Seit Monaten ohne Lämrschutzwand

Wohnen an der A7: 90.000 Autos täglich in sechs Metern Entfernung

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Gartenidyll neben Autobahn: Heike Fleischer in ihrem Garten am Mittleren Käseweg. Direkt hinter der Hecke läuft nach dem Abriss der alten Lärmschutzwand nun der Bau der neuen Wand. Die Arbeiten dauern bis zum Frühsommer 2017.

Kassel. Am Mittleren Käseweg zu wohnen ist derzeit echt Käse. Die Anwohner im Stadtteil Forstfeld leben seit Jahrzehnten in Nachbarschaft zur A 7. Seit einigen Monaten schützt sie aber keine Lärmschutzwand mehr.

Diese wurde für einen Neubau abgerissen. In sechs Meter Entfernung zu den Wohngrundstücken rauschen nun nicht nur täglich bis zu 90.000 Autos und Lastwagen vorbei, sondern der Lärm der Baumaschinen macht den Anwohnern zusätzlich zu schaffen.

An das monotone Rauschen der Autobahn haben sich Andreas und Heike Fleischer gewöhnt. Das Ehepaar wohnt seit 22 Jahren gemeinsam in einem Haus am Mittleren Käseweg. Es ist das Elternhaus von Andreas Fleischer. Doch seit Monaten ist das Rauschen kaum mehr zu hören. Es wird übertönt von dem Lärm, den der Abriss der alten Lärmschutzwand und der Bau einer neuen Wand verursacht.

Riesiger Bohrer am Werk

Derzeit ist ein gigantischer Bohrer dabei, die Löcher für die Befestigungen der neuen Lärmschutzwand in den Boden zu treiben. „Als es vor Kurzem noch über 30 Grad warm war, mussten wir bei geschlossenen Fenstern schlafen“, erzählt Heike Fleischer. Im Garten zu entspannen, das sei in diesem Sommer kaum möglich gewesen. Besonders hart sei es für den Schwiegersohn, der mit im Haus lebt und im Schichtdienst arbeitet. Der könne tagsüber nur schwer ein Auge zumachen.

Genervt vom Lärm: Andreas und Heike Fleischer leben seit 22 Jahren gemeinsam neben der A 7. Noch nie war es so laut wie jetzt.

Mit einem Schallpegelmessgerät hat Andreas Fleischer die Belastung erfasst: Allein das Rauschen der Autobahn sorgt für einen Dauerschallpegel von 80 Dezibel. Wenn der große Bohrer loslegt, liegt die Belastung bei ungefähr 100 Dezibel – dies ist so laut wie ein Presslufthammer. Die Bauarbeiter würden morgens um 7 Uhr mit der Arbeit beginnen und bis zur Dunkelheit arbeiten.

„Da hilft es nur, daran zu denken, dass es mit der neuen Wand noch ruhiger wird als mit der alten“, sagt Andreas Fleischer. Den Arbeitern wolle er keine Vorwürfe machen, die machten einen guten Job.

Ohne die Lärmschutzwand dringt aber nicht nur der Lärm der Autobahn ungefiltert ins Haus der Fleischers, auch das Licht der unzähligen Fahrzeuge lässt ihr Haus auch nachts erstrahlen. Umso mehr sehnt das Paar den nächsten Frühsommer herbei.

Bis dahin soll nämlich die neue, 15 Meter hohe Lärmschutzwand stehen. Diese ist nötig, weil die A7 im Abschnitt zwischen Kassel-Süd und Kassel-Ost von sechs auf acht Fahrspuren ausgebaut werden soll. Es wird erwartet, dass sich die Zahl der Fahrzeuge auf 110.000 pro Tag erhöht.

Andreas Fleischer, der seit 1970 in dem Haus am Mittleren Käseweg mit seinen Eltern lebte, erinnert sich noch gut an diese Zeit: „Damals gab es nur ein paar Büsche zwischen unserem Haus und der Autobahn. Es fuhren damals so wenige Autos, dass wir Kinder uns eine Mutprobe daraus machten über die Autobahn zu laufen. Heutzutage würde man nicht mal über die erste Fahrspur lebend kommen.“

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