51-Jähriger wurde seit 1983 insgesamt schon zu über 20 Jahren Haft verurteilt

Fünf Jahre Haft für Raub: Geld und Drogen geklaut

Kassel. Wegen gefährlichen Raubes ist ein 51 Jahre alter Mann aus Kassel von der 5. Strafkammer des Landgerichts zu fünf Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden.

Der Mann, der bereits seit Oktober vergangenen Jahres in Untersuchungshaft sitzt, soll nach Auffassung vom Vorsitzenden Richter Jürgen Stanoschek in eine Entziehungsanstalt kommen.

Die Kammer folgte mit dem Urteil genau dem Strafantrag der Staatsanwaltschaft und blieb damit am unteren Ende der Strafskala. Verteidiger Lothar Hinz (Hagen) hatte maximal zwei Jahre gefordert.

Eindeutig geklärt werden konnte das Geschehen im Oktober 2015 in der Wohnung eines 58-jährigen Hanfanbauers und Drogendealers an der Kölnischen Straße nicht, zu widersprüchlich waren die Aussagen der beiden Beteiligten. Der Angeklagte hatte angegeben, den andern davon abhalten wollen, seine Geliebte weiter mit Marihuana zu versorgen. Außerdem solle er rund 1000 Euro, die er von der Frau erhalten hatte, zurückzahlen.

In der Wohnung des Dealers gerieten beide handgreiflich in Streit, wobei der Ältere angab, der körperlich überlegen Angeklagte sei über ihn hergefallen, hätte ihn getreten, geschlagen, mit Klebeband gefesselt und damit gedroht, ihm mit einer Rosenschere die Finger abschneiden zu wollen.

Mit Bargeld und ein paar hundert Gramm „Gras“ von der illegalen Zimmerplantage war der 51-Jährige abgezogen und wenig später festgenommen worden.

Vor Gericht lieferte der Angeklagte ein zwiespältiges Bild ab: Wortgewandt und höflich, aber auch herrisch und belehrend trat er auf, mit seinem langen Kinnbart und dem meist schmallippig gekniffenem Mund wirkte er wie ein religiöser Wanderprediger. Kein Wunder, hatte er doch sechs Semester Theologie studiert.

Tatsächlich ist er ein drogenabhängiger Gewohnheitskrimineller, der in zwölf Gerichtsverhandlungen seit 1983 zu über 20 Jahren Haft verurteilt wurde. Meist waren es Drogendelikte als Junkie und Dealer oder Körperverletzungen. 1990 überfiel er bewaffnet mit einer abgesägten Schrotflinte eine Sparkasse und erbeutete 26 000 Mark.

Der Mann gehört einer Minderheit im deutsch-holländischen Grenzgebiet an. Sein US-amerikanischer Vater fiel in Vietnam, seine Mutter starb früh bei einem Autounfall, er wuchs im Heim und bei einer Pflegefamilie auf.

Birgit von Hecker, Leiterin der Klinik für forensische Psychiatrie in Bad Emstal, hatte ihm religiöse Wahnvorstellungen attestiert und angesichts des Jahrzehnte langen Heroinkonsums einer Drogentherapie keine Erfolgschancen eingeräumt.

Der Angeklagte, seit 2010 in Kassel, verheiratet und Vater eines dreijährigen Kindes, hatte um ein mildes Urteil gebeten - und um eine Therapie, die ihm bisher nie zuteil geworden sei.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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