Obwohl Wohnraum gebraucht wird

Streit um Bau im Garten: Fünf Mietwohnungen werden nicht genehmigt

Bekommt keine Baugenehmigung für ein Mietshaus im Stadtteil Forstfeld: Volker Enzeroth. Auf seinem 1000 Quadratmeter großen Grundstück am Lindenhöher Weg 12 möchte er fünf Mietwohnungen errichten. Foto: Malmus

Forstfeld. Volker Enzeroth möchte bauen. Aber er darf nicht. Sein geplantes Haus mit fünf Mietwohnungen füge sich nicht in die nähere Umgebung am Lindenhöher Weg ein.

Das meint die städtische Bauaufsicht. Und versagt die Baugenehmigung im Stadtteil Forstfeld.

Die Situation 

Enzeroth, der als Forstbeamter arbeitet und in Guxhagen wohnt, hat das fast 1000 Quadratmeter große Grundstück mit dem nur 65 Quadratmeter kleinen Siedlungshäuschen aus dem Jahr 1937 von seinen Eltern geerbt. „Die Grundstücksgröße ist mit diesem Haus absolut nicht ausgenutzt“, sagt der 58-Jährige. Weil in Kassel dringend Wohnraum gebraucht wird, will er ein Haus mit fünf Mietwohnungen bauen. Platz genug wäre da, und rundherum stünden teils viel größere Häuser, erklärt er.

Der Streit 

Reichlich Platz: Die Garage auf seinem Grundstück direkt an der Bushaltestelle Kalkbergweg und das kleine, alte Stallgebäude (links von der Garage) will Volker Enzeroth abreißen. Foto: Malmus

Seit 2014 liegt Enzeroth mit der Bauaufsicht im Streit. Seine erste Bauvoranfrage für ein Haus mit acht Mietwohnungen wurde abgelehnt: Die Planung entspreche nicht der kleinteiligen Bebauung des Quartiers, das Haus sei zu groß und die Bebauung im Garten widerspreche der Charakteristik der vorhandenen Siedlungsstruktur. Der Bauherr lenkte ein, nahm ein Geschoss heraus und verkleinerte auf fünf Wohnungen - wieder abgelehnt. „Es kann doch nicht sein, dass alles auf dem Status von 1936 gehalten wird“, ärgert sich Enzeroth. Die vor 80 Jahren entstandenen Siedlungshäuser entsprächen in keiner Weise mehr den heutigen Vorstellungen. Eine Nachverdichtung auf den großen Grundstücken sei zwingend nötig und in der Nachbarschaft auch mit weitaus größeren Gebäuden schon erfolgt. Doch sein Widerspruch wurde vom Bauaufsichtsamt zurückgewiesen.

Kein Ausweg 

Enzeroth beauftragte den Kasseler Architekten Alexander Reichel mit einer Planung. Der stellte einen gleich großen Baukörper mit kleinteilig gegliederter Fassade an die Straße. Dazu sagt die Bauaufsicht Ja. Aber das Haus würde deutlich teurer als die ursprüngliche Bauvariante für 800 000 Euro in zweiter Reihe. Für Enzeroth ist der Neubau an der Straße kein Ausweg.

Die Kritik 

Dass er sein Mietshaus nicht bauen darf, findet er „total ungerecht“. Dabei habe die Stadt im Jahr 1978 bei seinen Eltern und anderen Grundstückseigentümern im Siedlungsgebiet sogar für eine rückwärtige Bebauung der großen Grundstücke geworben. Schon damals wurden die riesigen Gartenflächen kaum mehr genutzt. Den kleinen Schweinestall im großen Garten, der einst für die Ernährung der Siedlerfamilie wichtig war, wollte Volker Enzeroth abreißen. Jetzt bleibt der Stall erst mal stehen. Der Bauherr will vorerst nicht bauen. Was die Bauaufsicht veranstalte, „kann eigentlich nicht sein“, sagt er.

Das sagt die Bauaufsicht: 

Was Volker Enzeroth bauen will, „das fügt sich nicht ein“ in die Siedlung am Lindenhöher Weg, sagt Volker Mohr, Leiter des städtischen Amtes für Stadtplanung, Bauaufsicht und Denkmalschutz. Bei der Entscheidung „orientieren wir uns am Umfeld, was im Bereich prägend ist“. Und da sei das geplante Haus, das im Garten in zweiter Reihe entstehen soll, von zu großer Dimension. Den Entwurf für ein kleinteilig gegliedertes Gebäude in der Häuserflucht an der Straße „hätten wir sofort genehmigt“, sagt Mohr und lobt den „tollen Entwurf“ des Architekten Alexander Reichel. Auch ein kleines Einfamilienhaus im Garten zu errichten, wäre möglich. Für ein größeres Haus gebe es dort keine Genehmigung. Stadtplanungs-Koordinatorin Claudia Bremer nennt einen weiteren wichtigen Grund für die Ablehnung: „Wir wissen, wie Nachbarn heute reagieren.“

Von Jörg Steinbach

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