Kassel Airport: Ex-Vertriebschefin erhebt Vorwürfe gegen Flughafen

Kassel. Der Flughafen Kassel hat eine seiner wichtigsten Mitarbeiterinnen entlassen: Vertriebs- und Marketingchefin Christine Altzinger muss das Unternehmen wieder verlassen. Die erhebt nun schwere Vorwürfe gegen die Geschäftsführung.

Altzinger war innerhalb von zwei Jahren bereits die dritte Person auf diesem Posten.

Sie ist erst im Januar als Nachfolgerin für Andreas Blass gekommen. Er hatte die Firma im Juli 2015 nach gerade einmal zehn Monaten aus „persönlichen Gründen“ verlassen. Kurz nach Schustereders Amtsantritt im April 2014 ging der damalige Marketingchef Gordon Jenner. Altzinger ist nach eigenen Angaben wenige Tage vor dem Ende ihrer Probezeit vor die Tür gesetzt worden. Ihr sei gesagt worden, die Position werde nicht mehr gebraucht. "Das ist der Versuch der Geschäftsführung, ein Bauernopfer für ihre eigenen Versäumnisse zu finden." Dafür eigne sie sich aber nicht, sagte sie gegenüber der HNA.

Warum sie kurz vor Ende der Probezeit gehen musste, wollte die Flughafengesellschaft auf HNA-Anfrage nicht kommentieren. Auch die Frage, ob der wichtige Posten neu besetzt wird, ließ eine Sprecherin offen.

Wie ihre Vorgänger wurde auch Altzinger als erfahrene Marketingspezialistin aus der Airline- und Touristikbranche vorgestellt. Ihre Aufgabe wäre es gewesen, Fluggesellschaften und Reiseveranstalter als Partner für den Flughafen zu gewinnen. Doch Anfang Juni musste Geschäftsführer Ralf Schustereder eingestehen, dass es im kommenden Winter gar keine regelmäßigen touristischen Flüge ab Calden geben wird - ein Rückschritt zum ohnehin kleinen Angebot der vergangenen Saison.

Aktualisiert um 23 Uhr

Die Atmosphäre innerhalb des Unternehmens sei geprägt von Misstrauen, Geheimniskrämerei und Angst, sagte Altzinger. Fluglinien hätten den Flughafen als kompliziert und schwerfällig wahrgenommen, auch deshalb sei es nicht zu Vertragsabschlüssen gekommen. DieGeschäftsführung des Flughafens sei Schuld daran, dass es im Winter 2016/2017 keine regelmäßigen Ferienflüge gebe. Verhandlungen mit der Fluggesellschaft Germania über vier Flüge pro Woche auf die Kanaren waren weit fortgeschritten. Zwei große Reiseveranstalter hätten das Angebot ins Programm genommen.

Doch die Geschäftsführung schreckte vor der geforderten Risikobeteiligung zurück - angeblich wegen Vorgaben der EU-Wettbewerbshüter. Zum geplatzten Deal mit der Fluggesellschaft Germania, am Flughafen mit einer Teilübernahme des finanziellen Risikos durch den Flughafen ein Flugzeug zu stationieren, sagte Altzinger: "Ich hatte den Eindruck, dass man von Seiten der Geschäftsführung einfach kein Interesse an der einzigen Fluglinie hatte, die KSF bedient." Nun steht laut Brancheninsidern auch der nächste Sommerflugplan in Kassel auf der Kippe.

Lesen Sie hier einen Kommentar unseres Chefredakteurs zur Lage am Flughafen.

Rubriklistenbild: © dpa

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