Finanzminister verteidigt Flughafen

Kassel Airport: Im Winter starten keine Ferienflieger

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Kassel. Hiobsbotschaft für den Flughafen Kassel: Es wird keine touristischen Charterflüge im kommenden Winterhalbjahr geben.

Alle Vertragsverhandlungen mit Fluggesellschaften sind gescheitert.

Germania könne ihre Flüge via Kassel nach Gran Canaria nicht mehr anbieten, weil sich die rechtlichen Arbeitszeitvorgaben für Flugteams geändert haben, erklärte Flughafen-Geschäftsführer Ralf Schustereder in einem Pressegespräch. Damit würden ab November nur noch fünf bis sechs Frachtflüge pro Woche abgewickelt. Außerdem plant Ski-Kohl Reisen wieder einzelne Flüge nach Innsbruck. 

Aktualisiert um 14 Uhr

Schustereder bedauert die Entwicklung: "Ich bin mit dem Winterflugverkehr nicht zufrieden." Die Mitarbeiter wurden am Donnerstagmorgen informiert. Es soll laut Schustereder aber keinen Arbeitsplatzabbau geben. Stattdessen würden Teilzeitregelungen greifen und Überstunden abgebaut, um den geringeren Personalbedarf auszugleichen. Der Flughafen hat aktuell 118 Vollzeitstellen. Laut Schustereder gab es vielversprechende Verhandlungen mit Egypt Air über eine Verbindung nach Hurghada.

Die Fluggesellschaft habe aber kurzfristig zurückgezogen. Auch die Gespräche mit Germania über einen geänderten Winterflugplan waren ergebnislos. Für regelmäßige Flüge hätte der Flughafen einen zu hohen Risikoanteil übernehmen müssen, weil Reiseveranstalter nicht genug Sitzplätze verbindlich buchen. "Die kaufmännische Konsolidierung des Flughafens und dieses Risiko passen nicht zueinander", sagte Schustereder.

Außerdem hätte eine derartige Beteiligung Probleme mit den EU-Wettbewerbswächtern bereitet. Aus den gleichen Gründen seien Verhandlungen mit zwei weiteren Fluggesellschaften gescheitert. Nun bemüht sich der Flughafen, über dessen Zukunft das Land Hessen im kommenden Jahr entscheiden will, ab März 2017 einen vorgezogenen Sommerflugplan auf die Beine zu stellen. (mcj)

Finanzminister Schäfer verteidigt Flughafen Kassel

Hessens Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) hat das Verhalten des Flughafens Kassel in Verhandlungen mit Fluggesellschaften verteidigt. Es sei zwar bedauerlich, dass es im Winter kein regelmäßiges touristisches Flugangebot gebe, betonte der Aufsichtsratsvorsitzende des Airports am Donnerstag. Man dürfe aber nicht auf jede Forderung von Fluggesellschaften eingehen.

Der Flughafen hatte nach eigenen Angaben in Verhandlungen mit mehreren Airlines das geforderte finanzielle Risiko nicht tragen können. "Aufgrund der geopolitisch schwierigen Lage in vielen Ferienregionen, etwa der Türkei, möchten manche Anbieter das Risiko auf die Flughäfen abwälzen. Da macht Kassel Airport aus guten Gründen nicht mit", sagte Schäfer. Zudem seien die geforderten Risikobeteiligungen sind mit dem EU-Beihilferecht nicht vereinbar.

Schäfer betonte, der Flughafen werde wie verabredet 2017 auf den Prüfstand gestellt. Im Sommer bietet die Fluggesellschaft Germania noch regelmäßige Flüge nach Kreta, Antalya und Palma de Mallorca an. (dpa)

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