Frau geschlagen und Gassi geführt: Frühere Sturm-18-Frauen verurteilt

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Die drei Frauen bereuten ihre Taten vor dem Amtsgericht: Alle gaben an, mittlerweile mit der Kameradschaft „Sturm 18 Cassel“ nichts mehr zu tun zu haben.

Kassel. Neonazi Bernd T. (40), Gründer der rechtsextremen Kameradschaft „Sturm 18 Cassel“, scheint eine Wirkung auf wesentliche jüngere beziehungsweise labile Frauen zu haben.

Weil sie sauer auf eine 16-jährige Jugendliche war, mit der Bernd T. offenbar Geschlechtsverkehr hatte (ob freiwillig oder unfreiwillig ist ungeklärt), landete seine Ex-Freundin vor dem Kasseler Amtsgericht.

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Am Mittwoch wurde die 21-jährige Frau, die kürzlich den Sohn von T. zur Welt gebracht hat, wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung und Nötigung zu einer Bewährungsstrafe von 15 Monaten sowie 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Die 21-Jährige räumte ein, dass sie die 16-Jährige in der Nacht zum 9. Juli 2014 bis zur Bewusstlosigkeit ins Gesicht geschlagen hat, nachdem diese wiederholt behauptete, von T. vergewaltigt worden zu sein. Anschließend legte sie der Jugendlichen eine Leine um und führte sie „Gassi“, um sie zu demütigen. Das Opfer erlitt neben den psychischen auch Verletzungen im Gesicht und an den Beinen.

Zunächst sei hier etwas „ganz Banales aus Eifersucht“ passiert, was nichts mit der Gruppierung Sturm 18 zu tun gehabt habe, sagte Richter Matthias Grund bei der Urteilsbegründung. Allerdings habe die Rolle von Bernd T. als Chef von Sturm 18 zumindest Auswirkungen auf das Handeln der anderen beiden Frauen gehabt.

„Welche Leute scharrt denn Herr T. um sich?“ fragte Grund. Solche, mit denen er ein „leichtes Spiel“ habe, sie an sich zu binden. So zum Beispiel die 36-jährige Hartz-IV-Empfängerin, die ein Alkoholproblem habe und unter Betreuung steht: Sie wurde wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe sowie 150 Arbeitsstunden verurteilt. Sie hatte gestanden, das Opfer ebenfalls ins Gesicht geschlagen zu haben. T. hatte sie in die Wohnung bestellt, damit sie die 16-Jährige „entsorgen“ sollte.

Wenn T. so eine Anweisung gebe, dann müsse man gehorchen, so der Richter. Schließlich habe die 36-Jährige wenige Wochen zuvor am eigenen Leib erfahren, was einem ansonsten passieren kann. Nachdem sie einige Treffen von Sturm 18 verpasst hatte, war der Frau zur Strafe eine Hundeleine um den Hals gelegt worden und sie wurde auf allen Vieren „Gassi“ geführt. Diese Schicksal erlitt auch die 16-Jährige in der Tatnacht. Sie musste zunächst vor T. auf dem Boden knien und ihm Pfötchen geben.

Das hatte seine 21-jährige Exfreundin ausgesagt, die das junge Opfer anschließend aus eigenen Stücken vier Stockwerke runter in den Garten ausführte. Diese Demütigung hatte die 18-jährige Angeklagte mit dem Handy gefilmt und offenbar auch Spaß daran gehabt. Eine Jugendliche, die in der Schule selbst gemobbt worden sei und sich bei Sturm 18 zum ersten Mal nicht ausgegrenzt gefühlt habe, so der Richter. Erstmals sei nicht sie selbst Opfer gewesen, sondern eine andere junge Frau.

Die 18-Jährige wurde nach Jugendstrafrecht verurteilt: Sie muss 80 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und an einem sozialen Kompetenztraining teilnehmen.

HINTERGRUND:

Der 40-jährige Bernd T. ,ist bereits im Jaunuar vor dem Kasseler Landgericht wegen Körperverletzung, gefährlicher Körperverltzung und Nötigung verurteilt worden. Er hatte eingeräumt, seine schwangere Ex-Freundin in den Bauch getreten und diese sowie zwei andere Frauen animiert zu haben, die 16-Jährige zu schlagen. Das Urteil (zwei Jahre und drei Monate Haft) ist noch nicht rechtskräftig. Der Sturm18-Chef . wurde seit 1990 bereits 23-mal verurteilt. (use)

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