Nach der Entlassung der Vertriebschefin

Fragen und Antworten zur Lage am Kassel Airport: Misstrauen und Angst

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Seltenes Bild: in Airbus der Germania am Flughafen Kassel-Calden kurz vor dem Abflug nach Mallorca. Im Winter wird es gar keinen regelmäßigen Flüge ab Calden geben.

Kassel. Die Negativnachrichten vom Airport Kassel reißen nicht ab. Jetzt musste Vertriebsleiterin Christine Altzinger gehen. Fragen und Antworten zur Lage am Flughafen.

Drei Vertriebs- und Marketingleiter in zwei Jahren: Der Personalverschleiß von Flughafenchef Ralf Schustereder ist immens. Dass er die letzten beiden selbst eingestellt hat, zeugt nicht von einem glücklichen Händchen bei der Personalwahl.

Wer waren die drei bisherigen Vertriebsleiter?  

Gordon Jenner hatte Schustereders Vorgängerin Maria Anna Muller 2013 mitgebracht – er ging kurz nach ihr. Andreas Blass blieb 2015 nur zehn Monate, und nun ging auch noch Christine Altzinger. Die letzten beiden wurden vom Airport bei ihrer Vorstellung für ihre Expertise in Tourismus- und Luftfahrtfragen gepriesen.

Wie ist die Stimmung innerhalb der Belegschaft? 

Schlecht. Christine Altzinger berichtet gegenüber der HNA, dass die Atmosphäre von Intransparenz, Misstrauen, Angst und Unterwürfigkeit geprägt sei.

Was hört man über die Geschäftsführung?

Es heißt immer wieder, in der Geschäftsführung gebe es kein unternehmerisches Denken, keine Risikobereitschaft, die aber notwendig seien, um das Flughafengeschäft ans Laufen zu bringen. Man habe den Eindruck, das Unternehmen werde von Beratern, Juristen und Verwaltern geführt, berichtet auch Altzinger. Die Folge: Nach dem Desaster mit dem Winterflugplan stehe nun auch das Sommerangebot 2017 infrage. Schließlich ist die bislang einzige feste Fluglinie, Germania, im Winter erst einmal weg.

Warum kam kein Winterflugplan zustande? 

Weil der Flughafen nicht bereit war,eine Risikobeteiligung für vier Winterflüge mit Germania auf die Kanaren einzugehen für den Fall, dass die Flüge schlecht gebucht würden. Schustereder begründete dies unlängst mit möglichen Verstößen gegen EU-Wettbewerbsrichtlinien. Dagegen sagt Altzinger, dass derartige Risikobeteiligungen an allen anderen Flughäfen gängige Praxis seien.

Und warum gefährdet der nicht zustande gekommene Winterflugplan den im kommenden Sommer.

Weil Airlines und Veranstalter den Flughafen nicht als verlässlichen Partner betrachten und auf andere Airports ausweichen. So hat die Germania inzwischen ein Flugzeug in Nürnberg stationiert.

Was tut Schustereder, um neue Partner für den Flughafen zu finden? 

Der Geschäftsführer will neue Geschäftsfelder eröffnen. So hat er seine Kontakte nach Ägypten genutzt, aber eine Partnerschaft mit Egypt Air kam nicht zustande. Auch hat Schustereder im Februar mit einem seiner Berater eine Luftfahrtmesse im Iran besucht. Dabei ging es darum, in Abstimmung mit einem regionalen Logistikunternehmen Möglichkeiten für Frachtströme zu sondieren. „Das Forum war das erste seit der Embargozeit und sollte dazu dienen, mit den Airlines im Iran Kontakte zu knüpfen“, sagt eine Sprecherin des Flughafens.

Was sagt der Aufsichtsrat dazu, dass der Flughafen binnen zwei Jahren drei wichtige Mitarbeiter verschleißt? 

Lesen Sie hier einen Kommentar zur Lage am Flughafen.

Nichts, zumindest nicht öffentlich. „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass der Aufsichtsrat interne Personalangelegenheiten der Flughafen GmbH Kassel nicht kommentieren wird“, heißt es auf HNA-Anfrage ausdem hessischen Finanzministerium. Minister Thomas Schäfer (CDU) ist als Vertreter des Hauptgesellschafters Vorsitzender des Gremiums. Der Flughafen verwendet im Übrigen dieselbe Formulierung. Und auch die IHK Kassel-Marburg, die im Aufsichtsrat vertreten ist und ursprünglich die treibende Kraft beim Flughafenbau war, will sich nicht zu der aktuellen Lage äußern.

Begleitet der Aufsichtsrat zumindest intern die Entwicklung kritisch? 

Wie viel Kritik sich Schustereder intern für seine Arbeit gefallen lassen muss, ist unbekannt. Der Aufsichtsrat hat nach seiner Sitzung Anfang Juni demonstrativ an ihm festgehalten. Und die Entscheidung, das Angebot der Germania über die Stationierung eines Flugzeugs im kommenden Winter abzulehnen, haben Finanzminister Schäfer und sein Stellvertreter, Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD), ausdrücklich mitgetragen.

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