Jugendamt muss weniger Kinder in Obhut nehmen – Wachsamkeit ist weiter hoch

Familien unter der Lupe

Judith Osterbrink

Kassel. Berichte über Eltern, die ihre Kinder misshandeln, gibt es immer wieder. Besteht Gefahr für das Wohl des Kindes, greift das Jugendamt ein und nimmt es aus der Familie. Die Zahl dieser Inobhutnahmen ist seit einigen Jahren leicht rückläufig. Die Zahl der Alarmierungen nicht.

Seit 2005 führt das Kasseler Jugendamt Buch über die Gefährdungsmeldungen. Von ursprünglich 65 ist die Zahl auf 300 im vergangenen Jahr gestiegen, sagt der Leiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD), Dr. George von Soest. Das bedeute aber nicht, dass mehr Kinder verprügelt würden. „Die Gefährdung hat es vermutlich schon immer gegeben, aber die Wachsamkeit ist gestiegen“, sagt von Soest.

Nur jede zehnte Gefährdungsmeldung beziehe sich auf Gewalt an Kindern. Meist gehe es um Vernachlässigung oder Konflikte der Eltern. „Untersucht werden alle Meldungen“, sagt die Leiterin des Jugendamtes, Judith Osterbrink. Im Zweifelsfall holt das Jugendamt die Kinder aus der Familie heraus.

Die Inobhutnahmen sind aber nur ein Teil der stationären Hilfen. „In den meisten Fällen kommen die Eltern selbst zu uns, weil sie in der Erziehung nicht mehr klarkommen“, sagt Osterbrink.

Höchststand war Mitte 2009

Oft sei es mit einer etwa zweijährigen Beratung getan, die Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen übernehmen. Mitte 2009 gab es 852 ambulante Hilfen, Ende 2011 noch 618. Die Entwicklung bei den stationären Hilfen ist ähnlich: Im Juni 2009 zählte das Jugendamt 641 Fälle, Ende 2011 waren 567 Kinder und Jugendliche außerhalb ihrer Familie untergebracht. Dazu zählten 34 Inobhutnahmen, außerdem Unterbringungen in Heimen (262), Pflegestellen (143) und bei Verwandten (65).

Die Zahl der Inobhutnahmen ist zuletzt leicht gestiegen. Ein Grund: Das Jugendamt hat vermehrt ausländische Jugendliche ohne erwachsene Begleitung aufgegriffen. Sie stammen vor allem aus arabischen Ländern. Ihre Eltern haben sie wegen der Unruhen nach Deutschland geschickt. Ende 2011 kümmerte sich das Jugendamt um 22 dieser Flüchtlinge.

Beim ASD des Kreises Kassel sind 2011 170 Hinweise auf Verwahrlosung und Misshandlungen eingegangen. In 50 Fällen mussten Kinder in Heimen oder bei Verwandten untergebracht werden. Auch die Zahl der minderjährigen Flüchtlinge ist auf zuletzt 17 gestiegen.

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Von Marcus Janz

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