Es ging von Kassel nach Darmstadt

Flüchtling fuhr für 400 Euro Taxi: Fahrt war vom Land abgesegnet

Kassel. Ein Flüchtling aus Syrien ist mit dem Taxi von Kassel durch ganz Hessen gefahren, um seine Unterkunft bei Darmstadt zu erreichen. Bezahlt wurde die Fahrt vom Steuerzahler.

Das Land Hessen hatte die Fahrt erlaubt. Kosten: über 400 Euro.

Bei dem Mann handelt es sich nach HNA-Recherchen um einen 22 Jahre alten Syrer, der ohne Familie nach Deutschland kam. Der Mann war in Neustadt bei Marburg untergebracht. Dort war er in eine Auseinandersetzung verwickelt – die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen Landfriedensbruch.

Der Mann kam in Untersuchungshaft und wurde in die Justizvollzugsanstalt Kassel eingeliefert. Als der Haftbefehl aufgehoben wurde, war der Syrer frei. Er sollte aber nicht mehr in seine alte Unterkunft nach Neustadt zurück, sondern nach Darmstadt.

Nach HNA-Informationen hatte der Leiter der Erstaufnahme in Neustadt angeboten, dem Flüchtling ein Taxi nach Kassel zu schicken, um ihn nach Darmstadt zu bringen. Bei der JVA rief man dann schließlich die Kasseler Taxizentrale an.

Taxichef: "Ausnahmefall"

Der Chef der Kasseler Taxizentrale (88111), Markus Semmelroth, bestätigt gegenüber unserer Zeitung den Fall und spricht von einer Ausnahme: „So ein Fall ist mir zum ersten Mal begegnet.“ Für die Fahrt liegt der Taxizentrale eine Kostenübernahmeerklärung der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Gießen, Außenstelle Neustadt, vor. Der Preis dieser Fahrt liegt auf dem Taxameter nach Angaben von Semmelroth bei „gut 400 Euro“.

Regelmäßig fährt die Taxizentrale nach den Worten Semmleroths Flüchtlinge aus nordhessischen Erstaufnahmeeinrichtungen zu Ärzten, Notrufzentralen und Kliniken in Kassel. Für diese Fahrten habe die Taxizentrale eine Sonderpreis-Vereinbarung mit dem Regierungspräsidium Kassel: So würden behandlungsbedürftige Flüchtlinge etwa aus der Erstaufnahme Calden ins Kasseler Stadtgebiet für 28 Euro statt für normalerweise 40 Euro transportiert.

25 bis 30 solcher Fahrten gebe es im Monat, sagt Semmelroth. Vom Regierungspräsidium würden aber noch weitere Transporteure, etwa Mietwagenfirmen, beauftragt.

Und was sagen die Behörden zu der teuren Taxifahrt? Nichts. Beim RP Kassel verweist man auf den RP in Gießen, der zuständig sei. In der Pressestelle heißt es am Telefon, man habe divere Anfragen zu verschiedensten Flüchtlingsthemen und arbeite diese ab. Man bitte um die Zusendung schriftlicher Fragen.

Diese stellten wir vor zehn Tagen. Eine Antwort steht noch immer aus.

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Rubriklistenbild: © dpa

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