Tausende Rentner bekommen monatlich Geld von der Zusatz-Versorgungskasse

Kassel. Klaus Werner hat den höchsten Arbeitsplatz in Kassels Innenstadt. Der Direktor der Kommunalen Versorgungskassen Kurhessen-Waldeck (KVK) residiert im 11. Stock des Brandkassen-Hochhauses an der Kölnischen Straße mit herrlichem Blick über die Stadt.

Gemessen am Kapital, das der 61-Jährige mit seinen 60 Mitarbeitern im Stillen verwaltet, nehmen sich die 54 Meter Gebäudehöhe aber geradezu mickrig aus.

Denn die drei Einzelkassen unter dem KVK-Dach hantieren derzeit mit 814 Millionen Euro. Damit dürfte der öffentlich-rechtliche Unternehmensverbund auf einem der größten Geldvermögen in Nordhessen sitzen.

Der Löwenanteil steckt in der Kommunalen Zusatzversorgungskasse, die heute auf den Tag genau vor 75 Jahren aus der Taufe gehoben wurde. Sie zahlt Rentnern, die bei den 387 Gemeinden, Städten und Landkreisen im Regierungsbezirk Kassel sowie in kommunalen Einrichtungen wie Kliniken, Sparkassen, Ver- und Entsorgungsbetrieben beschäftigt waren, eine Zusatzrente zu den gesetzlichen Altersbezügen. Zurzeit hat die ZVK 60 000 aktive sowie 52 000 beitragsfreie Versicherte, die bei einer Kommune gearbeitet haben, und 28 000 Rentenempfänger. Die Beiträge zahlen ganz überwiegend die Arbeitgeber. Beschäftigte, die darüber hinaus vorsorgen wollen, können freiwillige Versicherungen abschließen.

Zweite Versicherung unter dem KVK-Dach ist die umlagefinanzierte Beamtenversorgungskasse, die die Pensionen der kommunalen Beamten zahlt, zurzeit sind es etwa etwa 1400 Versicherte. Und Dritter im Bunde ist die Sterbekasse mit 6300 Versicherten. Alle drei zusammen zahlen jährlich 220 Mio. Euro aus.

Klaus  Werner

Das viele Geld hat die KVK natürlich nicht im Keller oder auf einem Sparbuch liegen. Werner und seine Leute legen es am Kapitalmarkt an: zu 95 Prozent in risikoarme festverzinsliche Wertpapiere sowie konservative Fonds und Rententitel. Nur fünf Prozent sind in Aktien investiert. Zum Vermögen zählen neben dem Firmensitz weitere Immobilien in Kassel, Baunatal, Fuldabrück und Vellmar, sowie drei Altenheime in Dörnhagen, Niedenstein und Lohra in der Nähe Marburgs.

Die KVK legt das Geld nach sehr strengen, gesetzlichen Richtlinien mit eigenem Sachverstand, aber auch mithilfe externer Kapitalmarktprofis an. „Die Mitglieder und Versicherten können sich darauf verlassen, dass wir ihr Geld mehren, ohne Risiken einzugehen“, erklärt Werner das komplizierte Geschäft mit einfachen Worten. Denn für die Verwaltung derart hoher Summen bedarf es einer genauen Marktbeobachtung, eines professionellen Risiko-Managements, guter Chancen-Risiken-Analysen, Absicherungsgeschäften und, und, und ...

„Das ist schon eine Riesenverantwortung, schließlich müssen wir die Renten auch in 70 Jahren noch zahlen können und länger“, schildert der Direktor die schwere Bürde, die auf seiner Organisation lastet. Die historisch niedrigen Zinsen machen es ihm nicht leichter. „Vernünftige Erträge zu erwirtschaften, ohne das Risiko zu erhöhen, ist echt schwierig geworden“, sagt der erfahrene Finanzfachmann, der den Job seit 30 Jahren macht. Aber bisher sei es noch immer gelungen.

Von José Pinto

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