Familie wieder vereint: Uni-Mitarbeiter saß 19 Wochen im Gaza-Streifen fest

Endlich wieder zusammen: Ahmed Tubail mit Tochter Nadya (12), Ehefrau Anke und Sohn Tarek (24). Foto:  Heise-Thonicke

Kassel/Fuldatal. Seit März hatte Ahmed Tubail seine Familie nicht mehr gesehen, weil er nach einem Besuch bei seiner schwerkranken Mutter im Gaza-Streifen festsaß. Jetzt konnte er seine Ehefrau und die beiden Kinder endlich wieder in die Arme schließen.

„Es war eine harte Zeit“, sagt Anke Tubail und sieht dabei ihre Kinder an. Seit April wartete die Familie zwischen Bangen und Hoffen auf Ehemann und Vater Ahmed Tubail, der insgesamt 19 Wochen im Gaza-Streifen festsaß. Erst am Montag konnte er per Transit durch Israel und über Jordanien ausreisen.

„Wir wussten nicht, ob wir ihn in diesem Jahr überhaupt wiedersehen würden“, beschreibt Ehefrau Anke die große Unsicherheit. Der Beistand von Familien, Freunden, Kollegen, des Unterstützerkreises und Pfarrer Harald Fischer von Sankt Familia habe ihnen durch diese schwere Zeit geholfen, sagt sie: „Es ist gut, wenn man weiß, dass man nicht allein ist. Das hat uns immer wieder Mut gegeben.“

Als der 49-jährige Familienvater am Montagabend endlich den Flughafen in Amman (Jordanien) erreicht hatte, sei bereits viel Anspannung von der Familie abgefallen. Und als sie ihren Mann am Dienstag auf dem Bahnhof Wilhelmshöhe endlich wieder in die Arme schließen konnte, „war es wie eine Erlösung.“

Auch Kollegen und Vorgesetzte an der Universität Kassel hätten ihm einen herzlichen Empfang bereitet, ist der Informatik-Techniker dankbar für den Rückhalt und die Unterstützung. Und dafür, dass er an seine Arbeitsplatz am International Center for Higher Education Research (Incher) zurückkehren kann, wo er seit 16 Jahren tätig ist.

Tubail weiß, dass das nicht selbstverständlich ist: Seine Schwester, die mit ihm in den Gaza-Streifen gereist war, um die 82-jährige schwerkranke Mutter zu besuchen, verlor ihren Job. Dabei konnte die kanadische Staatsbürgerin bereits drei Wochen nach Intervention der kanadischen Behörden das abgeriegelte palästinensische Autonomiegebiet wieder verlassen. „Als die Schwester ausreiste, hatten wir wieder Hoffnung“, sagt Anke Tubail.

Sie habe nicht verstanden, warum es so lange gedauert habe, bis die deutschen Behörden etwas unternommen hätten: „Ich bin enttäuscht als Ehefrau.“ Seine ersten E-Mails seien nicht einmal beantwortet worden, sagt Ahmed Tubail, der seit 30 Jahren in der Region Kassel lebt und einen deutschen Pass hat.

Seine Mutter, der es inzwischen wieder besser geht, habe sich große Vorwürfe gemacht, dass er wegen ihr in eine solch schwierige Situation geraten sei, schildert der Familienvater. Ob er seine Mutter und auch die Familie seines Bruders je wiedersehen wird, weiß er nicht. Und die in Fuldatal-Simmershausen lebende Familie denkt auch an die noch rund 80 deutschen Staatsbürger mit palästinensischen Wurzeln, die auf eine Ausreise aus Gaza warten. Sieben Menschen gelang mit Ahmed Tubail am Montag die Ausreise über Jordanien, darunter ein jugendliches Geschwisterpaar, das der Familienvater bis zur Ankunft auf dem Frankfurter Flughafen unter seine Fittiche nahm. Eine Mutter mit zwei Kindern und ein Mann seien zurückgeschickt worden, weil sie nur deutsche und keine palästinensischen Papiere dabei hatten. „Wenn man hier in Freiheit lebt, kann man manches nicht verstehen“, sagt Ehefrau Anke.

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