Der Vermieter hat die freie Wahl

Fragen & Antworten zum Thema Wohnungen für Flüchtlinge

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Standen Rede und Antwort: (v.l.) Sozialdezernent Christian Geselle, Peter Ley (GWG), Sozialamtsleiterin Ute Pähns, Hodal Mohamed (Frauentreff Brückenhof), Wolfram Kieselbach (Haus&Grund) und Meinolf Schaefers (Caritas).

Kassel. Für die vielen Flüchtlinge, die nach Kassel kommen, werden dringend Wohnungen gebraucht. Wir fassen die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema zusammen.

Die Stadt Kassel sucht dringend Wohnungen für Flüchtlinge. Von den über 1900 Asylbewerbern, für die die Stadt zuständig ist, leben derzeit 500 in normalen Wohnungen, der Rest in Gemeinschaftsunterkünften. Unter den Bewohnern der Gemeinschaftsunterkünfte sind 200 Menschen, die bereits in Wohnungen umziehen dürften – aber keine finden. So werden die Plätze nicht für neu ankommende Flüchtlinge frei. Die Stadt rechnet damit, im Lauf des Jahres 3000 weitere Flüchtlinge zugewiesen zu bekommen. Die Unterbringung in Wohnungen sei auch förderlich für die Integration, sagte Sozialdezernent Christian Geselle jetzt bei einer Info-Veranstaltung für Vermieter, zu der 80 Besucher kamen. Fragen und Antworten:

Welche Flüchtlinge dürfen überhaupt in Wohnungen ziehen? 

Grundsätzlich gilt: Wenn das Asylverfahren entschieden ist und ein Bleiberecht besteht, dürfen Flüchtlinge aus den Gemeinschaftsunterkünften in Wohnungen ziehen. Flüchtlinge aus Ländern, bei denen mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Bleiberecht erteilt wird, dürfen auch schon während des Asylverfahrens umziehen. Derzeit trifft das für die Länder Syrien, Eritrea, Iran und Irak zu.

Wie viele Flüchtlinge leben in Kassel schon in Wohnungen? 

Standen Rede und Antwort: (v.l.) Sozialdezernent Christian Geselle, Peter Ley (GWG), Sozialamtsleiterin Ute Pähns, Hodal Mohamed (Frauentreff Brückenhof), Wolfram Kieselbach (Haus&Grund) und Meinolf Schaefers (Caritas).

Die Stadt Kassel ist aktuell für etwa 1900 Asylbewerber zuständig. 1400 davon sind in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. 500leben in normalen Wohnungen. In den Gemeinschaftsunterkünften sind aber mehr als 200 Menschen, die eigentlich in Wohnungen ziehen dürften. Dass sie möglichst schnell auch tun können ist wichtig, damit in den Wohnheimen Platz für neu ankommende Flüchtlinge frei wird. Sonst muss die Stadt noch mehr der Großunterkünfte schaffen als ohnehin nötig.Für 2016 rechnet die Stadt mit etwa 3000 neuen Flüchtlingen.

Welche Wohnungen kommen für Flüchtlinge in Frage? 

Gesucht werden sowohl kleine als auch größere Wohnungen. Voraussetzung ist, dass die Größe und die Höhe der Miete die geltenden Obergrenzen für Sozialhilfeempfänger nicht überschreiten. Für eine Person liegt die maximale Wohnfläche beispielsweise bei 50 Quadratmetern, die Miete (inklusive Kalt-Nebenkosten) bei 373 Euro. Bei vier Personen sind es 87 m² und 639 Euro.

Was muss ich tun, wenn ich an Flüchtlinge vermieten will? 

Privatvermieter wenden sich an die Wohnungskoordinatorin Janina Haupt von der Caritas. Sie nimmt Angebote entgegen und sucht nach passenden Bewohnern. In der Regel versuche sie auch beim Besichtigungstermin dabei zu sein, sagte Haupt. Sollte es zu Problemen kommen, steht sie als Ansprechpartnerin zur Verfügung.

Wer wird Vertragspartner beim Abschluss eines Mietvertrags? 

Der Vertrag wird mit dem Mieter, also dem Flüchtling/den Flüchtlingen, abgeschlossen. Das Sozialamt übernimmt die Kaution und kann auch Wunsch die Miete auch direkt an den Vermieter überweisen. Bei anerkannten Flüchtlingen übernimmt das Jobcenter die Miete.

Kann der Vermieter sich aussuchen, wer einzieht oder bekommt er den/die Mieter zugewiesen? 

Natürlich hat der Vermieter die freie Wahl, wen er in seine Wohnung nimmt, sagte Sozialamtsleiterin Ute Pähns. Wie bei einem normalen Mietverhältnis lernen Flüchtling und Vermieter sich kennen und entscheiden dann, ob es passt.

Wer kümmert sich um die Einrichtung? 

Die Flüchtlinge bekommen auf Antrag eine Pauschale, von der sie die Einrichtung selbst kaufen können. Die Summe ist so bemessen, dass eine Vollausstattung mit Gebrauchtmöbeln möglich ist. Wenn eine Küche oder andere Möbelstücke vorhanden sind, wird die Summe entsprechend reduziert.

Wie ist es mit den Nebenkosten für Strom, Gas und Wasser? 

Auch hier gibt es Grenzwerte, die je nach Wohnung und Anzahl der Bewohner kalkuliert werden. „In der Regel kommen alle Familien damit hin“, sagt Janina Haupt, Wohnungskoordinatorin bei der Caritas. Sollten die Höchstsätze überschritten werden, wird das in der Regel einmalig übernommen und entsprechend auf den Mieter eingewirkt, seinen Verbrauch zu reduzieren. Im Falle des Falles, dass der Vermieter auf Kosten sitzen zu bleiben droht, hat er die Kaution als finanzielle Absicherung, so Wolfram Kieselbach vom Eigentümerverband Haus & Grund.

Man hört oft, dass Flüchtlinge einfach weiterziehen. Muss ich mir als Vermieter sorgen machen, dass meine Mieter plötzlich weg sind? 

Wer in eine Wohnung zieht, hat auch vor zu bleiben, sagt Sozialamtsleiterin Pähns. Dass Flüchtlinge aus Wohnungen einfach verschwunden sind, sei noch nicht vorgekommen.

Kann man eine Wohnung als Flüchtlings-WG vermieten? 

Ja, das kann eine gute Möglichkeit sein, um alleinstehende Flüchtlinge in privatem Wohnraum unterzubringen - denn kleine Wohnungen sind Mangelware in Kassel. Bei einer Vier-Personen-Wohnung wird dann ein Mietvertrag zwischen dem Vermieter und vier Mietern abschlossen.

Kann ich meine Immobilie auch als Gemeinschaftunterkunft zur Verfügung stellen? 

Ja, dafür eignen sich Mehrfamilienhäuser oder kleine Pensionen mit einer Kapazität von 15 bis 30 Personen. In diesem Fall muss der Vermieter die Räume voll austatten, alle Nebenkosten tragen und ist zugleich Hausmeister und Ansprechpartner für die Flüchtlinge. Dafür gibt es auch mehr Geld von der Stadt: 10 bis 14 Euro täglich pro Person - je nachdem wie hoch der Aufwand für die Herrichtung der Unterkunft ist.

Wie sorgt die Stadt dafür, dass die Flüchtlinge sich nicht alle in einem Stadtteil ballen? 

Das hat sie nur begrenzt in der Hand. Wünschenswert sei eine gleichmäßig Verteilung über das gesamte Stadtgebiet, sodass Stadtteile mit ohnehin hohem Ausländeranteil nicht zu Ballungsgebieten werden, sagte Sozialdezernent Christian Geselle. Bei der Schaffung von Gemeinschaftsunterkünften ist der Druck aber inzwischen so groß, dass man es sich nicht leisten könne, Stadtteile außen vor zu lassen. Bei der Vermittlung in Wohnungen sei man für eine „gesunde Durchmischung“ auf die Bereitschaft der Vermieter angewiesen, Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

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blauweisslottiAntwort
(0)(0)

Na doch nicht für die Flüchtlinge!!
Für die Vermieter!

Make·HsiehAntwort
(1)(3)

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