Neubau soll inzwischen etwa 282 Mio. Euro kosten

Geschichte einer Kostenexplosion: Flughafen Calden wurde immer teurer

Die Geschichte einer Kostenexplosion: Seit Beginn der Planungen ist der Preis für den Flughafen Kassel in Calden fast kontinuierlich gestiegen auf aktuell 282 Millionen Euro. Das Bild zeigt die Aufschrift eines Kassenhäuschens vor dem Terminal des Kassel Airports. Foto: dpa

Kassel. Der Bau des Flughafens Kassel wird voraussichtlich elf Millionen Euro teurer, als während der Bauzeit erwartet wurde.

Obwohl seit Ende 2014 bekannt ist, dass Baufirmen Nachforderungen gestellt haben, wurde diese Nachricht bei der hessischen Opposition und von Hauptstadtmedien vorige Woche als Überraschung bewertet. Wir stellen die Entwicklung der Kosten für den Flughafenbau noch einmal im Detail vor, wie sie auch im kritischen Bericht des Landesrechnungshofs enthalten sind:

2001/2002: Nach einer ersten Schätzung wird der Ausbau des Flughafens Calden 89,9 Millionen Euro kosten. Darin sind wesentliche Kosten noch gar nicht enthalten, etwa für das Raumordnungs- und Planfeststellungsverfahren sowie für Feuerwehr, Bodendienste und andere Ausrüstungen. Sie werden erst in einer neuen Schätzung von 102,4 Mio. Euro eingerechnet.

2004: In die erste Gesamtinvestitionskostenschätzung (GIKE) werden nun auch Kosten für den Kauf der Grundstücke (12,3 Mio. Euro), für Ausgleichsmaßnahmen (5,0 Mio. Euro) und Entschädigungen an Windkraftbetreiber (15,0 Mio. Euro) aufgenommen. Weil die Höhe zuvor unklar war, hatte die FGK diese Kosten erst gar nicht in die Schätzungen aufgenommen, auch nicht als grobe Schätzung. Auch in der neuen Summe von 151,6 Mio. Euro fehlen unabdingbare Ausgaben, etwa für das Inventar der Gebäude. Dafür werden die Kosten für den Erdbau um 21,5 Mio. Euro deutlich erhöht.

Februar 2010: Nachdem die Ausbaukosten jahrelang nicht mehr geschätzt wurden, springt die Investitionssumme mit der neuen GIKE auf über 247 Mio. Euro. Die Gründe der Kostenexplosion laut Flughafengesellschaft: Der Flughafen musste wegen einer Verschärfung der Luftsicherheitsgesetze neu konzipiert werden, es gab viele Planungsänderungen, und aufgrund des langen Vorlaufs macht sich die allgemeine Preissteigerung bemerkbar. Immerhin: Für das Inventar sind nun 3,2 Mio. Euro vorgesehen.

März 2010: Schon nach wenigen Wochen wird die nächste GIKE vorgelegt. Nach der Kostenexplosion wird nach Wegen gesucht, die Ausgaben zu senken. Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport und die Unternehmensberatung Ernst & Young geben Gutachten ab. Weil erwartet wird, dass die Gewerke bis zu 25 Prozent günstiger vergeben werden können, als erwartet, soll der Flughafen nun für 225 Mio. Euro gebaut werden. Der Rechnungshof kritisiert heute, dass der Landtag über diese erwarteten Einsparungen nicht informiert wird, denn er gründet seine Haushaltsdebatte auf diesen Angaben.

Juni 2011: In Calden wird gebaut, und die erwarteten Einsparungen sind nicht eingetreten. Im Gegenteil: Die Bau- und Planungskosten sind noch einmal gestiegen. Der neue Endpreis für den Airport wird mit 271 Mio. Euro angegeben mit einem „Risikopuffer“ von 22,3 Mio. Euro.

Dezember 2014: Dieser Puffer ist eineinhalb Jahre nach Eröffnung der Flughafens aufgezehrt. Wegen Nachforderungen der Baufirmen steigen die Gesamtkosten sogar noch einmal an. Aktuell (Stand Mai 2016) geht das Finanzministerium von 282 Mio. Euro aus. Da das Land und die anderen öffentlichen Gesellschafter (Stadt und Kreis Kassel sowie Gemeinde Calden) nicht mehr Geld in den Bau stecken dürfen, sollen die restlichen Kosten mit Grundstücksverkäufen am alten Flugplatz bezahlt werden. Dort ist ein Gewerbegebiet geplant. Bis dahin wird das Geld über ein Darlehen zwischenfinanziert.

Das sagt der Finanzminister

Hessens Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) ist seit Dezember 2010 Vorsitzender des Aufsichtsrats der Flughafengesellschaft Kassel. Die Kosten für den Flughafenausbau seien „zu keinem Zeitpunkt bewusst zu niedrig angesetzt“ worden, betont er in einer Antwort auf kritische Fragen der SPD-Landtagsfraktion. Schäfer betont auch, dass es keine Anhaltspunkte dafür gibt, dass nordhessische Bauunternehmen durch die Vergabeverfahren mit begrenztem Teilnehmerkreis bevorzugt wurden: „Ob in einer offenen Ausschreibung wirklich weniger Geld ausgegeben worden wäre, ist unter denjenigen, die sich tagtäglich damit beschäftigen, zumindest umstritten.“

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