Touristikunternehmer wollte für mehr Starts am Airport Kassel sorgen

Hoffnungsträger für Flughafen gibt auf: Vural Öger meldet Insolvenz an

Vor acht Monaten noch optimistisch: Vural Öger (von links) in Calden im Gespräch mit Geschäftsführer Ralf Schustereder und Verkaufsleiter Jürgen Schierz vom Flughafen Kassel.

Kassel/Calden. Vor acht Monaten hatte sich der türkisch-deutsche Touristikunternehmer Vural Öger noch als Hoffnungsträger für den Flughafen Kassel präsentiert.

Er hatte für Sommer 2016 zusätzliche Starts seiner Flugpartner in die Türkei in Aussicht gestellt. Diese Pläne haben sich zerschlagen: Kurz vor dem Jahreswechsel hat Öger für seinen Reiseveranstalter V.Ö. Travel Insolvenz angemeldet.

Wie am Dienstag bekannt wurde, hat am 4. Januar außerdem der Fluganbieter Öger Türk Tur wegen Zahlungsschwierigkeiten den Gang zum Konkursrichter angetreten. Die 1974 gegründete Firma hatte sich auf Flüge von Deutsch-Türken ins Herkunftsland ihrer Familien spezialisiert.

Im Fall von V.Ö. Travel geht es laut Öger um Außenstände von 16 Millionen Euro. Hintergrund sei ein dramatischer Einbruch des Türkei-Reisegeschäfts infolge des Syrienkonflikts. Seit dem Abschuss eines russischen Flugzeugs durch die türkische Armee im November sei „das Geschäft endgültig erledigt“, sagte Vural Öger Medienberichten zufolge.

In Deutschland, der wichtigsten Gästegruppe für Türkeireisen, habe das Unternehmen bereits im Vorjahr herbe Verluste geschrieben. Für 2016 seien die Buchungen schlecht angelaufen. Vor dem Hintergrund der schwierigen Lage in Nahost komme ein dramatischer Preisverfall hinzu, der durch starke Überkapazitäten der türkischen Tourismusindustrie befeuert werde.

Mehr zum Airport Kassel gibt es im Regiowiki. 

Aus Russland, dem bislang zweitwichtigsten Markt, seien die Buchungen infolge des politisch begründeten Boykotts um die Hälfte zurückgegangen. Pleiten und Probleme bei russischen Veranstaltern hätten V.Ö. Travel empfindlich getroffen. Ohne Aussicht auf eine grundlegende Änderung all dieser Bedingungen sei der Gang zum Konkursrichter unvermeidlich gewesen, sagte Öger.

Bei einer Veranstaltung vor nordhessischen Reisekaufleuten im vergangenen Mai am Flughafen in Calden hatte der Türkeireisen-Pionier noch Zuversicht verbreitet und auch Geschäftspartner vom Luftfahrtunternehmen SunExpress dazu mitgebracht. Seine Botschaft damals: Wenn ihm die regionalen Reisebüros ausreichend Kunden brächten, könne es eigens für V.Ö.-Gäste weitere Verbindungen im Caldener Flugplan geben.

Bereits gut zwei Wochen vor dem Insolvenzantrag von V.Ö. Travel war bekannt geworden, dass SunExpress seine Zusammenarbeit mit der Öger-Gruppe einstellt und an diese keine Flugtickets mehr abgibt. V.Ö. Travel sprach im Dezember noch von einer vorläufigen Aussetzung, die ihre Ursache in „unterschiedlichen Auffassungen“ über Abrechnungsmodalitäten habe.

Nach dem Aus für seine Firmen gibt Vural Öger auch seine Rolle als Risikokapitalgeber für Jungunternehmer in der „Vox“-Fernsehshow „Die Höhle der Löwen“ auf. In der für 2016 geplanten dritten Staffel werde er nicht mehr dabei sein, kündigte er an.

Das sagt der Flughafen Kassel

Die Flughafen GmbH Kassel sagte auf Anfrage der HNA, man bedauere die Situation beim Türkei-Reiseveranstalter V.Ö. Travel. „In diesem hart umkämpften Markt und mit den geopolitischen Brennpunkten ist es zurzeit schwierig, eine nachhaltige Kontinuität mit zukunftsträchtigen Partnern aufzubauen und abzusichern“, sagte Flughafensprecherin Natascha Zemmin.

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