Fünf Jahre unschuldig im Knast: „Die haben sich alle von Heidi K. blenden lassen“

Kassel. Dass der Fall des Biolehrers Horst Arnold neu aufgerollt wurde und nun mit einem Freispruch endete, ist vor allem einem Geschwisterpaar zu verdanken. Sie blieben während all der Jahre hartnäckig. Mit Erfolg: Am Dienstag wurde Horst Arnold freigesprochen.

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Die Frauenbeauftragte für Lehrkräfte im Odenwald und Kreis Bergstraße, Anja Keinath, hatte das vermeintliche Opfer von Horst Arnold, Heidi K., als Beistand im ersten Prozess in Darmstadt begleitet. Als sie aber erfuhr, dass Heidi K. offenbar viele Unwahrheiten auftischte, wurden die Zweifel langsam zur Gewissheit: Horst Arnold saß unschuldig im Gefängnis.

Die Frauenbeauftragte vertraute sich ihrem Bruder Hartmut Lierow an. Der ist Rechtsanwalt in Berlin. Er recherchierte und fand neue Zeugen. Wir sprachen mit Hartmut Lierow.

Herr Lierow, Sie sind eigentlich Zivilrechtler. Warum haben Sie sich in diesem Strafprozess so engagiert?

Lierow: Als mir meine Schwester das erzählte, wollte sie zur Staatsanwaltschaft gehen. Ich dachte, das wird Horst Arnold nicht viel helfen und meine Schwester vielleicht in ihrem Beruf in Schwierigkeiten bringen. Ich begann also zu recherchieren, wie ein Journalist. Und als ich so viele Fakten über Heidi K. zusammen hatte, da dachte ich, jetzt kann ich Horst Arnold auch gleich verteidigen. Wer sollte sonst einem Sozialhilfeempfänger helfen?

Wie konnten die Darmstädter Richter ein so krasses Fehlurteil sprechen?

Lierow: Die haben sich von Heidi K. genauso blenden lassen wie am Anfang all die Lehrer und Schulämter. Auf der einen Seite die hübsche junge Frau, auf der anderen Seite ein nicht gerade beliebter Mann, der Alkoholprobleme hatte. Da hat man eben nicht genau hingeguckt.

Das Leben von Horst Arnold scheint weitgehend zerstört. Kann man das alles überhaupt wieder gutmachen?

Lierow: Wieder gutmachen kann man das nicht. Aber vielleicht ein wenig heilen.

Was droht jetzt Heidi K., die mit ihren Lügen Horst Arnold ins Gefängnis brachte?

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Lierow: Ich habe ja vor dreieinviertel Jahren schon Anzeige wegen Freiheitsberaubung gegen Heidi K. gestellt. Dier letzte Ermittlungsschritt der Staatsanwaltschaft Darmstadt datiert aus dem Dezember 2008. Seither ist nichts passiert. Ich vermute, dass die Anwältin von Heidi K. nun versucht, die ganze Sache in die Verjährung zu retten.

Von Frank Thonicke

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