Aktion der eritreischen Gemeinde an Zollmauer für „Märtyrer“ sorgt für Wirbel

Gedenktafel muss weg

Gedenken an eritreische Märtyrer: Die Stadt fordert die Beseitigung der Tafel an der Zollmauer. Foto: Dilling

Unterneustadt. Die eritreische Gemeinde Kassels hat Ende März einen Walnussbaum zum Gedenken an die „Märtyrer“ gepflanzt, die vor 30 Jahren im Freiheitskampf Eritreas gegen Äthiopien gestorben sind und eine entsprechende Gedenktafel auf städtischem Grund an der Zollmauer aufgestellt. Jetzt soll die Tafel wieder weg.

Die eritreische Gemeinde müsse die Tafel abbauen, sagte nun Hans-Jürgen Schweinsberg, Pressesprecher der Stadt auf Anfrage der HNA. Das hat auch der Ortsbeirat Unterneustadt in seiner jüngsten Sitzung gefordert. Dabei spielt eine Rolle, dass es die Regierung des afrikanischen Staats laut Presseberichten mit den Menschenrechten nicht so genau nimmt und Druck auf Eritreer im Ausland ausübt.

Die Gedenkaktion sorgte schon im Vorfeld für einen Eklat: Ortsbeirat und Ausländerbeirat hatten kurzfristig ihre Teilnahme an der Gedenkfeier abgesagt. Man wolle sich generell nicht in politische Auseinandersetzungen der Herkunftsländer von ehemaligen Flüchtlingen hineinziehen lassen, erklärte Schweinsberg. Kamil Saygin, Vorsitzender des Ausländerbeirats, sagte, er habe nach Gesprächen mit eritreischen Vereinsmitgliedern das Gefühl gehabt, dass ein politischer Hintergrund dieser Aktion nicht auszuschließen sei. Stadtverwaltung, Ausländerbeirat und Ortsbeirat werfen der als Verein organisierten eritreischen Gemeinde vor, nicht mit offenen Karten gespielt zu haben. Die Eritreer hätten beim Umwelt- und Gartenamt zunächst nur den Antrag gestellt, einen Gedenkbaum aufstellen zu dürfen. Der sei auch genehmigt worden, sagt Schweinsberg.Von einer Gedenktafel für Märtyrer sei nie die Rede gewesen.

Das sagte auch Ortsvorsteher Joachim Schleißing (Grüne), der sogar die Einladung mitformuliert hatte. „Ich musste feststellen, dass wir instrumentalisiert werden sollten“, sagte er während der jüngsten Ortsbeiratssitzung. Er vermute, dass viele Kasseler Eritreer von der Regierung ihrer Heimatlandes unter Druck gesetzt würden. (pdi)

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