Sie sind für die Wartung aller Dienstwaffen in Nord- und Osthessen zuständig

Die Männer vom Waffen-TÜV

Er zerlegt sie in 95 Einzelteile: Bei guter Pflege hält die Maschinenpistole MP 5 von Heckler & Koch ein ganzes Polizeileben lang. Waffenmechaniker Ralf Nickel wartet diese Waffe. Foto:  Pflüger-Scherb

Kassel. Fünf Männer und etliche Waffen: Techniker der Bereitschaftspolizei in Niederzwehren sind für alle Dienstwaffen in Nord- und Osthessen zuständig.

Ob bei Pegida in Dresden, beim G7-Gipfel in Bayern oder bei Demos in Nord- und Osthessen: Die Einsätze der Bereitschaftspolizei aus Niederzwehren sind vielfältig. In einer Serie stellen wir die Arbeit der BePo vor. Heute geht es um die Waffentechniker, die für die Wartung aller Dienstwaffen in Nord- und Osthessen zuständig sind:

„Die sieht man in jedem amerikanischen Krimi und Gangsterfilm. Da stimmen Realität und Film mal wirklich überein“, sagt Ralf Nickel. Der Waffenmechaniker, der in der Waffenwerkstatt der Bereitschaftspolizei in Niederzwehren arbeitet, redet über die Maschinenpistole MP 5 von Heckler & Koch. „Bei guter Pflege hält die ein ganzes Polizeileben lang.“

„Die sieht man in jedem amerikanischen Krimi und Gangsterfilm. Da stimmen Realität und Film mal wirklich überein“, sagt Ralf Nickel. Der Waffenmechaniker, der in der Waffenwerkstatt der Bereitschaftspolizei in Niederzwehren arbeitet, redet über die Maschinenpistole MP 5 von Heckler & Koch. „Bei guter Pflege hält die ein ganzes Polizeileben lang.“

Nicht nur für saubere Zähne: Mit einer Zahnbürste reinigt Waffentechniker Dirk Wernick den Schlaghahn einer P 30, um Pulverschmauchreste zu entfernen.

Diese Maschinenpistole wird auch von der hessischen Polizei benutzt. Nickel und drei weitere Waffenmechaniker, einer davon ist gleichzeitig Polizeibeamter, sorgen dafür, dass die Waffen aller Polizisten des Polizeipräsidium Nord- und Osthessen sowie der IV. Bereitschaftspolizeiabteilung und der Beamten der Justizvollzugsanstalten in Kassel, Schwalmstadt, Hünfeld und Fulda funktionieren.

Für die Wartung der Maschinenpistolen, Pistolen des Typs P30 von Heckler & Koch, rund 40 Sportwaffen sowie Spezialwaffen der Sondereinheiten sind die Waffenexperten verantwortlich. Einschlägige Vorschriften geben vor, dass jede Waffe einmal im Jahr von den Experten untersucht wird, sagt Polizeihauptkommissar Rolf Pflüger, Chef der Waffenwerkstatt. Er und seine Kollegen nehmen deshalb 90 Revisionstermine auf den verschiedenen Dienststellen in Nord- und Osthessen wahr.

Vor Ort werden die Waffen dann auf Abnutzung und Schäden untersucht. „Jede Waffe ist ein technisches Gerät, das Verschleiß hat“, sagt Pflüger. Auch wenn die meisten Waffen im Dienst nicht zum Einsatz kommen, so müssen die Polizisten zwingend mehrere Schießübungen pro Jahr machen.

Nachschauen wird eingetrichtert

Die Experten gehen bei dem Waffen-TÜV nach den Vorgaben des Herstellers und eines von der Bundespolizei entwickelten Konzepts vor. Aber bevor sie mit der Untersuchung beginnen, schauen die Waffentechniker nach, ob die Waffe nicht geladen ist. „Das machen wir automatisch. Das wird jedem Waffenmechaniker eingetrichtert“, sagt Pflüger.

Der Lauf wird gereinigt: Nachdem das Rohr eingeölt wurde, um den Pulverschmauch zu lösen, zieht Waffentechniker Peter Spohr eine Reinigungskette durch das Teil.

Bei einer Revision überprüfen die Experten zum Beispiel das Abzugsgewicht und beurteilen die Waffenrohre. Derzeit würden pro Jahr bei bis zu 350 der untersuchten Waffen Mängel entdeckt. Das seien vergleichsweise wenig, sagt Nickel. Das liege an den neuen Pistolen P 30, mit der die hessische Polizei erst 2011 ausgestattet worden ist.

Bis zu 95 Einzelteile

Die Waffen mit Mängeln werden von den Technikern mit nach Niederzwehren genommen. Dort wird jede Waffe komplett zerlegt und gereinigt. Eine Maschinenpistole in 95 Einzelteile. Defekte Teile werden dann ausgetauscht. Anschließend wird die Funktion der Waffe auf einem Schießstand überprüft. Für eine Reparatur veranschlagen die Experten drei bis fünf Stunden.

Der Chef der Werkstatt muss nicht nur Waffentechniker sein, sondern auch Polizist. Das hat einen guten Grund: „Dann kann man sich leichter in die Bedürfnisse eines Schutzmannes reinversetzen“, sagt Pflüger.

Im nächsten Teil der Serie über die Bereitschaftspolizei begleiten wir die Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) bei einem Einsatz. Da die BFE sehr flexibel auf die Einsatzlage reagieren muss, können wir derzeit noch nichts Näheres dazu sagen.

Hintergrund: Einzigartig wie ein Fingerabdruck

Benutzt ein Polizeibeamter im Dienst seine Schusswaffe, mit der ein Mensch verletzt wird, so wird diese anschließend nicht bei einer Waffenwerkstatt, sondern beim Landeskriminalamt in Wiesbaden untersucht.

Waffenexperten können anhand von Geschoss, Pulver und Hülse feststellen, aus welcher Waffe ein Schuss abgegeben wurde. „Jedes Teil weist individuelle Merkmale auf, jeder Lauf hat eine andere Charakteristik, die Spuren hinterlässt“, sagt Waffenmechaniker Ralf Nickel. Das sei so einzigartig wie ein Fingerabdruck.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.