Kassel Airport: Frachtflugzeug steuert fast täglich Calden an

Voll ausgelastet: Die Maschine F-GIXB der Europe Airposte kam als Flug FPO112F am vergangenen Donnerstag aus England und landete in Calden. Die Lademannschaft war gut 30 Minuten damit beschäftigt, die Großpaletten in zwei Lkw umzuladen.

Kassel/Calden. Jeden Tag – außer sonntags – setzt um 12.05 Uhr eine komplett weiß lackierte Boeing 737 mit verschlossenen Fensteröffnungen auf dem Kassel Airport zur Landung an.

Direkt von Norden kommend hat die Maschine Uslar und den Bramwald überflogen und setzt dann zur Kurve an, um in Calden aufzusetzen. Die Maschine ist, wie am vergangenen Donnerstag, bis unter das Dach gefüllt mit Frachtgut. Das schon eingespielte Personal rollt die großen fahrbaren Luftfrachtpaletten, auf denen sich jeweils vier große, in Folien verpackte Umkartons mit den eigentlichen Paketen und Kartons befinden, auf einen Palettenhubwagen (Highloader).

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Dieser bringt die Kartons zum Boden, wo sie mit kleinen Anhängern zu zwei Lkw gefahren, von Plastikfolie befreit und wiederum verladen werden. Zahlreiche Großpaletten füllten den Flugzeugrumpf der Boeing, die – je nach Berechnungsweise – 15,7 bis 30 Tonnen Nutzlast transportieren kann. Die beiden am Donnerstag eingesetzten fünfachsigen Sattelzüge dürfen jeweils bis zu 25 Tonnen laden und nahmen neben den Paletten auch noch zahlreiche kleinere Frachtsäcke auf.

Je nach spezifischem Gewicht der Ladung dürfte die Luftfrachtbilanz des Airports Kassel damit enorm in die Höhe schnellen, denn eine einzige Ladung der Boeing entspricht schon dem Gesamtluftfrachtaufkommen des Jahres 2013 in Calden. Offizielle Bestätigungen dafür, dass es sich bei der Fracht um Waren des Amazon-Konzerns handelt, sind nicht zu bekommen. Der Kassel Airport macht grundsätzlich keine Angaben zu seinen Privatkunden, die Amazon-Pressestelle in München reagierte auf unsere Anfrage mit der Standardantwort, dass das Unternehmen eine Vielzahl von Transportmöglichkeiten nutze, „darunter auch Luftfracht oder Gütertransport auf der Straße“. Beim Kassel Airport ist man jedenfalls froh über die Entwicklung. „Es bestand von Beginn an die Intention, auch Frachtabwicklung anbieten zu können. Daher betrachtet der Flughafen dieses Geschäftsfeld als wirtschaftlich wichtig und ergänzt damit den kommerziellen Passagierverkehr“, teilte die Presseabteilung auf Anfrage mit.

Kein Wunder: Der alte Flughafen hatte im Spitzenjahr 2007 insgesamt 931 Tonnen Luftfracht (bei 28.736 Passagieren), in 2010 noch 374 Tonnen und 2012 (im letzten Jahr am alten Standort) noch 261 Tonnen. Im November jenen Jahres verlegte der Spediteur GLS seine vier London-Nachtflüge pro Woche an den Flughafen Paderborn, wodurch wöchentlich bis zu 7,2 Tonnen Fracht entfielen. Das erklärt den Absturz auf 23 Tonnen im Jahre 2013 (46.557 Passagiere). Eine Bedarfsprognose vor dem Ausbau hatte für das zweite Betriebsjahr (2014) 1700 Tonnen Fracht ausgewiesen.

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