Areal in der Nordstadt soll aufgewertet werden - Kunsthaus in ehemaliger Fabrik

Kur fürs Schiller-Viertel

Große Pläne: Die ehemaligen Bekleidungswerke Brandt an der Erzbergerstraße sollen zu einem Kunsthaus werden. Foto: Herzog

kassel. Wohnhäuser und Gewerbebetriebe wechseln sich ab, auch das Rotlicht-Milieu hat Spuren hinterlassen: Das Schiller-Quartier in der Nähe des Kulturbahnhofs gehört zu den vergessenen Vierteln in der Stadt. Das soll sich ändern. Frischer Wind kommt von Kassels kreativer Szene.

Sie hegt große Pläne für das Viertel zwischen Wolfhager Straße und Grünem Weg. Auf dem Gelände der ehemaligen Bekleidungswerke Brandt zwischen Erzbergerstraße, Wolfhager Straße und Rothenditmolder Straße soll ein Kunst- und Kulturhaus entstehen. Eine Gruppe um Gastronom Ralph Raabe (Lolita-Bar, ARM) und Architekt Matthias Tunnemann (Büro Sprengwerk) verhandelt bereits mit dem jetzigen Eigentümer, der Ahlers AG in Herford, die das Gelände verkaufen will. Die Verhandlungen mit dem kunstinteressierten Eigentümer sollen vielversprechend sein.

In dem „Kunsthaus Brandt“ wollen die Initiatoren, die ihre Pläne gestern Abend den Ortsbeiräten Mitte und Nord-Holland vorstellten, Kassels Kreative auf 8000 Quadratmetern zusammenbringen. Sie sollen dort Räume oder einen Arbeitsplatz mieten können.

Näherei für Modemarken

In der ehemaligen Näherei sind Ateliers und Werkstätten für kleinere Modemarken geplant. In die übrigen Räume könnten Grafiker und Designer, Filmproduktionen und Tanzstudios  einziehen.  Ein Bistro, ein „Kunstgenuss-Garten“, eine gemeinsame Ausstellungsfläche sowie ein Laden, in dem die Kreativen ihre eigenen Arbeiten und die gemeinsame Marke „Kunsthaus Brandt“ vermarkten, sollen das Angebot ergänzen.

Das Hochregallager ist als Veranstaltungsraum vorgesehen. An der Rothenditmolder Straße ist ein kleines Gästehaus geplant, für das es laut Tunnemann Interessenten als Betreiber gibt. Die ersten Flächen könnten nach seinen Angaben im nächsten Frühjahr vermietet werden. Mitte 2011 würden die Umbauten beginnen. Die Kosten beziffert der Architekt auf 500 000 Euro.

Hotels geplant

Mit Hilfe von Bebauungsplänen, die großflächigen Einzelhandel ausschließen, will die Stadt den Grundstein für eine attraktive Entwicklung legen. In der Umgebung des Brandt-Geländes sind laut Frank Kresse vom Stadtplanungsamt bereits weitere Hotels geplant. „Nach jahrelangem Dornröschenschlaf kommt jetzt Bewegung ins Quartier“, sagt er. Das gilt auch für das Areal rund um den Kulturbahnhof (Kuba). Die Nachrichtenmeisterei am Kuba will wachsen, das Hotel Reiss wird saniert, die Flächen dahinter bieten weiteres Potenzial. Auch für das Gelände rund um die Lolitabar gibt es Pläne. Die Stadtplaner haben auch diesen Bereich und den Unterstadt-Bahnhof im Blick, wo Grundstücke zum Verkauf stehen. Unter anderem hat der Verein Stadtmoschee Interesse bekundet. Großflächigen Einzelhandel will die Stadt auch dort verhindern.

Von Ellen Schwaab