei die Dunkelziffer vermutlich sehr hoch, sagt Kranki.

Es gebe zwei Gründe, aus denen Unberechtigte Zugriff auf eine Seite bekämen, so der Ermittler. Erstens: der sorglose Umgang mit dem Passwort. Junge Leute loggten sich zum Beispiel auf dem Schulhof vor ihren Mitschülern bei Facebook ein, ohne ihr Passwort geheim zu halten. Mit mitunter fatalen Folgen: Plötzlich werden die Opfer auf ihrer eigenen Seite mit einem Foto, das sie etwa als Schwein zeigt, gemobbt. Oder es heißt dort, dass die Opfer für jeden „zu haben“ sind. Hinter diesen Taten steckten in der Regel nicht internationale Kriminelle, sondern Täter aus dem Bekanntenkreis.

Die wichtigsten Infos zum Thema zum Nachhören in unserer Radio-HNA-Soundcloud:

Anders verhalte es sich, so Kranki, wenn Accounts geknackt werden, indem Trojaner über geöffnete Fake-Mails auf den Rechner gelangten, um anschließend die Passwörter auszuspähen. Hier verfolgten die Täter in der Regel das Ziel, Nachrichten oder Werbebotschaften über fremde E-Mail-Adressen zu versenden. Bei Massen-Spams sei es kaum nachzuvollziehen, wer dahinter stecke, um die Täter, die sich oft im Ausland aufhielten, zur Strecke zu bringen. „Wenn ein Bekannter mit Hilfe des Passworts Zugriff nimmt, dann ermitteln wir die Schuldigen in der Regel schon“, sagt Kranki.

Hintergrund: Kagida-Chef betroffen?

Experten des Polizeipräsidiums ermitteln derzeit auch, ob die Facebook-Seite von Kassels Pegida-Gründer Michael Viehmann gehackt worden ist. Das hatte der 47-Jährige kürzlich vor dem Kasseler Amtsgericht behauptet, wo er wegen des Verdachts der Volksverhetzung wegen eines judenfeindlichen Eintrags in dem sozialen Netzwerk angeklagt worden war. Der Prozess wurde zunächst eingestellt und soll nach Ende der Ermittlungen neu aufgerollt werden.

So schützen Sie sich vor Betrügereien im Internet

Betrügereien, Infizierungen des Computers mit Viren, Würmern und Trojanern sowie das Einbinden in betrügerische Netzwerke ließen sich verhindern, wenn Verbraucher einige einfache Regeln beachten würden, sagt Oliver Kranki. Der Polizeihauptkommissar gibt folgende Tipps:

• Sichern Sie alle medialen Geräte, die Kontakt zum Internet haben, mit einem Virenscanner. Auch Handys sind keine Telefone mehr, sondern hochkomplexe PCs.

• Benutzen Sie sichere Passwörter (mind. 12 Zeichen, Groß-/Kleinbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen).

• Für jede Anwendung ein eigenes Passwort.

• Die Passwörter nicht auf dem Rechner speichern.

• Software aktuell halten und immer die neuesten Versionen updaten.

• Keine unbekannten Linkverbindungen anklicken.

• Anhänge in unbekannten oder dubiosen Mails nicht öffnen. Das kann auch eine echt wirkende Abrechnung sein. Besser die Rechnung immer auf der entsprechenden Website des Anbieters direkt öffnen.

• Lesen Sie, worauf Sie klicken. Oft ist ein „Ja“ an der Stelle platziert, wo üblicherweise das „X“ zum Schließen der Programme angesiedelt ist. Routinemäßiges Handeln kann beim Bedienen des Displays teuer werden.

• Wenn Sie unsicher sind, erkundigen Sie sich beim Verbraucherschutz, über die Suchmaschinen, die auch oft Hinweise zu Betrügereien anzeigen oder fragen Sie bei den Fachberatern der Polizei.
www.polizei-beratung.de
www.polizeifürdich.de
www.klicksafe.de

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