Führungen von Kindern

Im Fridericianum gibt es jetzt das Angebot „Fritzi führt“

Diskutieren über Kunst im Fridericianum: Evelyn, Annika und Olivia lassen sich von Julie und Friederika (von links) durch die aktuelle Ausstellung „Jungle Stripe“ führen. Fotos: Koch

Kassel. Für Kinder gibt es mehrere Angebote im Fridericianum. Der Eintritt ist für unter 12-Jährige frei: Sonntags gibt es jetzt ab 14 Uhr mit „Fritzi führt“, Führungen von Kindern (nicht nur) für Kinder.

Am Ende schlägt Friederika Schulz, genannt Friki, (11) im Foyer des Fridericianums erst mal ein Rad. Aus Ausgelassenheit, aber auch aus Erleichterung, darüber dass alles gut gelaufen ist.

Zusammen mit ihrer Freundin Julie Hohnholt (12) hat sie eine halbe Stunde lang drei jüngere Kinder durch die Ausstellung „Jungle Stripe“ der New Yorker Künstlerin Anicka Yi geführt.

Die Besucherinnen Olivia (6) sowie die Schwestern Annika (6) und Evelyn (9) aus Kassel sitzen zufrieden am Bistrotisch und trinken Limonade. „Das war ganz gut“, beurteilt Evelyn die Führung. Sie ist in Sachen Museum ein erfahrener Hase und „Jungle Stripe“ habe sie auch schon gesehen. Die Kinderführung sei trotzdem etwas Besonderes: „Man hört mal was ganz Anderes und hat Spaß“, sagt Evelyn.

Unter dem Titel „Fritzi führt“ sind Führungen von Kindern ein nagelneues Angebot der Museumspädagogik im Fridericianum und der Kunstwerkstatt für Kinder. Julie und Friki waren darauf am Wilhelmsgymasnium von ihrer Lehrerin Julia Huss angesprochen worden. Sie sagten zu, obwohl Friki „eigentlich kein Fan von moderner Kunst“ sei. Van Gogh gefalle ihr besser.

Die Museumsfrauen Dorett Mumme und Katrin Leitner, die die Mädchen betreuen, halten sich während der Führungen fern. „Wenn was ist, ruft ihr, ja?“ Dorett Mummes Wunsch ist ein ungeschulter Blick auf die Kunst: „Es ist erfrischend, wenn Kinder die überfrachtete Sicht von Erwachsenen durchbrechen.“

Zur Vorbereitung gehörte die eigene Teilnahme an einer Führung. „Da haben wir uns Notizen gemacht“, sagt Julie. Sie hätten sich überlegt, einen Dialog herzustellen, indem sie Fragen stellen. „Das würde man sich bei Erwachsenen nicht trauen.“ Und so starteten die Mädchen ihre Tour mit: „Was seht ihr hier?“ „Einen weißen Raum mit Vogelkacke an den Wänden.“ Okay, los geht’s. Die Fragen beflügeln die Fantasie. „Das sind Honigwaben“, sagt Olivia, „aber für mich sieht das aus wie eine Bombe.“ „Für mich wie ein Elefant“, sagt Annika und kichert. Bedeutungsschwere bleibt außen vor, obwohl es das Sujet der Künstlerin, das Verhältnis neuer Technologien zu Pflanzen, Menschen und Tieren, in sich hat. „Wir haben gedacht, das sieht doch aus wie Haut“, sagt Julie in Anbetracht eines Bilderrahmens, aus dem Borsten herausragen.

In der Dunkelheit des Filmvorführraums sagt Julie: Wir fürchten uns in der Dunkelheit, würden wir eine Fledermaus fragen, würde die sagen: Euere Nacht ist für mich Tag.“ Es wird gelacht und es wird ein bisschen herumgesponnen. Und dann fallen Bonmots - beiläufig -, die man sich als Erwachsener hinter den Spiegel stecken möchte. Im Raum mit dem präparierten Koyoten, sagt Friki ohne Pathos: „Indianer haben mit den Tieren gelebt, wir sperren sie ein“. Und Julie sinniert: „Was Tiere wohl von uns denken?“ Friki hat eine Ahnung: „Wir halten uns für die Besten, aber die Tiere halten uns vielleicht für die Schlechtesten.“

Information

Für Kinder gibt es mehrere Angebote im Fridericianum. Der Eintritt ist für unter 12-Jährige frei: Sonntags ab 14 Uhr, „Fritzi führt“, Führungen von Kindern (nicht nur) für Kinder. Samstags, 11 bis 13 Uhr: Kunstwerkstatt für Kinder mit Katrin Leitner. Es gibt Workshops, Führungen und mehr.

Infos, Buchungen: Dorett Mumme: lernen@fridericianum.org, Tel. 0561/7072720, www.fridericianum.org

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