Inserierte Wohnung war bewohnt

Fingiertes Mietangebot: Kasseler wird beinahe Opfer von Kriminellen

Hier sollte sich die freie Wohnung befinden: Für das Haus Gottschalkstraße 55 hatte der Betrüger eine Anzeige auf Immobilienscout24.de inseriert. Das Haus gehört ihm aber gar nicht. Foto: Ludwig

Kassel. Das Angebot auf der Wohnungsbörse Immobilienscout24.de klang verlockend. Doch es entpuppte sich als Finte.

Altbau, Uni-Nähe, 55 Quadratmeter, zwei Zimmer, 340 Euro Warmmiete. Also zögerte der 39-jährige Mann aus Staufenberg nicht lange und nahm Kontakt auf zu dem vermeintlichen Eigentümer der Wohnung an der Gottschalkstraße 55. Dieser entpuppte sich aber als Betrüger. Nach Angaben der Polizei, die Ermittlungen aufgenommen hat, ist es nicht der erste Fall dieser Art.

Die Geschichte des Joseph Minor, so nannte sich der Inserent der Wohnungsanzeige, klang für den Staufenberger zunächst seriös. Für acht Jahre sei er beruflich nach London gezogen und wolle nun seine Wohnung in Kassel für diese Zeit vermieten. Der Kontakt zwischen dem Staufenberger und Mr. Minor lief ausschließlich über E-Mail, meist auf Englisch. Nachdem sich beide Seiten über die Anmietung einig waren – auch über Zahlung einer Kaution von 900 Euro – kam das Erwachen.

Mr. Minor teilte dem Interessenten mit, die Anmietung wolle er über die Internetplattform Airbnb abwickeln, auf der normalerweise Ferienunterkünfte von Privat vermittelt werden. Noch vor einer ersten Besichtigung sollte der Staufenberger die erste Miete plus Kaution – insgesamt 1240 Euro – auf ein Konto über Airbnb einzahlen.

Weil der 39-Jährige misstrauisch wurde, fuhr er kurzerhand zu dem Haus an der Gottschalkstraße. Er klingelte bei der angebotenen Wohnung und zum Erstaunen des Staufenbergers öffnete ihm eine junge Frau die Tür. Es war die Mieterin, die völlig perplex war, dass ihre Wohnung im Internet angeboten wird.

Als der 39-Jährige ihr die Anzeige im Internet zeigte, kam die Frau noch mehr ins Staunen. Denn die dort präsentierten Fotos aus ihrer Wohnung stammten von ihrem Rechner. Von einem Joseph Minor habe sie noch nie gehört. Das Haus gehöre einem ganz anderen Eigentümer, der alle Wohnungen vermiete. Frei sei keine einzige.

Auf HNA-Anfrage teilte die Polizei mit, dass es ähnliche Fälle bereits in der Region gegeben habe. Betrüger versuchten über Wohnungsanzeigen im Internet vorab Geld von den Interessenten zu kassieren. Die Polizei werde nun wegen des Falls an der Gottschalkstraße versuchen, den Betrüger zu finden.

Bereits im Mai hatte die HNA über einen vermeintlichen Investmentbanker berichtet, der in Kassel eine Traumwohnung zum Spottpreis anbot, die es gar nicht gab. Auch dieser Betrüger lebte angeblich in Großbritannien und wollte per Vorkasse die Interessenten über den Tisch ziehen.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.