Fragen um angebliche sexuelle Übergriffe in Bädern - Polizei gibt Entwarnung

Kassel. Gibt es in Kasseler Bädern zunehmend sexuelle Übergriffe gegenüber Frauen und Mädchen? Darüber will die Kasseler CDU-Rathausfraktion Auskunft vom Magistrat haben.

Die Polizei gibt auf HNA-Anfrage allerdings bereits Entwarnung.

In jüngster Zeit seien immer wieder Vorfälle aus Schwimmbädern bekannt geworden, sagt Nikolas Hecht, der rechtspolitische Sprecher der CDU-Fraktion. Dabei sollen Männer gegenüber jungen Mädchen - ähnlich den Vorfällen in der Silvesternacht in Köln - sexuell übergriffig geworden sein.

Die Zahlen der Kasseler Polizei sprechen allerdings eine andere Sprache. Im vergangenen Jahr sind laut Polizeisprecher Jürgen Wolf im Bereich des Polizeipräsidiums Nordhessen 13 Anzeigen wegen Sexualstraftaten in Schwimmbädern erstattet worden. Darunter fallen exhibitionistische Handlungen, Beleidigungen auf sexueller Basis bis hin zu Vergewaltigungen. Eine Vergewaltigung in einem Bad sei aber nicht aktenkundig geworden. In der Stadt Kassel wurden im Vorjahr fünf Fälle angezeigt, meist wegen Beleidigung auf sexueller Grundlage. Und der Trend sei in diesem Jahr nicht anders. „Das ist überhaupt nicht besorgniserregend“, sagt Wolf.

Der CDU-Stadtverordnete Hecht meint indes, dass die Anfrage „Licht ins Dunkel“ bringen soll. Seltsam sei, dass solche Vorfälle „immer wieder hinter vorgehaltener Hand“ diskutiert würden, es aber von offizieller Seite keine belegbaren Zahlen gebe. Er sei von Vätern wegen mehrerer Vorfälle im Auebad angesprochen worden, sagt Hecht. Sie hätten berichtet, dass ihre Töchter unter anderem im Schwimmbecken von jungen Männern in Gruppen „unsittlich angefasst“ worden seien. Die Übergriffe seien meist nicht an die Polizei weitergeleitet worden. Das Problem sei aber der Elternschaft und den Bademeistern bekannt, meinte Hecht. Doch wüssten auch die Beschäftigten der Schwimmbäder nicht, wie sie damit umgehen sollten - ob sie etwa ein Hausverbot aussprechen.

Polizeisprecher Wolf berichtet von einem Fall im Juli im Auebad, bei dem zwei Mädchen die Polizei gerufen hatten, weil sie sich von zwei Männern belästigt gefühlt hatten. Die Ermittlungen hätten ergeben, dass zwei junge Männer (nach Information der HNA handelt es sich um Bulgaren) die Mädchen im Wasser angebaggert hätten, indem sie Augenkontakt aufgenommen und ihnen Luftküsse zugeworfen hätten. Dann seien sie zu den Mädchen geschwommen und hätten sie gefragt, wo sie herkommen. Die Mädchen hätten geantwortet, dass sie in Ruhe gelassen werden wollten, und haben dann die Polizei verständigt.

Auch wenn das Verhalten der jungen Bulgaren den Mädchen nicht gepasst habe, sei der Straftatbestand der sexuellen Belästigung laut Wolf in diesem Fall nicht erfüllt. Die Polizei habe deshalb keine Anzeige aufgenommen. Foto: Koch

Das sagt der Bäderbetreiber: Drei Vorfälle seit Februar 2015

„Bei rund 1,4 Millionen Bäderbesuchern in den vergangenen drei Jahre haben sich lediglich in drei Fällen weibliche Badegäste an unser Personal gewendet, weil sie sexuell belästigt worden seien.“ Das sagte am Donnerstag Heidi Hamdad, die Sprecherin der Städtischen Werke als Betreiber der Kasseler Bäder. Ein Fall von sexueller Belästigung gegenüber Frauen habe sich im Februar 2015 ereignet, die beiden anderen Fälle im Juli 2016, berichtete Hamdad.

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