1966 getauft

Lufthansa-Flugzeug "Kassel" fliegt seit 50 Jahren

In Reih und Glied: Die Besatzung der Lufthansa-Maschine „Kassel“ im Jahr 1966 auf dem Flughafen in Frankfurt am Main. Archivfotos: Lengemann

Kassel. Nicht nur die documenta, auch die Lufthansa sorgt dafür, dass der Name Kassel seit 50 Jahren über die Grenzen Deutschlands getragen wird. 1966 wurde die erste Maschine aus ihrer Flugzeugflotte in Frankfurt auf den Namen Kassel getauft.

Die Aufregung war groß, als sich der Kapitän der Boeing 727 bei Flugleiter Schwägerl im Kontrollraum des Flugplatzes Kassel-Waldau meldete und um Erlaubnis zum Überfliegen des Platzes bat. Sonst meldeten sich bei ihm nur die Piloten kleiner Sportmaschinen. Wenig später tauchte der Riese, für den die Landebahn in Waldau viel zu kurz gewesen wäre, über den Wäldern der Söhre auf.

Sektdusche: Der damalige Kasseler Oberbürgermeister Dr. Karl Branner taufte die Boeing 727 auf den Namen Kassel. Rechts neben ihm Lufthansa-Vorstandsmitglied Hans Süssenguth.

Die „Kassel“ war nach ihrer Taufe auf dem Frankfurter Flughafen am Nachmittag des 12. September 1966 zur einer Stippvisite nach Nordhessen aufgebrochen und grüßte ihre Namensgeberin aus der Luft.

Mit einem guten Fernglas hätte man am Rumpf das blauweiße Wappen der Stadt mit den 13 Kleeblätern und dem Schriftzug „Kassel“ entziffern können, schrieb der HNA-Reporter damals. Mit gedrosselten Düsen, ausgefahrenen Landeklappen und Fahrwerk umrundete die Lufthansa-Maschine die ganze Stadt und die umliegenden Gemeinden im Tiefflug.

Besorgte Anwohner glaubten zunächst, das Flugzeug sei in Not geraten und wolle in Waldau notlanden. Doch davon konnte keine Rede sein. Eine Viertelstunde später setzte die Boeing 727-030 mit dem Kennzeichen D-ABIV wieder auf der Landebahn in Frankfurt auf.

Aus Kassel: Die Stewardessen Hilgrid Basse und Bärbel Mödder flogen mit der „Kassel“.

Dort hatte Kassels damaliger Oberbürgermeister Dr. Karl Branner den „Europa-Jet“ mit Sekt auf den Namen Kassel getauft.

Das ist heute genau 50 Jahre her. Damals war das Fliegen noch nicht so selbstverständlich wie heute. Nur wenige konnten sich die teuren Flugreisen leisten.

Oberbürgermeister Bertram Hilgen erinnert zum Taufjubiläum an Kassels Luftfahrttradition, für die unter anderem der Fieseler Storch steht. Und aus Frankfurt wünscht Lufthansa-Konzernsprecher Florian Grenzdörffer der „Kassel“ in der Fliegersprache noch „many happy landings! Wir freuen uns, dass wir seit fünf Jahrzehnten über eine Flugzeug-Patenschaft mit Kassel verbunden sind.“

Bei der Flugzeugtaufe war Calden bereits ein Thema. Branner warnte damals vor falschem Ehrgeiz. An den Start ging der Verkehrslandeplatz 1971, im April 2013 wurde der Airport Kassel eröffnet.

Hintergrund: Wohin die "Kassel" heute fliegt

Lufthansa war der europäische Erstkunde der amerikanischen Boeing 727. Maschinen wie die „Kassel“ verfügten damals über eine seitliche Frachtluke. Beförderten die Jets tagsüber Passagiere, so flogen sie nachts Luftpost und Fracht. Die Umrüstung vom Passagier- zum Frachtflieger nahm zwei Stunden in Anspruch. Die „Kassel“ schied im Januar 1975 aus der Lufthansa-Flotte aus. Im gleichen Monat ging die Flugzeug-Patenschaft auf eine Boeing 727-230 über. 

Am 19. Juni 1990 wechselte die Patenschaft erstmals auf ein Modell des europäischen Herstellers Airbus. Seitdem fliegt ein Airbus A320 mit dem Kennzeichen „D-AIPE“ das Wappen und den Namen der Stadt Kassel zu Zielen in ganz Europa. Im aktuellen Lufthansa-Airbus „Kassel“ finden bis zu 168 Passagiere Platz. Heute, am Tag des 50. Jubiläums, hebt die „Kassel“ um 6 Uhr in Prag ab und fliegt von dort nach Frankfurt/Main. 

Dann geht es um 8 Uhr weiter nach London – Ankunft 8.40 Uhr Ortszeit. Zurück startet die „Kassel“ um 9.30 Uhr Ortszeit und trifft um 12.05 Uhr auf ihrer Heimatbasis in Frankfurt ein. Um 13.05 Uhr hebt sie erneut ab und landet um 15 Uhr in Oslo –zurück in Frankfurt ist sie um 19 Uhr. Um 20.45 Uhr geht es nochmals in die Luft – nach Warschau, wo die Maschine um 22.20 Uhr landet.

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