Renaturierung wird als Ausgleichsprojekt für A44-Bauarbeiten möglich

Geilebach wird natürlicher

In Beton gefasst: Der Geilebach soll im Abschnitt zwischen Steinstücker Weg und Zum Feldlager renaturiert werden. Foto: Koch

Jungfernkopf. Die A44 macht’s möglich: Weil zum Ausgleich für Bauarbeiten an der Autobahn etwas für die Natur getan werden muss, scheint jetzt der lange gehegte Wunsch nach einer Renaturierung des Geilebachs wahr zu werden. Dafür hatten sich der Ortsbeirat Jungfernkopf und engagierte Naturfreunde seit mehr als 15 Jahren eingesetzt. Mit Verweis auf die Finanznot der Stadt war die Wiederherstellung des naturnahen Zustands des Baches immer abgelehnt worden.

Jetzt ist Bewegung in die Sache gekommen: Der Kasseler Entwässerungsbetrieb (KEB), der sich um die Unterhaltung städtischer Gewässer wie den Geilebach kümmert, hat bereits ein Vellmarer Ingenieurbüro mit einer Genehmigungsplanung beauftragt.

Etwa 30 000 Euro wird das Amt für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) Kassel für die Renaturierung des Geilebachs zur Verfügung stellen, sagt Gerald Gluth, beim ASV Teamleiter für Landespflege. Das Geld wird im Zusammenhang mit Bauarbeiten an einer A44-Brücke für Kompensationsmaßnahmen frei (siehe Hintergrund). Das Baurechtsverfahren für die Brücke „Altenbaunaer Straße“ zwischen dem Autobahnkreuz Kassel-West und der Anschlussstelle Wilhelmshöhe laufe noch, sagt Gluth. Vermutlich werde die Brückenerneuerung nicht vor 2013 erfolgen. Wann genau die Ausgleichsmittel für das Renaturierungsprojekt am Geilebach fließen, stehe deshalb noch nicht fest.

Klar ist, dass damit der Bach von seinem Betonkorsett befreit werden soll. 1976 wurde der Geilebach in dem etwa 500 Meter langen Abschnitt zwischen Steinstückerweg und Zum Feldlager mit sogenannten Sohlschalen versehen. Damals sei es üblich gewesen, auf diese Weise Flüsse und Bäche zu kanalisieren und einen schnelleren Abfluss des Wassers auf der glatten Betonsohle herbeizuführen, sagt Detlef Wagner von der Gewässerunterhaltung des KEB. Dem seinerzeit noch stärker verschmutzten Gewässer sollte über treppenartige Abstürze außerdem Sauerstoff zugeführt werden. Das sei heute, wo keine Abwässer mehr eingeleitet würden, nicht mehr nötig.

Heute versuche man, Gewässer so naturnah wie möglich zu belassen, beziehungsweise wieder in ihren natürlichen Zustand zurückzuführen, erklärt Wagner. Diese Renaturierung umfasse beispielsweise besondere Bepflanzung, die Rückführung in einen mäandrierenden, schlängelnden Verlauf und den Einbau von Buhnen (in den Bach ragende Landzungen). Um sich gegen Hochwasser zu rüsten, setze man auf angrenzende Flächen, um das Wasser zurückzuhalten. Wie genau beim Geilebach vorgegangen wird, dafür soll das Ingenieurbüro Vorschläge erarbeiten, die sich in einzelnen Schritten umsetzen lassen.

Um den kompletten Abschnitt des Geilebachs renaturieren zu können, hofft man jetzt beim Kasseler Entwässerungsbetrieb und am Jungfernkopf, dass das ASV weitere Ausgleichsmittel aus Bauprojekten zur Verfügung stellt. HINTERGRUND

Von Katja Rudolph

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